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Salamanca bei Bacalar: Wie eine mennonitische Gemeinde ihren Kindern Sicherheit und Alltag bewahrt


Während in Teilen der Region um Bacalar, Mexiko die Unsicherheit wächst, wirkt die mennonitische Gemeinde Salamanca wie ein bewusst geschaffener Gegenentwurf: ruhig, arbeitsam, stark familienorientiert – und so organisiert, dass Kinder möglichst unbeschwert aufwachsen können. Genau dieses Bild zeichnet ein Report der mexikanischen Zeitung Milenio: Kinder spielen im Gras, klettern auf Wagen, jagen dem Hund hinterher – ohne dass der Lärm der Außenwelt ihren Alltag bestimmt.



Im Mittelpunkt steht der zwölfjährige Abraham Guenter, der mit Down-Syndrom lebt. Weil er Plautdietsch spricht, kommuniziert er viel über Gesten – und sobald es ums Spielen geht, sprüht er vor Energie. Um ihn herum: eine große Geschwisterschar und zahlreiche Cousins. Das wirkt nicht wie Folklore, sondern wie gelebte Nähe – ein soziales Netz, das trägt.


Abgeschieden – aber nicht abgewandt


Salamanca liegt laut Milenio rund sieben Kilometer von Bacalar entfernt, verbunden durch einen unbefestigten Weg. Diese Lage ist kein Zufall, sondern Teil eines Lebensstils: Die mennonitische Gemeinschaft pflegt bewusst Eigenständigkeit und eine enge Binnenbindung. Zugleich wird deutlich: „Abgeschieden“ heißt hier nicht „unorganisiert“ – im Gegenteil.



Der Report beschreibt ein System von Selbstverwaltung mit regelmäßigen Wahlen und klaren Zuständigkeiten. Es gibt ein gewähltes Gemeindeleitungsamt (mit turnusmäßigen Wahlen), religiöse Leitungsfunktionen sowie lokale Gremien in den einzelnen Bereichen der Siedlung, die bei Konflikten vermitteln und in Notfällen koordinieren. In einer Region, in der viele Menschen gerade Kontrollverlust erleben, ist diese Struktur ein Stabilitätsanker.


„Damit Kinder Kind sein können“


Besonders positiv fällt im Bericht auf, wie konsequent Salamanca den Alltag um die Bedürfnisse von Familien herum organisiert. Die Rollen sind traditionell verteilt – das wird im Report offen benannt –, aber zugleich zeigt sich: Betreuung, Versorgung und Nähe sind keine Nebensache, sondern Kern des Systems. Kinder bleiben bis ins Schulalter unter unmittelbarer Aufsicht von Müttern, Großmüttern und Nachbarschaft – nicht als Misstrauensregime, sondern als permanente Präsenz von Bezugspersonen.



Auch Schule ist nah am Zuhause: Milenio berichtet, dass Familien die Schulgebäude selbst errichten und pro Dorf eigene Schulen existieren, damit Wege kurz bleiben. Der Unterricht folgt nicht zwangsläufig dem staatlichen Jahreskalender, sondern läuft in Lern- und Ruhephasen. So bleiben Kinder auch mittags in Familiennähe.


Arbeitsethos und Versorgung der Region


Salamanca ist nach Darstellung von Milenio die größte mennonitische Kolonie auf der Halbinsel Yucatán und lebt vor allem von der Landwirtschaft. Angebaut werden u. a. Mais, Soja, Sorghum sowie weitere Feldfrüchte; gelagert wird in großen Silos, verkauft wird an Betriebe und Abnehmer in der Region. Der Report nennt beispielhaft Erntemengen für das laufende Jahr und macht damit greifbar: Diese Gemeinde ist nicht nur „für sich“, sondern ein relevanter Versorger im ländlichen Raum.



Dazu kommt: Selbstständigkeit bedeutet hier auch wirtschaftliche Disziplin. Männer arbeiten früh und lang – auf dem Feld, bei Viehhaltung, in Werkstätten oder im Handel mit Betriebsmitteln. Die Gemeinschaft setzt auf ein Leben, das durch Arbeit, Verlässlichkeit und religiös geprägte Ordnung zusammengehalten wird.


Kontakt zur Außenwelt – pragmatisch, wenn nötig


Ein Detail aus dem Report zeigt, dass die Gemeinde sich nicht grundsätzlich von externer Hilfe abschottet: Abrahams Vater berichtet, dass man den Jungen als Baby und Kleinkind zur Frühförderung nach Chetumal (Teletón-Zentrum) brachte . Das wirkt wie ein pragmatischer Umgang: Die Lebensform bleibt traditionell – aber wo Unterstützung sinnvoll erscheint, wird sie genutzt.


Ein Modell mit Verantwortung


Milenio schildert auch, wie Salamanca entstanden ist: Zunächst kamen mennonitische Familien aus Little Belize (Belize) in die Region, pachteten Flächen, und es folgten formale Schritte, um Siedlung und Landwirtschaft aufzubauen. Wie überall dort, wo Landwirtschaft in sensiblen Naturräumen wächst, ist das nicht frei von Debatten – Fragen von Landnutzung und Umweltschutz stehen im Raum. Der Report macht jedoch zugleich deutlich: Die Gemeinde versteht sich als friedlich, gesetzlich eingebunden und stark auf geordnetes Zusammenleben ausgerichtet.



Unterm Strich lässt sich Salamanca – in der Perspektive dieses Berichts – als bemerkenswerte Insel beschreiben: nicht perfekt, aber konsequent in dem Versuch, Kindern Sicherheit, Spiel und Alltag zu bewahren. In einer Umgebung, die vielerorts von Angst geprägt ist, wirkt diese Mischung aus Gemeinschaft, Arbeitsethos und klaren Regeln wie ein seltener Schutzraum.



Quellenliste

Textquelle (Hauptgrundlage)

  • Hernández Ruiz, Ricardo. „Los niños de Bacalar no conocen el miedo: una comunidad menonita aislada del crimen“. Milenio (Rubrik „DOMINGA“), Bacalar, Quintana Roo, 16.11.2025. (Zugriff: 06.01.2026).

Ergänzende Hintergrundquelle (Umwelt-/Kontextteil, falls du ihn erwähnst)

  • Sánchez, Emilio. „Deforestación en Bacalar: Menonitas Responden a Críticas por Dañar La Laguna“. N+ (nmas.com.mx), 04.10.2025 (aktualisiert 05.10.2025). (Zugriff: 06.01.2026).

Bildquellen (für Fotos, die direkt zu den beiden Beiträgen gehören)

  • Fotomaterial innerhalb der Milenio-Reportage (Fotocredits im Beitrag; u. a. Ricardo Hernández).

  • Fotomaterial innerhalb des N+-Beitrags

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