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Kolonie "Friesland"

Aktualisiert: 10. Jan.




Gründung: 1937

Lage: Departamento San Pedro (Nordparaguay), an der Ruta PY22 (Ort Friesland/„Friesland Sub-Urbano“)

Ursprung: gegründet von Abwanderern aus der Kolonie Fernheim (Chaco)

Startgröße: ca. 135 Familien (rund 750–754 Personen)

Erstgebiet: ca. 6.911 ha; Gründung von 9 Dörfern und 146 Hofstellen 


Warum 1937 ein Neuanfang nötig wurde


Die Kolonie Friesland entstand nicht „aus dem Nichts“, sondern aus einer konkreten Krise heraus. In Fernheim (gegründet 1930) waren die Jahre nach dem Chacokrieg von Dürre, Heuschreckenplagen, schwierigen Absatzwegen und einer spürbaren wirtschaftlichen Belastung geprägt – dazu kamen innere Spannungen und Enttäuschung über die Perspektiven.


Vor diesem Hintergrund entschloss sich ungefähr ein Drittel der Fernheimer Bewohner, den Schritt nach Ostparaguay zu wagen – in der Hoffnung auf verlässlichere Niederschläge, bessere Böden und nähere Märkte.


Der Aufbruch 1937: Land, Dörfer, Name


Im August 1937 brach die Gruppe aus dem Chaco auf; im September begann die konkrete Anlage der neuen Siedlung auf einem Landkomplex von rund 7.000 ha (in den Quellen auch 6.911 ha).


Die Gründer legten neun Dörfer an (u. a. Korniesheim, Großweide, Central, Grünfeld, Rückenau, Landskrone, Waldheim, Rosenberg, Blumenau) und planten 146 Hofstellen – ein typischer mennonitischer Aufbau mit Dorfgemeinschaft und landwirtschaftlichen Einheiten.

Der Name „Friesland“ erinnert an ältere Herkunftsräume mennonitischer Geschichte (niederländisch/norddeutsch geprägter Hintergrund).


Wirtschaftliche Etappen: vom Baumwollfeld zur stabileren Landwirtschaft


1937–1945: Baumwolle als Startkultur

In den Anfangsjahren setzte man – wie im Chaco – stark auf Baumwolle. In der Praxis zeigte sich jedoch: Klima, Böden und vor allem Vermarktung passten nicht so, wie erhofft.


1946–1956: „Tschumakerzeit“ / Einkommen über Fuhrwerke und Handwerk

Als Baumwolle weniger trug, verdienten viele den Lebensunterhalt zeitweise über Transporte (Fuhrwerke), Handwerk, Lohnarbeit und beginnende Viehhaltung. Zeitzeugen beschreiben diese Phase als sozial nicht einfach, weil Mobilität und Erwerbsdruck das Gemeindeleben belasteten.


Ab 1947: Kooperative als Schlüssel

Ein entscheidender Schritt war die Gründung der Sociedad Cooperativa Agrícola Friesland Ltda. (CAF) am 12. November 1947. Ziel war, Beratung, Vermarktung und gemeinschaftliche Entwicklung (Ackerbau, Viehzucht, teils auch Verarbeitung/Industrie) zu bündeln – ein Modell, das in vielen mennonitischen Kolonien Stabilität geschaffen hat.


1960er bis heute: Flächenwachstum, Mechanisierung, Mais–Weizen–Soja

Mit Landzukäufen in den 1960er Jahren und der späteren Mechanisierung (inkl. moderner Anbauverfahren) gewann der Ackerbau deutlich an Gewicht. In Friesland wurden Mais und später stärker Weizen und Soja wichtige Standbeine; damit stabilisierten sich Kolonie und Gemeinden, und Abwanderung konnte gebremst werden.


Gleichzeitig gehört zur Geschichte auch die Kehrseite: In den Jahren 1950–1970 verließen laut Kolonie-Darstellungen 964 Personen Friesland (u. a. Richtung Brasilien, Kanada, Deutschland, Argentinien oder zurück nach Fernheim) – ein Hinweis, wie hart die Übergangsphase war.


Gemeinde- und Sozialgeschichte: mehr als Landwirtschaft


Kirchlich spielte die Mennonitische Brüdergemeinde (MBG) von Beginn an eine tragende Rolle: Der planmäßige Aufbau startete am 3. Oktober 1937, mehrere Prediger kamen mit, und Kornelius Voth wurde zum Leiter gewählt.


Aus der Gemeindegeschichte werden mehrere markante Linien sichtbar:

  • Begleitung von Flüchtlingen aus Volendam (1947/48) – Friesland unterstützte menschlich und geistlich.

  • Diakonische Arbeit, u. a. Hilfe für Leprakranke in der Region (über Jahre hinweg).

  • Mission unter Paraguayern, besonders mit Blick auf San Estanislao (Santaní) und umliegende Orte.

  • Begegnung/Spannungsfelder: Zwischen 1940 und 1960 lebte zudem eine Bruderhofgemeinschaft (Eberhard Arnold/„Neuhutterer“) in der Nähe – eine Phase, die als bereichernd, aber auch herausfordernd beschrieben wird.


Friesland im größeren Paraguay-Kontext


Friesland gehört zu den prägenden mennonitischen Siedlungen Ostparaguays (im Unterschied zu den großen Chaco-Kolonien). Für das Verständnis hilft der Rahmen: Mennoniten gründeten in Paraguay zuerst Menno (1927) und Fernheim (1930) im Chaco; Friesland (1937) steht für die frühe „Ost-Achse“ mennonitischer Kolonisation.

 

Quellen

  • Menonitica (Lexikon): Artikel „Friesland“ (Gründung, Dorfanlage, Kooperative, Abwanderung, Landdaten)

  • AHM / GuKS: „MBG Friesland – Gottes Geschichte mit unserer Gemeindefamilie“ (Gemeindeaufbau, Etappen, Sozial- und Missionsgeschichte)

  • Wikipedia (de): „Friesland (Paraguay)“ (Lage/Ruta, Basisdaten, Flächenangaben, Überblick)

  • Wikipedia (en): „Mennonites in Paraguay“ (Einordnung der Kolonien/Chronologie im Landesrahmen)


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