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11. Januar 1702: Germantown eröffnet eine eigene deutsche Schule – Pastorius wird Lehrer


Als in Germantown, der jungen deutschsprachigen Siedlung nordwestlich von Philadelphia, am 11. Januar 1702 eine eigene Schule den Unterricht aufnahm, war das mehr als eine organisatorische Kleinigkeit. Für die Einwanderer bedeutete es: Wir bleiben nicht nur „Gäste“ in der Neuen Welt – wir bauen Institutionen auf, die unsere Familien tragen, unsere Sprache bewahren und zugleich den Alltag in Pennsylvania meistern helfen.


Von der Siedlung zur Gemeinde mit Schule


Germantown war seit den 1680er-Jahren ein Knotenpunkt der frühen deutschsprachigen Migration nach Pennsylvania. In dieser Umgebung wirkte Franz Daniel Pastorius (Francis Daniel Pastorius) als Jurist, Schreiber, Organisator – und bald auch als Pädagoge. Schon zuvor hatte er Unterrichtserfahrung gesammelt: Zwischen 1698 und 1700 unterrichtete er an der Friends School in Philadelphia.


Dass Germantown nun eine eigene Schule wollte, war konsequent. Schon sehr früh erkannten die Verantwortlichen wie wichtig es ist, die Bildung der Kinder in die eigene Hand zu nehmen um sie vor schädlichen Einflüssen von Außen zu beschützen. Der Beschluss wurde Ende 1701 im örtlichen Gerichts-/Verwaltungskontext bestätigt; eröffnet wurde die Schule dann am 11. Januar 1702 – und Pastorius übernahm den Unterricht.


Haus von Daniel Pastorius Aufnahmedatum unbekannt
Haus von Daniel Pastorius Aufnahmedatum unbekannt

Der ursprüngliche genaue Ort der Schule ist nicht eindeutig überliefert. In den Quellen wird zwar die Eröffnung und Pastorius’ Lehrtätigkeit greifbar, nicht jedoch das Schulgebäude selbst. In der Forschung wird deshalb vermutet, dass der Unterricht im Umfeld von Pastorius’ Haus bzw. auf seinem Grundstück stattgefunden haben könnte – naheliegend, weil Pastorius in der jungen Gemeinde organisatorisch zentral war und Unterricht in der Frühzeit oft in privaten Räumen oder in einfachen Gemeinschaftsräumen stattfand.


Was diese Schule besonders machte


Die Schule war als Gemeinschaftsprojekt organisiert und wurde durch Beiträge und Gebühren getragen – also nicht als luxuriöse Privatangelegenheit einzelner Familien, sondern als gemeinsamer Bildungsauftrag. Zeitgenössische Rekonstruktionen nennen Spenden/Beiträge und Schulgeld als tragende Säulen der Finanzierung.


Bemerkenswert ist auch, dass die Schule allen offen stand. So konnten Jungen und Mädchen in die Schule gehen. Zudem werden Abendkurse für Erwachsene erwähnt, was in einer Einwanderergemeinde sehr sinnvoll war: Lesen, Schreiben und Rechnen waren Schlüsselqualifikationen, um Verträge zu verstehen, Handel zu treiben und sich im kolonialen Rechtssystem zurechtzufinden.


Unterricht zwischen Deutsch und Englisch


Auch wenn Germantown deutsch geprägt war, führte am Englischen kein Weg vorbei. Pastorius galt als sprachlich versiert, und vieles spricht dafür, dass Unterricht und Lernmittel den Übergang in die englischsprachige Umwelt unterstützten. Dass Pastorius selbst Lehrmaterial (u. a. ein frühes „Primmer“/Lehrbuch zum Englischlernen) verfasste, passt in dieses Bild: Bildung sollte Brücke sein – nicht Abgrenzung.


Wirkung und Nachhall


Die Schulgründung von 1702 steht damit für einen frühen deutsch-amerikanischen Grundsatz: Gemeinde entsteht dort, wo man in die nächste Generation investiert. Pastorius blieb dem Schulwesen über Jahre verbunden; Quellen nennen seine Tätigkeit an der Germantown-Schule mindestens bis 1716.


So markiert der 11. Januar 1702 einen stillen, aber nachhaltigen Meilenstein: Aus einer Siedlung wird eine lernende Gemeinschaft – mit einem Lehrer, der zugleich Mittler zwischen alter Heimat und neuer Welt war.


Quellen:

  • Historical Society of Pennsylvania (HSP), Francis Daniel Pastorius papers (biografische Angaben inkl. Unterrichtstätigkeit).

  • Lambert, „Francis Daniel Pastorius as Cultural Broker“ (Pennsylvania History), u. a. zur Schulgründung (Beschluss 1701 / Eröffnung 1702).

  • Brill (wissenschaftl. Sammelband/PDF-Auszug), zur Genehmigung 30.12.1701 und Eröffnung 11.01.1702.

  • Bartel (1976), JSTOR, zur koedukativen Ausrichtung und Abendunterricht.

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