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Kolonie "Bergthal"

Aktualisiert: 14. Jan.



Kolonie „Bergthal“ (Südrussland / heutige Ukraine)

Gegründet: 1836

Mutterkolonie: Chortitza (Alt-Kolonie)

Lage (damals): Gouvernement Jekaterinoslaw, Kreis/Bezirk Mariupol (Steppe nördlich des Asowschen Meeres)

Lage (geografisch): am Flüsschen Bodni (Nebenlauf der Berda), ca. 30 km nordwestlich von Mariupol

Fläche: 9.540 Desjatinen (≈ 10.400 ha)

Dörfer (Gründungsjahre): Bergthal (1836), Schönfeld (1837), Schönthal (1838), Heuboden (1839), Friedrichsthal (1852)

Familienzahl (Auswahl): 367 Familien (1857), ca. 350 Familien (1874)

Auflösung als Kolonie in Russland: durch Verkauf/Abwanderung 1874–1876 faktisch beendet


Warum Bergthal entstand


Als die Kolonie Chortitza in den 1830er Jahren spürbar anwuchs, wurde Land knapp – besonders für landlose Familien. Die russische Kolonialverwaltung wies deshalb im Mariupoler Gebiet neues Siedlungsland zu. So entstand 1836 Bergthal als erste mennonitische „Tochterkolonie“ Chortitzas – ein Modell, das später auch bei weiteren Gründungen genutzt wurde.


Name und Siedlungsbeginn


Der Name „Bergthal“ ist wörtlich zu verstehen: Ein Hügel („Berg“) nördlich des Dorfes und das Tal der Bodni prägten die Landschaft. In der Anfangszeit lebten viele Familien zunächst in provisorischen Unterkünften (z. B. Erd-/Sodenhütten und Zelten), bis feste Höfe entstanden.


Gesellschaft, Kirche und Ordnung


Wie in den Russlandkolonien üblich, war Bergthal stark gemeinschaftlich organisiert: mit lokalen Vorstehern (Schulzen) und überörtlicher Verwaltung, aber auch mit einer ausgeprägten kirchlichen Ordnung. Die relative räumliche Entfernung zu den großen Zentren Chortitza und Molotschna trug dazu bei, dass sich in Bergthal eine starke Gruppenidentität entwickelte – eher „bewahrend“ als „innovativ“.


Ein wichtiger Name für die spätere Geschichte ist Gerhard Wiebe (1827–1900): Er war Ältester der Bergthaler Gemeinde und prägte die Emigrationsentscheidung der 1870er Jahre maßgeblich.


Warum so viele Bergthaler auswanderten


Ab etwa 1870 änderte sich die Politik im Zarenreich: Es ging stärker in Richtung staatlicher Einheitsschule und allgemeiner Wehrpflicht. Für viele Mennoniten – besonders für konservative Gruppen – berührte das zentrale Grundsätze: Erziehung in eigener Verantwortung und Gewissensfreiheit gegenüber Militärdienst.


1873 reiste eine Delegation nach Nordamerika, um Siedlungsland zu prüfen. Vertreter aus Bergthal waren u. a. Heinrich Wiebe und Jacob Peters.


Auswanderung 1874–1876 und Folgen


Die Bergthaler organisierten die Abwanderung planmäßig in Etappen (1874, 1875, 1876): Während die ersten Gruppen bereits in Kanada Fuß fassten, versuchten andere in Russland noch Land zu verkaufen und die Mittel nachzuführen – auch um weniger begüterte Familien zu unterstützen.


Ein großer Teil ließ sich in Manitoba nieder (East Reserve/Rat River-Gebiet). Zeitgenössische Darstellungen sprechen davon, dass innerhalb weniger Jahre praktisch die gesamte Kolonie „ausverkaufte“. In der kanadischen Einwanderung der 1870er Jahre stellten Bergthaler einen bedeutenden Anteil: Aus der Bergthal-Kolonie stammten rund 3.000 der insgesamt etwa 7.000 mennonitischen Zuwanderer nach Kanada in dieser Welle.


Später gingen aus Bergthaler Kreisen (oft über Kanada) auch neue Auswanderungen hervor – u. a. nach Mexiko, Paraguay und Bolivien.


Ortsnamen heute


Die historischen Dörfer existieren im Raum der heutigen Ukraine weiter, meist unter anderen Namen (z. B. Bergthal → Respublika; Schönfeld → Kseniwka; u. a.).



Quellen:

  • Chortitza.org – Datensatz „Bergthal Kolonie“ (Fläche, Familienzahlen, Karten/Materialien)

  • William Schroeder: The Bergthal Colony (CMU/CMBC Publications, PDF)

  • Manitoba Historical Society (MHS), A Mennonite Community in the East Reserve, Its Origin and Growth (Kontext Chortitza → Bergthal → Manitoba; Delegation 1873; Auswanderung)

  • Wikipedia (DE/EN) als schneller Überblick zu Gründungsjahren/Ortsnamen (mit Verweis auf Fachliteratur)

  • Buch: Die Bergthaler Mennoniten Zum fünfzigjährigen Jubiläum

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