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Mennoniten in Hopelchén wehren sich gegen drohenden Landverlust



Campeche/Hopelchén. Der Landstreit um mennonitische Ackerflächen im mexikanischen Bundesstaat Campeche spitzt sich weiter zu. Familien aus der mennonitischen Kolonie Nueva Trinidad im Bezirk Hopelchén werfen den Behörden und der Gegenseite vor, ein rechtmäßig erworbenes Grundstück durch ein fehlerhaftes Gerichtsverfahren entziehen zu wollen. Nach einem Bericht von El Sol de México geht es um die Grundstücke „El Progreso“ und „El Porvenir“. Der Konflikt betreffe demnach 40 mennonitische Familien und 50 einheimische Familien aus Hopelchén.


Bereits Anfang Juli hatten mennonitische Familien vor dem Haus der Gerechtigkeit, der Casa de Justicia, in Campeche protestiert. Nach Angaben von Por Esto! warfen sie der Gegenseite einen versuchten Landentzug von rund 500 Hektar vor. Die Familien erklärten, sie hätten die Flächen legal erworben und seit Jahren für den Anbau von Sorghum, Mais und Soja genutzt.



Johan Neufeld Wall, einer der Sprecher der betroffenen Familien, erklärte, die Grundstücke seien ihnen im Jahr 2012 angeboten worden. Die Verkäufer hätten Eigentumstitel, Pläne und Grenzangaben vorgelegt. Anschließend hätten die Mennoniten einen Bankkredit aufgenommen, den Kauf abgeschlossen, die Urkunden 2013 notariell beurkunden lassen und die Eintragung im öffentlichen Eigentumsregister vorgenommen. 2014 seien technische Studien durchgeführt worden; 2015 hätten sie Genehmigungen für Reinigungsarbeiten, Einebnung, Drainage und Wege erhalten.


Die Mennoniten weisen auch darauf hin, dass die Rechtmäßigkeit ihrer Unterlagen von der mexikanischen Agrarbehörde SEDATU bestätigt worden sei. Die Gegenseite stütze sich dagegen, so die Darstellung der Familien, nicht auf gültige Eigentumsurkunden, sondern auf eine Landanfrage unter der Bezeichnung „El Ramonal“, die von SEDATU bereits im Jahr 2015 als unbegründet zurückgewiesen worden sei.


Die Gegenseite, vertreten durch Luis Eduardo Huitz Villareal als Bevollmächtigten von José Antonio Huitz Villareal, beruft sich nach den vorliegenden Berichten auf eine historische Besitznahme des Landes. Aus ihrer Sicht dürfte es deshalb um ältere lokale Landansprüche gehen. Die Mennoniten bestreiten diese Darstellung und verweisen darauf, dass die Gegenseite nach ihrer Kenntnis keine Eigentumsurkunden, sondern nur die bereits 2015 von SEDATU zurückgewiesene Landanfrage „El Ramonal“ vorgelegt habe.


Eine neue Zuspitzung erhielt der Fall durch Berichte über eine gerichtliche Räumungsanordnung. Laut El Sol de México ordnete die Justiz in Campeche die Räumung eines Grundstücks an, das von den Mennoniten als ihr Eigentum bezeichnet wird. Dadurch sei ein Rechtsstreit entstanden, der nicht nur mennonitische Familien, sondern auch einheimische Familien aus Hopelchén betreffe.


Der scheinbare Widerspruch zwischen der SEDATU-Entscheidung von 2015 und dem Vorgehen der Justiz in Campeche erklärt sich daraus, dass die SEDATU-Entscheidung offenbar eine agrarrechtliche bzw. administrative Bewertung der Landanfrage betraf, während die Justiz den aktuellen Fall als Strafverfahren wegen mutmaßlichen „despojo“, also Landentzugs oder Besitzstörung, behandelt. Das Gericht erklärte ausdrücklich, dass noch kein endgültiges Urteil vorliege und im Verfahren erst Beweise geprüft werden müssten. Damit steht nicht zwingend die Eigentumsfrage abschließend fest, sondern die lokale Justiz prüft, ob im konkreten Besitz- und Nutzungskonflikt strafrechtlich relevante Handlungen vorliegen. Gerade in Regionen mit alten Agraransprüchen, privatisierten Flächen und unklaren Grenzziehungen können solche parallelen Zuständigkeiten zu widersprüchlich wirkenden Entscheidungen führen.



Die betroffenen Mennoniten fordern nun, das Gerichtsverfahren ab dem Jahr 2018 neu aufzurollen. Sie begründen dies mit Verfahrensfehlern. Besonders schwer wiegt für sie, dass ihnen nach eigener Darstellung in den Anhörungen kein geeigneter Übersetzer zur Verfügung gestellt wurde. Zwar spricht Johan Neufeld Wall Spanisch, doch erklärte er, die juristische Fachsprache nicht ausreichend zu verstehen. Dadurch seien das Recht auf Verteidigung und ein faires Verfahren verletzt worden.


Auch Sureste Picante berichtet über den Vorwurf, dass das Verfahren seit 2018 durch Unregelmäßigkeiten belastet sei. Die Anhörung in der Sala de Juicios Orales in Campeche sei wegen fehlender Übersetzung ausgesetzt worden. Die Familien sehen darin eine Verletzung des ordentlichen Verfahrens und ihrer Menschenrechte.


Die betroffenen mennonitischen Familien sehen den Fall als existenzielle Bedrohung an. Nach ihrer Darstellung hängt ihre wirtschaftliche Grundlage direkt an diesen Flächen, die sie seit Jahren bewirtschaftet und in die sie erheblich investiert haben.


Besonders schwer wiegt für die Familien, dass ihnen vor einigen Monaten die vorläufige Nutzung der Fläche entzogen wurde. Dadurch konnten sie auf den betroffenen Feldern die Aussaat nicht vornehmen. Betroffen seien nicht nur die Familien selbst, sondern auch weitere benachbarte Produzenten.


Die Mennoniten kritisieren außerdem den Vorschlag, mit der Gegenseite über eine Lösung zu verhandeln. Nach ihrer Auffassung gibt es keinen Grund, über Eigentum zu verhandeln, das sie rechtmäßig erworben hätten. Vielmehr verlangen sie, dass ihre Urkunden, Grenzangaben, Behördenentscheidungen und bisherigen Investitionen unparteiisch geprüft werden.



Der Fall zeigt erneut, wie angespannt die Landfrage in Hopelchén ist. In der Region treffen unterschiedliche Interessen aufeinander: mennonitische Bauernfamilien, die auf Rechtssicherheit für erworbene Ackerflächen bestehen; einheimische und ejidale Gemeinschaften, die ebenfalls Landrechte geltend machen; sowie staatliche Stellen, deren frühere Entscheidungen nun im Mittelpunkt des Streits stehen. Als ejidale Gemeinschaften werden in Mexiko Agrargemeinschaften mit einer besonderen Form gemeinschaftlichen Landbesitzes bezeichnet. Entscheidend wird sein, ob die Gerichte die Eigentumsunterlagen beider Seiten gründlich prüfen und zugleich sicherstellen, dass die mennonitischen Familien das Verfahren mit Übersetzung und ausreichender Verteidigung führen können.


Die nächste Anhörung wurde nach den vorliegenden Berichten auf den 16. Juli 2026 angesetzt. Für die Familien aus Nueva Trinidad geht es dabei nicht nur um Ackerland, sondern um ihre Zukunft als landwirtschaftliche Gemeinschaft. Ihr Anliegen fassen sie mit drei Forderungen zusammen: Gerechtigkeit, Frieden und eine unparteiische Prüfung aller Beweise.


Quellen:

  • Por Esto!, 2. Juli 2026: Protest mennonitischer Familien vor der Casa de Justicia in Campeche; Vorwurf eines Landentzugs von rund 500 Hektar in Hopelchén.

  • Por Esto!, 6. Juli 2026: Forderung der Kolonie Nueva Trinidad, das Verfahren wegen fehlender Übersetzung und möglicher Verletzung der Verteidigungsrechte ab 2018 neu aufzurollen.

  • El Sol de México / OEM, 6. Juli 2026: Bericht über die Grundstücke „El Progreso“ und „El Porvenir“; erwähnt werden 40 mennonitische Familien und 50 einheimische Familien aus Hopelchén.

  • Sureste Picante, 6. Juli 2026: Darstellung der mennonitischen Vorwürfe zu fehlender Übersetzung, mutmaßlichen Verfahrensfehlern und dem nächsten Anhörungstermin am 16. Juli 2026.

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