Materielle Zeugnisse aus der Verfolgungszeit der Täufer: Erinnerung ohne Verehrung
- Redaktion

- 29. Juni
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Beim Geschichtsseminar 2026 hielt Zeger Moussault einen Vortrag über besondere materielle Zeugnisse aus der Verfolgungszeit der Täufer – Gegenstände und Briefe, die bis heute an die Standhaftigkeit früher Glaubensgeschwister erinnern.
Die Geschichte der Täufer und frühen Mennoniten ist eng mit Verfolgung, Gefängnis, Verhören und Hinrichtungen verbunden. Viele Glaubenszeugen blieben trotz Druck und Leid bei ihrem Bekenntnis zu Christus. Aus jener Zeit sind nicht nur Berichte, Lieder und Briefe erhalten geblieben, sondern auch einzelne Gegenstände, die auf besondere Weise an diese Verfolgungszeit erinnern.
Solche Gegenstände werden manchmal als „materielle Zeugnisse“ bezeichnet. Gemeint sind keine heiligen Gegenstände im Sinne einer Reliquienverehrung. Aus täuferisch-mennonitischer Sicht liegt ihr Wert nicht darin, dass ihnen eine besondere Kraft zugeschrieben würde. Ihr Wert liegt vielmehr darin, dass sie an Menschen erinnern, die wegen ihres Glaubens litten und dennoch standhaft blieben.
Die Zungenschraube von Hans Bret
Ein besonders bekanntes Zeugnis ist die Zungenschraube von Hans Bret. Hans Bret war ein junger Täufer in Antwerpen. Weil er seinem Glauben treu blieb, wurde er zum Tod verurteilt. Die Obrigkeit wollte verhindern, dass er auf dem Weg zur Hinrichtung noch zu den Menschen sprach oder ein geistliches Zeugnis gab. Deshalb wurde ihm eine Zungenschraube angelegt.

Gerade dieses Werkzeug, das sein Reden verhindern sollte, wurde später selbst zu einem Zeugnis. Nach seiner Hinrichtung wurde die Zungenschraube aus der Asche geborgen und aufbewahrt. Damit erinnert sie nicht nur an das Leiden, sondern auch an die Furcht der Verfolger vor dem gesprochenen Zeugnis der Gläubigen. Denn viele Täufer bekannten Christus bis zuletzt öffentlich.
Die Birne von Maeyken Boosers
Ein ganz anderes Zeugnis ist die Birne von Maeyken Boosers. Sie war eine täuferische Märtyrerin aus Tournai, dem damaligen Doornik. Vor ihrer Hinrichtung gab sie eine Birne an einen Angehörigen weiter, wahrscheinlich an ihren Sohn Hans. Diese Birne wurde nicht gegessen, sondern als Erinnerung aufbewahrt und über Generationen weitergegeben.

Äußerlich ist dieser Gegenstand unscheinbar. Doch gerade darin liegt seine besondere Bedeutung. Eine einfache Frucht wurde zum stillen Erinnerungszeichen an eine Mutter, die ihren Kindern und ihrer Familie noch im Gefängnis ein letztes Zeichen hinterließ. Die Birne erinnert an den persönlichen Schmerz der Verfolgungszeit: Hinter jedem Märtyrernamen standen Familien, Kinder und Gemeinden.
Das Tischtuch von Thomas von Imbroich
Auch Thomas von Imbroich gehört zu den bekannten täuferischen Glaubenszeugen des 16. Jahrhunderts. Er war nicht nur Märtyrer, sondern auch ein Schreiber und Bekenner. Von ihm ist ein Glaubensbekenntnis überliefert, in dem er besonders die Taufe und das Fundament des Glaubens aus der Heiligen Schrift erklärte.
Als materielles Zeugnis wird ein Stück Tischtuch genannt, das mit ihm in Verbindung stand. Es besaß an sich keinen großen materiellen Wert. Doch als Erinnerungsstück verwies es auf einen Mann, der Gottes Wort höher achtete als menschliche Satzungen. Nach späteren Berichten wurde dieses Tuch auf einer mennonitischen Weltkonferenz gezeigt, ist heute jedoch verschollen.
Der Brief von Maeyken Wens
Neben Gegenständen gehören auch Briefe zu den bewegenden Zeugnissen aus der Verfolgungszeit. Maeyken Wens, eine täuferische Mutter aus Antwerpen, schrieb vor ihrem Tod mehrere Briefe. Ein Originalbrief ist erhalten geblieben. Ihre Worte zeigen einen Glauben, der nicht bloß äußerliche Überzeugung war, sondern aus dem Herzen kam.

Gerade die Briefe der Märtyrer zeigen, wie sie dachten, glaubten und hofften. Sie schrieben nicht aus sicherer Entfernung, sondern aus Gefängnis und Todesnähe. Ihre Briefe waren Ermahnung, Trost und Vermächtnis zugleich. Sie riefen ihre Familien auf, Christus treu zu bleiben und das ewige Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Warum diese Zeugnisse wichtig sind
Die materiellen Zeugnisse aus der Täuferzeit sind keine Gegenstände zur Verehrung. Sie sind Erinnerungszeichen. Sie helfen, die Geschichte nicht nur als eine Reihe von Jahreszahlen zu sehen, sondern als gelebtes Glaubenszeugnis.
Die Zungenschraube, die Birne, das Tischtuch und der Brief zeigen verschiedene Seiten der Verfolgungszeit: das öffentliche Bekenntnis, die familiäre Not, das schriftliche Glaubenszeugnis und die stille Weitergabe der Erinnerung. Sie mahnen dazu, die Geschichte der Täufer nicht zu vergessen.
Für Mennoniten bleibt diese Erinnerung besonders wichtig. Unsere Väter im Glauben wollten Christus nachfolgen, auch wenn es sie Freiheit, Besitz oder Leben kostete. Ihre Zeugnisse rufen nicht zu menschlichem Stolz auf, sondern zu Treue, Gehorsam und nüchterner Nachfolge Jesu Christi.
Unter folgenden Links kann der gesamte Vortrag als Audio und Video heruntergeladen werden.
Weitere Informationen zu diesem und weiteren geschichtlichen Themen finden Sie auf folgender Internetseite:




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