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Zwischen Zürich und Straßburg

vor 5 Stunden
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Historische Übersichtskarte im Stil des 16. Jahrhunderts. Zwischen Zürich, wo 1525 die Täuferbewegung ihren Anfang nahm, und Straßburg, das zu einem wichtigen Sammelpunkt der Täufer wurde, liegt das kleine Dorf Schleitheim.
Historische Übersichtskarte im Stil des 16. Jahrhunderts. Zwischen Zürich, wo 1525 die Täuferbewegung ihren Anfang nahm, und Straßburg, das zu einem wichtigen Sammelpunkt der Täufer wurde, liegt das kleine Dorf Schleitheim.

Zwischen Zürich und Straßburg liegt im Norden der Schweiz das Dorf Schleitheim. Die geografische Lage verbindet den Ort mit zwei bedeutenden Städten der Täufergeschichte: In Zürich begann 1525 die Täuferbewegung, Straßburg wurde zu einem wichtigen Treffpunkt und zeitweiligen Zufluchtsort. Schleitheim selbst ging durch eine Versammlung im Februar 1527 in die Täufergeschichte ein. Hier entstand ein Glaubensbekenntnis, das das Gemeindeleben der Täufer und ihrer Nachfahren bis heute prägt.


Ein alter Ort an einem wichtigen Weg


Schleitheim liegt nahe der deutschen Grenze in einem eigenen Tal zwischen dem Langen Randen und den Höhenzügen Stauffebärg und Lendebärg. Der Schlaatemerbach durchfließt das lang gestreckte Dorf und prägt mit seinen Windungen bis heute das Ortsbild. Die beiden Hauptstraßen folgen ungefähr seinem Lauf.


Schleitheim, Blick von der Burg Hohenlupfen. Im Hintergrund der Randen.
Schleitheim, Blick von der Burg Hohenlupfen. Im Hintergrund der Randen.

Schon in der Antike führte durch das Tal eine wichtige Verbindung zwischen den Landschaften an Neckar, Donau, Rhein und Aare. An dieser Straße lag die römische Kleinstadt Iuliomagus, deren Reste noch heute von der frühen Geschichte des Ortes zeugen. Im Thermenmuseum sind Teile einer römischen Badeanlage erhalten.


Der Dorfbach der durch Schleitheim fließt war lange eine historische Grenze.
Der Dorfbach der durch Schleitheim fließt war lange eine historische Grenze.

Auch die christliche Geschichte reicht weit zurück. Archäologische Funde weisen auf eine Kirche aus der Zeit um das Jahr 600 hin. Die heute sichtbare reformierte Kirche erhielt ihre wesentliche Gestalt allerdings erst im 19. Jahrhundert. Sie ist deshalb kein unverändert erhaltenes Bauwerk aus der Täuferzeit.


Zürich: Der Anfang der Täuferbewegung


Im nahen Zürich setzte sich Huldrych Zwingli für die Reformation der Kirche ein. Einige seiner Anhänger, darunter Konrad Grebel und Felix Manz, wollten jedoch in entscheidenden Fragen weitergehen. Sie waren überzeugt, dass die Taufe nur denen zukomme, die persönlich an Jesus Christus glaubten.


Historische Ansicht von Zürich, dem Ausgangspunkt der Täuferbewegung. Hier fand am 21. Januar 1525 die erste Glaubenstaufe statt.
Historische Ansicht von Zürich, dem Ausgangspunkt der Täuferbewegung. Hier fand am 21. Januar 1525 die erste Glaubenstaufe statt.

Am 21. Januar 1525 kam es in Zürich zu den ersten Glaubenstaufen. Konrad Grebel taufte Jörg Blaurock; weitere Männer empfingen ebenfalls die Taufe. Die Täufer verstanden die Gemeinde nicht als Gemeinschaft aller Einwohner eines Landes, sondern als Versammlung gläubiger Menschen, die Christus bewusst nachfolgen wollten. Der Bruch mit der bestehenden Kirchenordnung führte bald zu Verfolgungen.


Straßburg: Begegnung und Zuflucht


Straßburg am Rhein wurde in den folgenden Jahren zu einem bedeutenden Ort der Begegnung für Täufer. Die freie Reichsstadt bot Verfolgten zunächst vergleichsweise größere Freiräume als manche andere Stadt.


Historische Ansicht von Straßburg mit dem mächtigen Münster und den Befestigungsanlagen der Stadt. Während der Reformationszeit entwickelte sich Straßburg zu einem wichtigen Zufluchtsort und Treffpunkt für Täufer aus verschiedenen Regionen.
Historische Ansicht von Straßburg mit dem mächtigen Münster und den Befestigungsanlagen der Stadt. Während der Reformationszeit entwickelte sich Straßburg zu einem wichtigen Zufluchtsort und Treffpunkt für Täufer aus verschiedenen Regionen.

Dort trafen Menschen aus verschiedenen Regionen und mit unterschiedlichen Auffassungen zusammen. Hans Denck, Ludwig Hätzer und später Pilgram Marpeck gehörten zu den bekannten Persönlichkeiten, die mit Straßburg verbunden waren.


Der Austausch in Straßburg zeigte zugleich, dass die junge Täuferbewegung nicht in allen Fragen einheitlich war. Umso wichtiger war es für viele Gemeinden, die Grundsätze des christlichen Lebens klar aus der Heiligen Schrift zu begründen.


Schleitheim: Die Versammlung vom 24. Februar 1527


In dieser bewegten Anfangszeit versammelten sich am 24. Februar 1527 täuferische Brüder in Schleitheim. Eine führende Rolle spielte Michael Sattler, ein ehemaliger Benediktinermönch. Über den genauen Ort der Zusammenkunft ist nichts Sicheres bekannt. Das Treffen musste in einer Zeit stattfinden, in der Täufer wegen ihres Glaubens vielerorts bedrängt und verfolgt wurden.


Das Ergebnis war die „Brüderliche Vereinigung“, heute meist Schleitheimer Artikel oder Schleitheimer Bekenntnis genannt. In sieben Artikeln ging es um die Glaubenstaufe, die Gemeindezucht, das Abendmahl, die Absonderung von der Welt, das Hirtenamt, die Ablehnung des Schwertes und die Verweigerung des Eides.


Damit gaben die Versammelten ihrem Verständnis von der christlichen Gemeinde eine klare Form. Für sie sollte die Zugehörigkeit zur Gemeinde auf persönlichem Glauben beruhen. Die Nachfolge Jesu musste auch im täglichen Leben sichtbar werden.


Besonders deutlich bekannten sie sich zur Gewaltlosigkeit und zum Verzicht auf die Anwendung des Schwertes. Die Bergpredigt Jesu war für diese Überzeugung von grundlegender Bedeutung.


Die Schleitheimer Artikel waren nicht das Bekenntnis aller Täufergruppen. Vor allem für die Schweizer Brüder und ihnen nahestehende Gemeinden wurden sie jedoch zu einem entscheidenden Orientierungspunkt.


Zürich war der Ort des Aufbruchs; Schleitheim wurde zu einem Ort der Klärung und geistlichen Festigung.


Ein Glaube, der Verfolgung nicht auswich


Die Vereinbarung von Schleitheim machte den Gegensatz zur damaligen Verbindung von Kirche und Staat besonders deutlich. Die Täufer lehnten verpflichtende Eide ebenso ab wie die Gewaltanwendung zur Durchsetzung des Glaubens. Gerade diese Haltung brachte sie in Konflikt mit den Obrigkeiten.


Jagd auf Täufer im Zürcher Oberland. Die kolorierte Zeichnung aus den Jahren 1605/1606 zeigt, wie Täufer in einem Wald aufgespürt und gefangen genommen werden. Sie stammt aus einer von Heinrich Thomann angefertigten Abschrift der Reformationsgeschichte Heinrich Bullingers. Das Bild erinnert an die schweren Verfolgungen, denen die junge Täuferbewegung bereits wenige Jahre nach ihrer Entstehung ausgesetzt war.
Jagd auf Täufer im Zürcher Oberland. Die kolorierte Zeichnung aus den Jahren 1605/1606 zeigt, wie Täufer in einem Wald aufgespürt und gefangen genommen werden. Sie stammt aus einer von Heinrich Thomann angefertigten Abschrift der Reformationsgeschichte Heinrich Bullingers. Das Bild erinnert an die schweren Verfolgungen, denen die junge Täuferbewegung bereits wenige Jahre nach ihrer Entstehung ausgesetzt war.

Auch aus Schleitheim und seiner Umgebung mussten Gläubige ihre Heimat verlassen. Die Ortsgeschichte berichtet von Auswanderungen nach Mähren und in die Pfalz. Als letzte Täuferin des Kantons wird dort die Witwe Margaretha Hess-Bächtold genannt, die 1680 fortzog.


Die Überzeugungen der frühen Brüder gingen durch die Vertreibung dennoch nicht verloren.


Schleitheim bewahrt die Erinnerung


Heute erinnert das Museum Schleitheimertal im Gebäude der Alten Schule an dieses Glaubenszeugnis. Das Schulhaus wurde 1780/81 erbaut und 1824 erweitert. Seit der Museumseröffnung 1995 befindet sich dort auch eine Ausstellung zur Täufergeschichte.


Museum Schleitheim, Schulhaus aus dem Jahr 1780
Museum Schleitheim, Schulhaus aus dem Jahr 1780

Von besonderem Wert ist eine zweite Ausgabe des Schleitheimer Bekenntnisses aus dem Jahr 1550. Die 2021 veröffentlichte Ortsbroschüre berichtet, dass dieses seltene Exemplar seit 2004 öffentlich ausgestellt wird.


Ausgabe des Schleitheimer Bekenntnisses aus dem Jahr 1550, ausgestellt im Täuferzimmer im Schleitheimer Museum
Ausgabe des Schleitheimer Bekenntnisses aus dem Jahr 1550, ausgestellt im Täuferzimmer im Schleitheimer Museum

Ein 2017 eröffneter Täuferweg von Merishausen nach Schleitheim lädt dazu ein, sich auch in der Landschaft mit dieser Geschichte zu beschäftigen.


So ist Schleitheim mehr als ein Dorf zwischen Zürich und Straßburg. Hier wurden im Jahr 1527 Glaubensgrundsätze formuliert, die den Weg zahlreicher täuferischer Gemeinden mitbestimmten. Bis heute erinnern die Schleitheimer Artikel daran, dass die Gemeinde Jesu sich am Wort Gottes orientieren und die Nachfolge Christi in Glauben, Leben und Handeln sichtbar werden lassen soll.


Quellen:

1. Zentralbibliothek Zürich: Heinrich Thomann, Kopienband zur zürcherischen Kirchen- und Reformationsgeschichte, 1605–1606, Ms B 316, Blatt 245v. Originalhandschrift.

2. Historisches Lexikon der Schweiz: „Täufer“. Zur Entstehung, Verfolgung und Entwicklung der Täuferbewegung. hls-dhs-dss.ch.

3. Historisches Lexikon der Schweiz: „Michael Sattler“. Zu seinem Wirken in Zürich, Straßburg und Schleitheim. hls-dhs-dss.ch.

4. Regionaler Naturpark Schaffhausen: Andreas Schiendorfer, Unser Kulturerbe: Schleitheim, 2021. Zur Ortsgeschichte und zum Täuferzimmer. PDF herunterladen.

NATOURPARK

5. Der Märtyrerspiegel: Die Schleitheimer Artikel von 1527. Historischer Bekenntnistext und Hintergrundinformationen. maertyrerspiegel.de

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