Traurige Gewissheit: Drei Mitglieder der Familie Neufeld ertrunken
- Redaktion

- 28. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Große Trauer und Bestürzung herrschen in der mennonitischen Kolonie Nueva Esperanza, nachdem am Dienstag alle drei vermissten Mitglieder der Familie Neufeld tot im Río Negro geborgen wurden. Der Vater Jacob Neufeld sowie seine Kinder Anna (16) und David (20) waren am Sonntagnachmittag beim Besuch des neuen Siedlungsgebietes am nördlichen Ufer des Río Negro verunglückt.

Die Kolonie Nueva Esperanza hatte erst vor wenigen Wochen rund 6.440 Hektar Land in der Gegend von Negro Muerto bei General Conesa erworben. Die Kolonie plant dort einen die Errichtung einer neuen Kolonie: Fruchtbares Land mit Bewässerungsmöglichkeiten, auf dem nach und nach mehrere Familien siedeln und Landwirtschaft betreiben sollen.

Die Familie Neufeld gehörte zu den ersten, die diesen neuen Abschnitt vorbereiteten. Auf dem Grundstück „La Asunción“, unweit der Provinzstraße 53, standen bereits ein bewohntes Haus sowie ein weiteres im Bau.
Jacob Neufeld, seine Kinder und nahe Verwandte hatten den Sonntag genutzt, um das Gelände zu besichtigen, Arbeiten zu koordinieren und gleichzeitig den heißen Tag als Familie zu verbringen. Temperaturen um die 36 Grad führten schließlich zu der Entscheidung, ans Flussufer zu gehen, um sich etwas abzukühlen.

Der Abschnitt des Río Negro in diesem Gebiet wirkt auf den ersten Blick ruhig: breite Ufer, flacher Einstieg, kein sichtbares Gefälle. Viele Ortsfremde wissen jedoch nicht, dass sich dort nur wenige Schritte vom Ufer entfernt tiefe Rinnen befinden, in denen starke Strömungen nach außen ziehen.
Die 16-jährige Anna betrat das Wasser zuerst. Nach Angaben eines Familienangehörigen wollte sie lediglich „die Füße nass machen“ und ein paar Meter weiter auf eine kleine Sandbank gehen, die vom Ufer aus sicher aussah. Doch schon nach kurzer Distanz verlor sie den Halt und wurde von einer Strömung erfasst.
Als Ana zu rufen begann, sprangen ihr Vater Jacob und ihr Bruder David sofort ins Wasser. Sie handelten aus dem natürlichen Drang heraus, ihre Tochter und Schwester zu retten – wie jeder Vater und Bruder es tun würde. Doch keiner von ihnen konnte schwimmen. Die Strömung war stärker und die Tiefe größer, als sie vermutet hatten.
Ein Schwiegersohn, der die Szene beobachtete, berichtete später sichtlich erschüttert, er habe noch gesehen, wie die drei kämpften und versuchten, sich über Wasser zu halten. Dann hätten sie die Strömung und die Tiefe „in wenigen Augenblicken verschluckt“. Es war der letzte Moment, in dem er sie lebend sah.
Ein im Umfeld arbeitender Handwerker fuhr umgehend zur nächsten Polizeistation in Conesa und schlug Alarm. Kurz darauf begann ein groß angelegter Einsatz mit Polizei, Feuerwehr, Prefectura Naval und Suchbrigaden. Mit Booten, Drohnen und Uferpatrouillen wurde bis in die Nacht gesucht.

Am Dienstagmorgen fanden die Einsatzkräfte zunächst Annas und Jacobos Körper nahe der Stelle, an der sie zuletzt gesehen worden waren. Stunden später konnte auch David geborgen werden. Alle drei waren bereits am Sonntag ertrunken.
Die Staatsanwaltschaft bestätigte nach ersten Untersuchungen: Es gab keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden – alles deutet auf einen tragischen Unfall hin. Da die Abläufe durch Zeugenaussagen eindeutig waren, wurde auf Autopsien verzichtet.
Die Familie Neufeld gehörte zu jener Gruppe von Pionieren, die bereit waren, Häuser zu bauen, Bewässerungssysteme anzulegen und den Boden für zukünftige Familien vorzubereiten. Ein Haus war bereits fertig gebaut worden.

„Sie hatten Pläne, viel Mut und ein starkes Herz für das, was kommen sollte“, sagte ein älteres Gemeindemitglied, das eng mit Jacob zusammengearbeitet hatte. „Dass ausgerechnet ihnen so etwas passiert, zerbricht uns das Herz.“
Auch die Kolonie Nueva Esperanza veröffentlichte eine Mitteilung, in der sie den Einsatzkräften dankte und der gesamten Großfamilie ihr Mitgefühl aussprach. Die Gemeinschaft steht nun eng zusammen, um bei der Trauerverarbeitung zu helfen und die betroffene Familie zu unterstützen.
Informationen aus der Zeitung "noticiasnet" übersetzt und ergänzt




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