Versteckte Kirche in Pingjum
- Redaktion

- 8. Nov. 2024
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Jan.

Wer heute durch Pingjum geht, übersieht das Gebäude leicht: Von der Straße wirkt es wie ein schlichtes Wohnhaus. Genau das war beabsichtigt. Das kleine mennonitische Bethaus gehört zur Tradition der „Schuilkerken“ (versteckten Kirchen) – Versammlungsorte, die im 16./frühen 17. Jahrhundert äußerlich nicht als Kirche erkennbar sein durften.

Ein Gotteshaus, das nicht auffallen durfte
In vielen Regionen der nördlichen Niederlande wurden Täufer/Mennoniten nach den harten Verfolgungsphasen zwar zunehmend geduldet, aber nicht wirklich „gleichgestellt“. Gottesdienste waren möglich – jedoch unter Auflagen: Der Versammlungsort sollte nicht als Kirchenbau im Straßenbild erscheinen. Deshalb entstanden schlichte Häuser, bei denen sich der eigentliche Andachtsraum oft hinter einem Wohnteil verbarg.

Genau so ist es auch in Pingjum beschrieben: Hinter dem vorderen Wohnbereich, der tatsächlich bewohnt wurde, liegt der einfache, funktionale Kirchenraum; äußerlich weist nur wenig (z. B. ein auffälligeres Fenster über der Tür) darauf hin, dass sich dahinter ein Bethaus verbirgt.

Im schlichten Kirchenraum befand sich vorne die Kanzel und daneben das Pult für den Vorsänger. Die Gläubigen saßen im Raum verteilt. Die Schwestern saßen in der Mitte auf Stühlen, die Brüder saßen außen an den Wänden. Grund dafür war, dass bei einem Angriff die Männer die Versammlung verteidigen und schützen konnten.

An den Fenstern befanden sich Abdeckungen um die Fenster zu schließen und sich somit vor neugierigen Blicken von außen zu schützen.

Die gesamte Innenausstattung ist aus schlichtem Holz gemacht worden. Ein für damalige Zeiten günstiges Baumaterial.
Ort und Bauzeit
Das Schuilkerkje befindet sich an der Adresse Grote Buren 28. Als Bauzeit wird häufig um 1600 angegeben; andere Beschreibungen sprechen vorsichtig von „wahrscheinlich 16. Jahrhundert“ (also spätes 1500er-Jahrhundert) – beides passt in die Epoche, in der solche versteckten Versammlungsorte besonders typisch waren.
Historischer Hintergrund: Warum gerade hier?
Die Region Friesland ist eng mit der frühen täuferischen Reformation verbunden – auch biografisch: Menno Simons war nach späteren Überlieferungen und Darstellungen in jungen Jahren mit Pingjum verbunden und wirkte dort in den 1520er-Jahren als (katholischer) Geistlicher. Touristische und kirchengeschichtliche Darstellungen nennen Pingjum ausdrücklich als Station (Vikar) auf seinem Weg.
Für die mennonitische Gemeinde vor Ort lassen sich frühe Spuren im 16. Jahrhundert greifen: In der Umgebung wurden in den 1560er–1580er Jahren wiederholt Täufer getauft; spätestens seit dieser Zeit ist eine mennonitische Gemeinde in Pingjum belegt.
Weitere Informationen auf https://doopsgezindemonumenten.nl/schuilkerkje-pingjum/




Kommentare