Mennonitenkolonie wehrt Betrugsversuch ab
- Redaktion

- 17. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

In der Kolonie „La Nueva Esperanza“ ist der Alltag meist klar geregelt: Arbeit, Familie, Gemeinschaft – und Entscheidungen, die man nicht „schnell am Telefon“ trifft. Viele Wege werden mit Pferd und Wagen erledigt, vieles läuft ohne die ständige digitale Begleitung, die außerhalb der Kolonie selbstverständlich ist. Gerade deshalb wirkt es in der Gemeinschaft ungewöhnlich, wenn plötzlich jemand von weit her anruft, „offiziell“ klingt – und dabei Eile macht.
So begann nach Angaben der zivilen Vereinigung der Kolonie ein Vorfall, der inzwischen bei Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt ist: Ein Mann meldete sich telefonisch und per Messenger, stellte sich als Buchhalter („contador“) eines Kommunalverbandes in der Provinz San Luis vor und lockte mit einem Angebot, das für jede handwerklich und landwirtschaftlich geprägte Gemeinschaft interessant klingt: zwei große Hallen („galpones“) bauen, dazu eine gute Barzahlung und sogar eine Vorauszahlung.
Wenn ein Geschäft „zu glatt“ klingt
In mennonitischen Kolonien wird viel selbst gebaut und repariert. Wer Hallen errichtet, weiß, was Material, Zeit und Verlässlichkeit bedeuten. Und genau da setzt eine gesunde Skepsis ein: Wenn ein Fremder zugleich „groß“ verspricht und schnell Unterlagen sehen will, wird es heikel.

Denn der angebliche Funktionär wollte nach Darstellung der Kolonie persönliche, steuerliche und geschäftliche Dokumente, angeblich um die Kolonie als offiziellen Auftragnehmer registrieren zu können. Der entscheidende Moment kam, als er zusätzlich die Zahlung von Gebühren verlangte – mit dem Versprechen, das Geld werde nach Vertragsabschluss zurückerstattet.
Der typische Kolonie-Schritt: Rückfrage statt Überweisung
In „La Nueva Esperanza“ sei man, so wird es beschrieben, nicht einfach „mitgegangen“, sondern habe das getan, was in der Gemeinschaft naheliegt: erst die Zuständigkeit klären.
Die Verantwortlichen nahmen Kontakt mit dem genannten Kommunalverband in San Luis auf – über offizielle Wege. Dort habe man bestätigt, dass es sich um eine bekannte Betrugsmasche handle und die verwendete Identität nicht zu einem kommunalen Mitarbeiter gehöre.
Damit war klar: Das freundliche Angebot war vermutlich nur die Verpackung. Ziel sei es gewesen, Geld und/oder sensible Dokumente zu erhalten.
Anzeige – und dann Druck von außen
Nach der Überprüfung brach die Kolonie den Kontakt ab und informierte laut Bericht Polizei und Staatsanwaltschaft (Fiscalía). Als der Mann merkte, dass man Anzeige erstattet hatte, folgten demnach aggressive, einschüchternde Nachrichten – eine Art letzte Druckwelle, wie sie bei solchen Fällen nicht selten ist.
Was die Kolonie daraus ableitet
Der Vorfall zeigt, wie Betrüger versuchen, mit „Behördensprache“ Vertrauen zu erzwingen – besonders bei Gemeinschaften, deren Alltag nicht ständig um digitale Prozesse kreist. „La Nueva Esperanza“ warnte deshalb sinngemäß: Keine Zahlungen, keine Dokumente, keine Daten, solange nicht über offizielle Telefonnummern und Stellen geklärt ist, wer wirklich anruft.
Und vielleicht ist das auch die stillste Botschaft dieses Falls: In einer Welt, die immer schneller unterschreibt, klickt und überweist, kann eine mennonitische Grundhaltung – ruhig bleiben, gemeinsam beraten, erst prüfen – plötzlich zum besten Schutz werden.
Informationen aus der Zeitung "diario de la pampa" übersetzt und angepasst




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