Neues Steuersystem bringt Amische und Mennoniten in Schwierigkeiten

Die Umstellung der Steuerverwaltung im US-Bundesstaat Maryland auf ein neues digitales System sorgt bei Amischen und konservativen Mennoniten für erhebliche Schwierigkeiten. Besonders betroffen sind Familien im St. Mary’s County, die aus religiöser Überzeugung weitgehend auf Internet, Computer und teilweise auch auf Telefone verzichten.
Gewohnte Papierformulare bleiben aus
Wie die Kommunalpolitikerin Mary Maday Slade aus Leonardtown berichtet, erhielten Angehörige der traditionellen amischen und mennonitischen Gemeinschaften in der Vergangenheit Zahlungsformulare auf dem Postweg. Diese konnten ausgefüllt und zusammen mit der jeweiligen Steuerzahlung zurückgeschickt werden.
Seit der Umstellung auf das neue System Maryland Tax Connect sollen solche Formulare jedoch teilweise nicht mehr automatisch zugeschickt werden. Für Menschen mit Internetzugang ist es möglich, Steuerangelegenheiten über das neue Portal zu erledigen oder Formulare herunterzuladen. Gerade dies ist für viele Amische und konservative Mennoniten jedoch keine praktikable Möglichkeit.

Bleibt eine Zahlung deshalb aus, kann die Steuerbehörde die geschuldete Summe offenbar schätzen. Nach Angaben von Slade führte dies in einzelnen Fällen zu erheblichen Abweichungen. So seien Forderungen von 4.000 oder sogar 16.000 Dollar verschickt worden, obwohl tatsächlich nur ungefähr 400 Dollar geschuldet gewesen seien. Auf offene Beträge können zudem Zinsen anfallen.
Auch die Klärung ist schwierig
Für die betroffenen Familien ist es nicht einfach, solche Bescheide zu korrigieren. Viele besitzen kein Telefon und können deshalb die üblichen telefonischen Serviceangebote nicht nutzen. Da zahlreiche Angehörige der Gemeinschaften außerdem selbst kein Auto fahren, ist auch eine persönliche Fahrt zur Steuerbehörde mit zusätzlichem Aufwand verbunden.
Slade berichtete sogar von Fällen, in denen Betroffene bei einem persönlichen Besuch Schwierigkeiten gehabt hätten, weil sie keinen staatlichen Lichtbildausweis mit sich führten.
Rund 100 Betroffene bei Gespräch mit Steuerbehörde
Der Senator des Bundesstaates Maryland, Jack Bailey, organisierte deshalb ein Treffen zwischen der Steuerbehörde und Angehörigen der traditionellen Gemeinschaften. Nach Angaben Slades nahmen daran etwa 100 Menschen teil.
Eine einfache Lösung scheint bislang jedoch nicht gefunden worden zu sein. Ein Mitarbeiter der Behörde habe angeboten, als direkter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und zurückzurufen, wenn Betroffene eine Nachricht hinterließen. Bailey machte dabei auf das grundlegende Problem aufmerksam: Wer aus religiösen Gründen überhaupt kein Telefon besitzt, kann auch keinen Rückruf entgegennehmen.
Slade erklärte anschließend, man habe bei dem Treffen zwar einen Gesprächskontakt hergestellt, bei einer praktischen Lösung aber offenbar noch keine großen Fortschritte erzielt.
Modernisierung mit unbeabsichtigten Folgen
Maryland führte Maryland Tax Connect für Unternehmen bereits 2024 ein. Seit dem 1. September 2026 steht das System auch privaten Steuerzahlern zur Verfügung. Dafür wurden nach Angaben der Steuerbehörde mehr als vier Milliarden Datensätze aus älteren, teilweise über 30 Jahre alten Systemen übertragen.
Über das neue Portal können Steuerzahler Erklärungen einreichen, Zahlungen leisten, Kontostände überprüfen und Schreiben der Behörde abrufen. Für die Mehrheit der Bevölkerung soll dies die Steuerverwaltung vereinfachen.

Papiererklärungen sind allerdings weiterhin vorgesehen. Auch Zahlungsformulare können grundsätzlich noch als PDF ausgedruckt und zusammen mit einem Scheck oder einer Zahlungsanweisung eingesandt werden. Das löst das Problem der traditionellen Gemeinschaften jedoch nur begrenzt: Wer bewusst ohne Computer und Internet lebt, kann ein Formular nicht selbst aus dem Internet herunterladen und ausdrucken.
Religionsfreiheit braucht praktikable Lösungen
Der Fall zeigt, welche Schwierigkeiten entstehen können, wenn staatliche Dienstleistungen zunehmend auf digitale Kommunikationswege ausgerichtet werden. Amische und konservative Mennoniten verweigern sich dabei nicht grundsätzlich ihren steuerlichen Verpflichtungen. Vielmehr benötigen sie einen Weg, diese Verpflichtungen auch weiterhin ohne Internet und Telefon erfüllen zu können.
Eine vergleichsweise einfache Lösung könnte deshalb darin bestehen, benötigte Zahlungsformulare weiterhin auf Wunsch per Post zu versenden und einen schriftlichen Kommunikationsweg mit der Steuerbehörde sicherzustellen.
Bislang hat die Steuerbehörde von Maryland die konkret geschilderten Probleme mit den nicht mehr zugesandten Formularen und den teilweise sehr hohen Schätzforderungen öffentlich offenbar noch nicht näher erläutert. Für die betroffenen amischen und mennonitischen Familien bleibt deshalb zu hoffen, dass eine Lösung gefunden wird, die sowohl den Anforderungen der Steuerverwaltung als auch ihrer religiös begründeten Lebensweise gerecht wird.
Quellen:
Southern Maryland Chronicle, 14. Oktober 2026: Online-Only State Tax System Leaves Amish Families Stuck SoMD Chronicle
Comptroller of Maryland: Informationen zu Maryland Tax Connect für Privatpersonen Maryland Comptroller
Comptroller of Maryland: Steuerformulare für das Steuerjahr 2026





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