Medizinische Revolution im Chaco – und ein mennonitisches Zeichen gelebter Nächstenliebe
- Redaktion
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Neuland (Boquerón). Für viele Familien im Chaco war eine Krebsdiagnose lange mit einer zweiten Belastung verbunden: lange Wege nach Asunción, hohe Kosten und Wochen fern von Zuhause. In der mennonitischen Kolonie Neuland wächst nun ein Angebot heran, das diese Realität verändern kann: Das Zentrum Radioterapia Concordia bringt moderne Strahlentherapie und hochpräzise Radiochirurgie in eine Region, die bisher medizinisch oft „am Rand“ lag.
Von der Flüchtlingskolonie zum Gesundheitsstandort
Wer die Geschichte Neulands kennt, erkennt in diesem Projekt eine vertraute Linie: Neuland wurde 1947 als letzte der drei mennonitischen Kolonien im zentralen Chaco gegründet – von Flüchtlingen deutscher Herkunft aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. In der Chronik der Kolonie wird ausdrücklich erwähnt, dass das Mennonitische Zentralkomitee (CCM/MCC) Land für die Ansiedlung erwarb.
Schon früh entstanden neben Verwaltung und Schulen auch medizinische Strukturen. In Neulands eigener Chronik wird die Einweihung des Hospital Concordia (1951) als Ergebnis großen Einsatzes von Arzt und Verwaltung beschrieben – und dass es „bis heute“ dem Chaco Central dient
Dieses gemeinschaftliche, genossenschaftlich organisierte „Wir tragen einander“ prägt Neuland bis heute: RCC beschreibt die Kolonie als auf Solidarität aufgebaut; die Asociación Neuland war demnach von Beginn an für soziale Dienste zuständig. Zudem wird ein mutualer Krankenhaus- und Sozialfonds erwähnt, zu dem nicht nur Koloniemitglieder Zugang haben – auch indigene Gemeinden können dem System beitreten, um Versicherungsschutz zu erhalten.
Hightech im Chaco: Was Radioterapia Concordia anbietet
Laut Wochenblatt wurde Radioterapia Concordia am 30. Mai 2025 eingeweiht. ZAP-X sei seit Juni 2025 im Einsatz, Halcyon seit September 2025.
ZAP-X (Radiochirurgie): Behandlungen besonders für komplexe Befunde im Kopf-/Halsbereich – ohne Skalpell und meist ambulant. In spanischsprachigen Berichten wird betont, dass Radioterapia Concordia das einzige Zentrum in Südamerika mit einem ZAP-X sei und dass es weltweit nur in etwa 30 Institutionen verfügbar ist.
Halcyon (Strahlentherapie): Ein moderner Linearbeschleuniger für Tumoren in unterschiedlichen Körperregionen. In Berichten wird hervorgehoben, dass Behandlungspläne je nach Situation verkürzt werden können (z. B. 3–4 Wochen bei bestimmten Konzepten).

Auch die internationale Fachwelt nahm Notiz: ZAP Surgical berichtet über die ersten ZAP-X-Behandlungen in Lateinamerika – durchgeführt in Neuland – und nennt ausdrücklich das Ziel, High-End-Medizin auch in ländlichen Regionen verfügbar zu machen
„Für das ganze Land“ – und die Frage des Zugangs
Ein großes Thema bleibt: Wer kann sich die Therapie leisten – und wie wird der Zugang für Patienten aus dem öffentlichen System geregelt?
Hier gibt es konkrete Schritte: Das paraguayische Gesundheitsministerium (MSPBS) berichtet über ein Convenio Marco (Rahmenabkommen) mit dem Zentrum; das nationale Krebsinstitut INCAN soll die technische Koordination sowie Monitoring und Aufsicht übernehmen. Última Hora ergänzt: Damit Patientinnen und Patienten aus dem öffentlichen System Leistungen erhalten können, müsse die Leistungserbringung über öffentliche Ausschreibungen laufen; nach Zuschlag könnten Behandlungen für Betroffene kostenfrei werden (je nach Umsetzung).

Zur Größenordnung: In mehreren Berichten wird eine Investition von rund 6 Millionen US-Dollar genannt. RCC zitiert Andreas Ens, Präsident der Cooperativa Neuland, mit der Aussage, die Dienste stünden auch Patientinnen und Patienten aus ganz Paraguay offen.
Mehr als Hightech: Ein Projekt aus dem Geist der Solidarität
Technologie rettet Leben – aber die Botschaft dieses Projekts liegt auch im Geist dahinter: In einer Region, die von Pionierarbeit, Entbehrung und Zusammenhalt geprägt ist, entsteht ein Zentrum, das nicht nur „für uns“, sondern für viele gedacht ist. Genau diese Haltung prägt die mennonitischen Kolonien im Chaco seit Jahrzehnten: Einrichtungen werden aufgebaut, die Mitgliedern dienen – und zugleich für alle offenstehen, die Hilfe suchen. So formuliert es etwa die Association Fernheim für ihr Hospital in Filadelfia ausdrücklich: Es versorgt Mitglieder – und nimmt auch alle auf, die seine Dienste benötigen.
Ausblick
Radioterapia Concordia in Neuland ist ein starkes Signal: Glaube wird praktisch, wenn eine Gemeinschaft Strukturen schafft, die Leid mindern – gerade dort, wo Wege weit und Möglichkeiten begrenzt sind. Damit daraus dauerhaft Segen wächst, wird es auf zwei Dinge ankommen:
verlässliche, qualitativ gesicherte Abläufe (mit INCAN-Begleitung) und
fairer Zugang, damit Hilfe nicht nur denen offensteht, die sie bezahlen können.
Quellen:
Wochenblatt (08.01.2026): „Medizinische Revolution im Chaco: Neuland erschließt neue Bereiche der Krebsbehandlung“. Wochenblatt
RCC (29.05.2025): Eröffnung/Ankündigung des ersten Radiotherapie-Zentrums im Chaco, Geräteübersicht (u. a. Halcyon). RCC
Última Hora (06.08.2025): Vereinbarung mit Gesundheitsministerium, Details zu Halcyon/ZAP-X, Ablauf für öffentlichen Zugang (Ausschreibungen), Investitionssumme. Última Hora
RCC (29.09.2025): Bericht über Besuch des Präsidenten, Aussagen zur nationalen Verfügbarkeit, Investition, Einordnung. RCC
Concordia/Neuland (07.08.2024): Mitteilung zum Spatenstich/Projektstart „Primer Centro de Radioterapia en el Chaco“.
