Mexikos Umweltbehörden suchen Schulterschluss mit mennonitischen Gemeinden in Campeche
- Redaktion

- 20. Okt. 2021
- 2 Min. Lesezeit

Hopelchén (Campeche). Vertreter der mexikanischen Bundesregierung und des Bundesstaates Campeche haben sich Mitte Oktober 2021 in Hopelchén mit Abgesandten mennonitischer Siedlungen getroffen. Ziel des Treffens: einen geordneten Rahmen für die Landnutzung in den von den Gemeinden bewirtschafteten Gebieten zu entwickeln – und zugleich den Schutz der Selva Maya zu stärken.
Im Mittelpunkt stand das sogenannte „ökologische Raumordnungsverfahren“ (ordenamiento ecológico) – also die Frage, wo landwirtschaftliche Nutzung möglich sein soll und welche Waldflächen tabu bleiben müssen. Nach Angaben der Secretaría de Medio Ambiente y Recursos Naturales (SEMARNAT) knüpfte das Gespräch an Vereinbarungen vom August 2021 an, als mennonitische Vertreter erklärt hätten, Tätigkeiten zu stoppen, die zur Abholzung von Waldflächen führen.
Die damalige Umweltministerin María Luisa Albores González warb für einen „dauerhaften Dialog“ und verwies auf das Regierungsprogramm Sembrando Vida zur Wiederaufforstung. Zugleich betonte sie die Dringlichkeit, weitere Entwaldung zu verhindern – gerade in Campeche, das im Regierungsstatement als besonders stark von illegalem Holzeinschlag betroffen beschrieben wird.
Zusagen und Streitpunkte: Waldgrenzen, Genehmigungen – und Agrarchemie
Auf Seiten der mennonitischen Gemeinden sagte der Vertreter Franz Fehr Blatz laut Mitteilung zu, gemeinsam Waldflächen zu definieren, die nicht angetastet werden dürfen, und für landwirtschaftliche Flächen die nötigen Genehmigungen zu beantragen. In der Erklärung wird außerdem erwähnt, dass es in dem betroffenen Gebiet um rund 150 Familien mit über 500 Einwohnern gehe, die teils mit umliegenden Maya-Gemeinden wirtschaftlich verflochten seien – etwa durch Pacht, Saatgut oder Getreidehandel.
Deutlich wurde aber auch: Neben Entwaldung geht es um Produktionsweisen. Der Landwirtschaftsvertreter Víctor Suárez Carrera verwies auf die Erwartung, auf transgene Soja- und Maissorten sowie auf Glyphosat zu verzichten und Luftspritzungen zu unterlassen, die laut Behörden in der Region u. a. Imkerei und Gesundheit beeinträchtigt hätten. Gleichzeitig wurde auf „Alternativen“ verwiesen, die Erträge ermöglichen sollen, ohne Ökosysteme zu beschädigen.
Landrecht als zweites großes Thema
Ein weiterer Block betraf Besitz- und Nutzungsfragen. Der Agrarstaatsanwalt Procuraduría Agraria stellte laut Mitteilung klar, dass Grundeigentum in Mexiko grundsätzlich an das Gemeinwohl gebunden sei, und bot an, bei der rechtlichen Klärung von Besitzständen und der Beratung von Ejidos zu unterstützen.
Kontext: „permanente Arbeitsrunde“ nach August-Treffen
Schon im August 2021 berichteten mexikanische Medien über eine ständige Arbeitsrunde zwischen Behörden und mennonitischen Gemeinden in Campeche. Damals war – je nach Bericht – von Beschleunigung von Verfahren zur Regularisierung produktiver Aktivitäten, der Überprüfung von Anzeigen sowie Maßnahmen zur Schadensminderung die Rede.
Ob aus dem Dialog ein tragfähiger Ausgleich zwischen Naturschutz, rechtlicher Sicherheit und landwirtschaftlicher Existenz wird, hängt nun daran, wie die angekündigte Raumordnung vor Ort umgesetzt und kontrolliert wird – und ob beide Seiten bei den umstrittenen Punkten (Saatgut, Pestizideinsatz, Rodungen) zu verlässlichen, überprüfbaren Schritten kommen.
Quellen
SEMARNAT-Kommuniqué zum Treffen in Hopelchén (15.10.2021).
MVS Noticias (15.10.2021) mit Kurzbericht und Hintergrundzahlen zur Entwaldung.
La Jornada (12.08.2021) zur Einrichtung einer dauerhaften Arbeitsrunde und den damaligen Punkten der Vereinbarung.
La Jornada Maya (12.08.2021) mit regionalen Details (Hopelchén/Calakmul) und Auflistung beteiligter Behörden.
Procuraduría-Agraria-Mitteilung (16.10.2021) als Parallelkommuniqué aus dem Agrarbereich.




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