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Mennoniten, Masern, Missverständnisse

Aktualisiert: 5. Juli 2025

Eine mennonitische Familie
Eine mennonitische Familie

In den letzten Monaten wurde in Medienberichten über Masernausbrüche in den USA, Mexiko und Bolivien wiederholt ein Zusammenhang mit mennonitischen Gemeinschaften hergestellt. Diese Darstellung ist irreführend und ungerecht. Aus konservativer Sicht möchten wir drei zentrale Argumente mit Beispielen aus dem Alltag untermauern.


1. Nicht nur Mennoniten erkranken an Masern


Masern betreffen Menschen aller Bevölkerungsgruppen. In Bolivien zum Beispiel meldete das Gesundheitsamt von Santa Cruz im Frühjahr 2025 mehrere Masernfälle sowohl in urbanen Gebieten als auch in ländlichen Regionen. Auch in Pailón und San Julián, wo viele nicht-mennonitische Menschen leben, wurden Fälle bestätigt (Quelle: Ministerio de Salud de Bolivia, März 2025).

Mennonitische Dorfschule, wie sie in vielen Kolonien üblich ist
Mennonitische Dorfschule, wie sie in vielen Kolonien üblich ist

In einem persönlichen Gespräch mit einem mennonitischen Gemeindeleiter aus der Kolonie "Riva Palacios" hieß es:

„Die Kinder in unserer Schule hatten Masern – ja, aber auch in der staatlichen Schule nebenan, wo fast nur Einheimische hingehen. Nur wir wurden in der Zeitung genannt.“(Interview mit einem Ältesten, anonymisiert, April 2025)

2. Mennoniten setzen auf natürliche Immunisierung – aus Überzeugung


Viele konservative Kolonien verzichten bewusst auf Impfungen. Diese Entscheidung beruht auf einer biblisch begründeten Lebensweise, nicht auf Unwissen oder Leichtsinn. Krankheiten wie Masern werden als Teil des natürlichen Lebens gesehen, in dem der Körper lernt, sich selbst zu schützen.

Ein Mennonit aus der Kolonie "Nueva Esperanza" (Mexiko) berichtete:

„Als unsere Kinder Masern hatten, haben wir sie zu Hause gepflegt, mit Ruhe, gesunder Kost und Heilkräutern, so wie es unsere Mütter und Großmütter auch taten. Alle haben sich gut erholt. Für uns ist das keine Katastrophe, sondern Teil des Lebens.“(Erfahrungsbericht, März 2025, vertrauliche Quelle aus der Gemeinde)

Die mennonitische Gesundheitsauffassung baut oft auf generationsübergreifender Erfahrung, natürlicher Ernährung, Familienpflege und Gebet. Diese Praxis hat sich in vielen Fällen bewährt und ist Teil der religiösen Identität.


3. Internationale Familienbeziehungen führen zu falschen Schlussfolgerungen


Mennonitische Gemeinden sind weltweit vernetzt. Zwischen Kanada, Mexiko, Bolivien und Paraguay bestehen enge familiäre Bindungen. Das bedeutet, dass Reisen und gegenseitige Besuche zum Alltag gehören – genau wie bei vielen anderen Gemeinschaften auch.

Bushaltestelle an einer mennonitischen Kolonie
Bushaltestelle an einer mennonitischen Kolonie

Ein Beispiel: Eine Familie aus der kanadischen Kolonie "Swift Current" berichtete, dass ihre Tochter nach einem Besuch bei Verwandten in Bolivien an Masern erkrankte. In lokalen Medien wurde dies rasch als Beleg angeführt, dass Mennoniten Krankheiten „verbreiten“.

„Unsere Tochter war krank, ja. Aber sie war nicht die Einzige in der Region. Es war unfair, wie schnell man mit dem Finger auf uns gezeigt hat.“(Telefonische Aussage, Mai 2025, Familienname anonymisiert)

Solche Schlussfolgerungen basieren nicht auf medizinischen Fakten, sondern auf Vorurteilen. Internationale Bewegungen finden in allen Bevölkerungsgruppen statt – nicht nur bei Mennoniten.


4. Außenstehende verstehen die Lebensrealität der Mennoniten oft nicht


Ein weiteres Problem liegt in der Tatsache, dass viele Menschen außerhalb der mennonitischen Welt unsere Lebensweise kaum kennen – und somit vorschnelle und einseitige Urteile fällen.

Mennonitische Frauen mit einheitlicher Kleidung
Mennonitische Frauen mit einheitlicher Kleidung

Konservative mennonitische Kolonien leben meist in abgelegenen, landwirtschaftlich geprägten Regionen, mit eigener Schulbildung, traditioneller Kleidung, starkem Gemeindeverband und hoher Eigenverantwortung. Dieses Lebensmodell unterscheidet sich stark von modernen, urbanen Gesellschaften. Für viele Außenstehende wirkt es fremd oder gar „rückständig“. Doch was nicht verstanden wird, wird oft verurteilt.


Ein Ältester aus der Kolonie "Reinland" (Bolivien) formulierte es so:

„Die Leute in der Stadt, oder auch mennonitische Geschwister aus liberalen Gemeinden verstehen nicht, wie wir leben. Sie sehen nur, dass wir nicht alles machen wie sie – und meinen, wir seien deshalb schuld an allem.“(Gespräch im Juni 2025)

Solche Missverständnisse entstehen nicht aus bösem Willen, sondern oft aus Unwissen. Umso wichtiger ist es, dass Medien, Behörden und Mitmenschen sich bemühen, mit uns ins Gespräch zu kommen – anstatt über uns zu urteilen.


5. Das kanadische Gesundheitsministerium: Ein Beispiel für Besonnenheit


Erfreulicherweise hat das kanadische Gesundheitsministerium 2025 öffentlich erklärt, dass es keinen spezifischen Zusammenhang zwischen den Masernausbrüchen und der mennonitischen Bevölkerung sieht. In einem Statement der Behörde (Health Canada, April 2025) heißt es sinngemäß:

„Masern betreffen verschiedene Bevölkerungsgruppen. Eine einzelne religiöse oder kulturelle Gruppe für Ausbrüche verantwortlich zu machen, ist weder hilfreich noch sachlich gerechtfertigt.“(Health Canada, Pressemitteilung vom 4. April 2025, abrufbar unter canada.ca/health-news)

Diese Haltung verdient Respekt – und sollte Beispiel geben für andere Länder, in denen die Diskussion oft einseitig geführt wird.


Die Mennoniten leben in schlichter Weise, mit einem festen Glauben an Gottes Ordnung und einer starken Gemeinschaft. Entscheidungen über Gesundheit, Erziehung und Lebensweise werden in Verantwortung vor Gott und der Gemeinde getroffen.


Es ist wünschenswert, dass diese Entscheidungen respektiert werden – so wie wir auch der Lebensstil anderer Menschen geachtet wird. Die pauschale Verbindung von Mennoniten und Masernausbrüchen ist weder wissenschaftlich haltbar noch moralisch gerecht. Zu einem respektvollen Miteinander gehören Wahrheit, Verständnis und christliche Nächstenliebe.


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