12. Oktober 1888: Grundsteinlegung für das Bethel College in Kansas

Am 12. Oktober 1888 versammelten sich rund 2.500 Menschen auf der offenen Prärie nördlich von Newton im US Bundesstaat Kansas. Mennoniten aus verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten waren angereist, um an einem Ereignis teilzunehmen, das für die mennonitische Bildungsgeschichte Nordamerikas große Bedeutung bekommen sollte. An diesem Tag wurde der Grundstein für das Hauptgebäude des Bethel College gelegt.
Eine eigene Schule für die nächste Generation
Viele der Mennoniten, die sich seit 1874 in Kansas niedergelassen hatten, waren aus dem Russischen Reich eingewandert. Neben dem Aufbau neuer Dörfer, Gemeinden und landwirtschaftlicher Betriebe beschäftigte sie schon früh die Frage, wie ihre Kinder eine gute Ausbildung erhalten und gleichzeitig im christlichen Glauben unterwiesen werden konnten.
Bereits 1877 berieten mennonitische Prediger und Lehrer in der Alexanderwohl Siedlung über die Gründung einer zentralen Schule. Sie sollte unter anderem Lehrer für die Gemeinden ausbilden und sowohl Unterricht in deutscher als auch in englischer Sprache ermöglichen. 1882 entstand daraufhin eine Schule mit zunächst 21 Schülern. Ein Jahr später wurde sie nach Halstead, Kansas, verlegt.

Doch bald reichten die dortigen Möglichkeiten nicht mehr aus. Gleichzeitig bot die Stadt Newton den Mennoniten umfangreiche Unterstützung an, wenn eine neue Hochschule bei Newton errichtet würde. 1887 wurde schließlich die Gesellschaft gegründet, aus der das Bethel College hervorging. Zu den Männern, die sich besonders für das Vorhaben einsetzten, gehörten David Goerz, Bernhard Warkentin und John J. Krehbiel.
Ein Grundstein auf der Prärie
Auf einer Anhöhe nördlich von Newton begannen die Bauarbeiten für ein großes Hauptgebäude. Die kleine Erhebung erhielt später den Namen Mount Hebron. Die Architekten William T. Proudfoot und George W. Bird entwarfen ein stattliches Gebäude aus hellem Kalkstein, das weithin über die damals noch weitgehend unbebaute Prärie sichtbar war.
Nachdem das Kellergeschoss fertiggestellt worden war, konnte am 12. Oktober 1888 der Grundstein gelegt werden. Die Feier dauerte den ganzen Tag. Besucher waren aus verschiedenen mennonitischen Gemeinden der Vereinigten Staaten angereist. Reverend S. F. Sprunger, Präsident der Western Conference, hielt eine Predigt über 1. Korinther 3,11:
„Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“
Damit wurde deutlich, was die Gründer mit dem neuen College verbanden. Bildung sollte nicht losgelöst vom Glauben stehen. Das College sollte jungen Menschen Wissen vermitteln, zugleich aber auch die christlichen Grundlagen und die mennonitische Glaubenstradition bewahren.
Fünf Jahre bis zur Eröffnung
Mit der Grundsteinlegung war das Gebäude allerdings noch lange nicht fertig. Finanzielle Schwierigkeiten verzögerten den Bau erheblich. Zeitweise standen nur die teilweise errichteten Mauern inmitten der hohen Präriegräser. Kritiker verspotteten das unfertige Gebäude sogar als ein Denkmal mennonitischer Torheit.

Doch die Verantwortlichen gaben nicht auf. Erst fünf Jahre später, im September 1893, konnte das Gebäude fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben werden. Am 20. September 1893 begann dort der Unterricht. Cornelius H. Wedel wurde der erste Präsident des Colleges. In den Anfangsjahren wurden unter anderem Kirchengeschichte, Deutsch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften und Musik unterrichtet.
Das Bethel College entwickelte sich schließlich zur ältesten bis heute bestehenden mennonitischen Hochschule Nordamerikas. Das Gebäude, dessen Grundstein 1888 gelegt wurde, steht noch immer auf dem Campus in North Newton und dient heute als Administration Building. Seit 1972 gehört es zum National Register of Historic Places.
Ein sichtbares Zeichen des Glaubens an die Zukunft
Als die Mennoniten 1888 ihren Grundstein in die Prärie von Kansas legten, lebten viele von ihnen erst seit etwa vierzehn Jahren in ihrer neuen Heimat. Trotzdem wagten sie ein großes Bauprojekt. Sie wollten nicht nur Höfe und Dörfer für die Gegenwart schaffen, sondern auch dafür sorgen, dass die kommende Generation Bildung erhalten konnte.

Der 12. Oktober 1888 wurde deshalb zu einem besonderen Datum in der Geschichte des Bethel College. Später wählte man denselben Tag mehrfach für weitere Grundsteinlegungen auf dem Campus, unter anderem 1924, 1938 und 1948. Der damals gewählte Bibelvers blieb dabei sinnbildlich für den ursprünglichen Anspruch der Gründer: Eine gute Ausbildung sollte auf einem festen Fundament stehen, und dieses Fundament sahen sie in Jesus Christus.
Quellen:
GAMEO, „Bethel College (North Newton, Kansas, USA)“, Geschichte des Colleges und Grundsteinlegung am 12. Oktober 1888. gameo.org
Mennonite Library and Archives, Bethel College, Mennonite Life, historische Beiträge zur Gründung und Entwicklung des Bethel College. Bethel University MLA
Keith L. Sprunger, Bethel College of Kansas 1887–2013, North Newton: Bethel College, 2013. gameo.org
Peter J. Wedel, The Story of Bethel College, North Newton: Bethel College, 1954.





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