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Mexikanisches Nationalarchiv dokumentiert mennonitische Geschichte in Chihuahua

vor 22 Stunden
4 Min. Lesezeit

Das mexikanische Nationalarchiv hat zahlreiche Dokumente zur Geschichte der Mennoniten im Bundesstaat Chihuahua zusammengetragen. Die Akten reichen von frühen Siedlungsprojekten über das Verhältnis zu landwirtschaftlichen Verbänden bis zu einem Landkonflikt im Jahr 1979. Damit ergänzen sie die vielfach mündlich und innerhalb der Gemeinden überlieferte Geschichte um die Sicht staatlicher Behörden.


Das Archivo General de la Nación in Mexiko Stadt bewahrt zahlreiche staatliche Dokumente zur Geschichte der mennonitischen Gemeinden in Chihuahua auf. Die untersuchten Akten reichen von frühen Siedlungsprojekten bis zu Landkonflikten in den 1970er Jahren.
Das Archivo General de la Nación in Mexiko Stadt bewahrt zahlreiche staatliche Dokumente zur Geschichte der mennonitischen Gemeinden in Chihuahua auf. Die untersuchten Akten reichen von frühen Siedlungsprojekten bis zu Landkonflikten in den 1970er Jahren.

Ausgangspunkt war eine Anfrage nach historischen Unterlagen zu verschiedenen Ereignissen in Chihuahua. Daraufhin durchsuchte das Archivo General de la Nación sowohl das zentrale System für historische Archivbestände als auch sein digitales Dokumentenarchiv. Mit den Suchbegriffen „Menonita“ und „Chihuahua“ wurden fünf Einträge im historischen Archivsystem und zwölf weitere Treffer im digitalen Bestand gefunden.


Von Kanada nach Chihuahua


Die ersten größeren Gruppen konservativer Mennoniten kamen 1922 aus Kanada nach Mexiko. Zuvor hatten ihre Vertreter mit der Regierung von Präsident Álvaro Obregón über die Bedingungen für eine Ansiedlung verhandelt. Besonders wichtig waren ihnen die Freiheit des Glaubens, die Befreiung vom Militärdienst und vom Eid sowie das Recht, ihre Kinder in eigenen Schulen zu unterrichten.


In Chihuahua entstanden vor allem die Kolonien Manitoba und Swift Current im Gebiet des heutigen Cuauhtémoc. Die Familien brachten landwirtschaftliche Geräte, Saatgut, Pferde, Kühe und anderes Vieh mit. Innerhalb weniger Jahre verwandelten sie weite Flächen in landwirtschaftlich genutztes Gebiet.


Ein traditionelles Wohnhaus in der mennonitischen Kolonie Manitoba bei Cuauhtémoc. Die ersten größeren Gruppen konservativer Mennoniten kamen 1922 aus Kanada nach Chihuahua und gründeten dort landwirtschaftlich geprägte Siedlungen.
Ein traditionelles Wohnhaus in der mennonitischen Kolonie Manitoba bei Cuauhtémoc. Die ersten größeren Gruppen konservativer Mennoniten kamen 1922 aus Kanada nach Chihuahua und gründeten dort landwirtschaftlich geprägte Siedlungen.

Fünfzig Familien auf der Hacienda Santa Clara


Einer der ältesten aufgefundenen Aktenbestände stammt aus den Jahren 1930 und 1931. Darin wird ein Siedlungsprojekt auf der Hacienda Santa Clara in Chihuahua beschrieben. Nach den Angaben des Archivs lebten dort zu diesem Zeitpunkt bereits 50 mennonitische Familien.


Die Unterlagen enthalten außerdem Angaben über Herkunft und Lebensunterhalt ausländischer Einwohner Mexikos. Auch politische, gesellschaftliche und religiöse Fragen wurden darin festgehalten. Die Akten zeigen damit, wie aufmerksam staatliche Stellen die Entwicklung der mennonitischen Siedlungen beobachteten.


Ein weiteres Dokument aus dem Jahr 1938 betrifft einen Antrag aus Cuauhtémoc auf Erlass von Geldstrafen gegen Mennoniten. Aus dem Jahr 1942 ist eine Akte erhalten, in der Isaac Dyck und weitere Personen genannt werden. Sie enthält außerdem Berichte über die mennonitischen Felder in Chihuahua.


Anerkennung für Ehrlichkeit und Fleiß


Die Dokumente geben auch Einblick in die Beziehungen zwischen den Mennoniten und den Vereinigungen kleiner Landbesitzer. In einer Akte wird die Wahl des Regionalvorstandes der Unión de la Pequeña Propiedad Agrícola, Ganadera y Forestal del Estado de Chihuahua behandelt.


Besonders bemerkenswert ist eine darin überlieferte Stellungnahme von Salomón Faz Sánchez, einem führenden Vertreter der Confederación Nacional de la Pequeña Propiedad. Er bezeichnete die Mennoniten als vorbildliche, ehrliche und arbeitsame Menschen. Zugleich erklärte er, dass ihnen die Türen des Verbandes offenstünden.


Diese Einschätzung zeigt, welches Ansehen sich viele mennonitische Familien durch ihre verlässliche Arbeit, ihre landwirtschaftlichen Kenntnisse und ihre geordnete Lebensweise erworben hatten. Zugleich machen die Akten deutlich, dass die Gemeinden nicht vollständig abgeschieden lebten. Bei Landfragen, wirtschaftlichen Problemen oder rechtlichen Angelegenheiten waren sie immer wieder auf Verhandlungen mit Verbänden und staatlichen Stellen angewiesen.


 Das Museo y Centro Cultural Menonita bei Cuauhtémoc bewahrt Gegenstände, Fotografien und Erinnerungen aus der Geschichte der mennonitischen Kolonien Chihuahuas. Staatliche Akten und gemeindeeigene Überlieferungen ergänzen einander bei der Erforschung dieser Geschichte.
 Das Museo y Centro Cultural Menonita bei Cuauhtémoc bewahrt Gegenstände, Fotografien und Erinnerungen aus der Geschichte der mennonitischen Kolonien Chihuahuas. Staatliche Akten und gemeindeeigene Überlieferungen ergänzen einander bei der Erforschung dieser Geschichte.

Landkonflikt in Nueva Namiquipa


Ein besonders ausführlich dokumentierter Vorgang ereignete sich 1979. Am 2. August jenes Jahres reisten 40 Mennoniten aus Chihuahua zur mexikanischen Secretaría de Gobernación. Dort wurden sie vom damaligen Innenminister Enrique Olivares Santana empfangen.


Die Männer baten die Bundesregierung um Unterstützung in einem Landkonflikt. Nach ihren Angaben war am 9. Mai 1979 eine Fläche von 1.800 Hektar besetzt worden. Bis zum Zeitpunkt ihres Besuches hatten sie 1.720 Hektar zurückerhalten. Weitere 80 Hektar befanden sich noch in der Hand der Besetzer, weil dort Mais angebaut worden war. Die Unterlagen bringen den Vorgang mit 40 Mennoniten aus dem Ejido Nueva Namiquipa in Verbindung.


Der Fall erinnert daran, dass Landbesitz für die mennonitischen Kolonien nicht nur die wirtschaftliche Grundlage bildete. Er ermöglichte ihnen auch, ihre Familien zu versorgen und das gemeinschaftliche Leben über Generationen fortzuführen. Streitigkeiten um Land bedrohten deshalb weit mehr als einzelne landwirtschaftliche Betriebe.


Staatliche Akten zeigen nur einen Teil der Geschichte


Die aufgefundenen Unterlagen umfassen fast fünf Jahrzehnte und machen sichtbar, wie die mennonitischen Gemeinden von mexikanischen Behörden wahrgenommen wurden. Sie berichten über Ansiedlung, Landwirtschaft, staatliche Beobachtung, Verbandsarbeit und Landkonflikte.


Allerdings zeigen staatliche Akten immer nur einen Teil der Geschichte. Sie halten vor allem jene Vorgänge fest, bei denen Behörden eingeschaltet wurden. Das Glaubensleben, der Gemeindealltag, die Schulen, die Familien und die gegenseitige Hilfe innerhalb der Kolonien erscheinen darin gewöhnlich nur am Rand.


Um ein vollständigeres Bild zu erhalten, müssen die staatlichen Unterlagen deshalb mit mennonitischen Gemeindeakten, Familienüberlieferungen, Briefen, Büchern und persönlichen Erinnerungen verbunden werden.


Historische Bücher im Museo y Centro Cultural Menonita bei Cuauhtémoc. Neben staatlichen Dokumenten sind Bücher, Briefe, Gemeindeunterlagen und Familienüberlieferungen wichtige Quellen für die Geschichte der Mennoniten in Mexiko.
Historische Bücher im Museo y Centro Cultural Menonita bei Cuauhtémoc. Neben staatlichen Dokumenten sind Bücher, Briefe, Gemeindeunterlagen und Familienüberlieferungen wichtige Quellen für die Geschichte der Mennoniten in Mexiko.

Die Funde des Nationalarchivs sind von großer Bedeutung. Sie bewahren konkrete Namen, Daten und Ereignisse und helfen dabei, die mehr als hundertjährige Geschichte der Mennoniten in Chihuahua genauer nachzuzeichnen. Dass diese Dokumente erschlossen und öffentlich zugänglich gemacht werden, trägt dazu bei, den mennonitischen Anteil an der Geschichte Chihuahuas dauerhaft im Gedächtnis zu erhalten.


Quellen:

El Heraldo de Juárez

Mirada Ferroviaria des mexikanischen Kulturministeriums

Regierung des Bundesstaates Chihuahua

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