Kaum angekommen, schon in Sorge um ihre neue Mennonitenkolonie in Suriname
Am 20. Juli 2026 kam die erste mennonitische Familie aus Belize in der neuen Kolonie am Tibiti-Fluss in Suriname an. Nun ist ungewiss, ob das Projekt wie geplant weitergeführt werden kann.

Ein einfacher Anfang
Noch erinnert wenig an eine fertige Siedlung. Doch der Anfang ist gemacht. Die erste Unterkunft besteht aus zwei großen Schiffscontainern, die mit etwas Abstand zueinander aufgestellt und vollständig von einem gemeinsamen Metalldach überdeckt werden. Diese einfache, aber praktische Bauweise bietet der Familie zunächst Schutz, bis später Wohnhäuser entstehen können.
Wie bei vielen mennonitischen Neugründungen beginnt auch diese Kolonie bescheiden.

Viele Helfer waren im Einsatz
Schon seit Monaten reisen Männer aus Belize immer wieder nach Suriname, um den neuen Siedlungsplatz vorzubereiten. Sie errichteten eine provisorische Unterkunft, legten Wege an und bohrten einen Brunnen.
Unterstützung erhielten sie dabei auch aus der örtlichen Bevölkerung.
Bereits bei einem früheren Arbeitseinsatz wurde Mais ausgesät. Der Anbau dient zunächst als Experiment, um die Qualität und Eignung des Bodens für die Landwirtschaft zu testen.

Eine ganze Kolonie ist geplant
Die Mennoniten aus Belize(Shipyard und Indian Creek) erwerben derzeit rund 24.000 Hektar Land (59.300 Acres) im Gebiet Tibiti am Fluss Tibiti im Distrikt Para. Nach Angaben von J. F. aus Shipyard, der die erste Familie nach Suriname begleitete, ist der größte Teil der Kaufsumme bereits bezahlt.Die Organisatoren haben einen genauen Lageplan erstellt. Straßen verlaufen im Schachbrettmuster und teilen das Gebiet in insgesamt 336 Grundstücke auf.
320 Grundstücke sind als Hofstellen vorgesehen und bereits mit den Namen der zukünftigen Besitzer versehen. Dazwischen wurden 16 Flächen gleichmäßig für Schulen reserviert.
Die Planung zeigt, wie groß die Hoffnungen für dieses Projekt sind. Noch ist von der geplanten Kolonie jedoch wenig zu sehen.

Gute Vorbereitung
Dem Umzug gingen mehrere Jahre sorgfältiger Vorbereitung voraus.
Gemeindeführer aus Shipyard und Indian Creek reisten mehrfach nach Suriname. Sie untersuchten die Bodenqualität, besichtigten verschiedene Grundstücke und informierten sich über die landwirtschaftlichen Vorschriften des Landes.
Nach bisherigen Informationen haben mennonitische Delegationen aus Belize in den vergangenen Jahren mindestens sechs Reisen nach Suriname unternommen, um geeignete Flächen zu erkunden.
Auch Mitglieder der Gemeinde Spanish Lookout prüfen inzwischen eine Umsiedlung nach Suriname.

Warum die Familien auswandern
Der wichtigste Grund für die neue Kolonie ist der Mangel an ausreichend Ackerland in Belize.
„Der Hauptgrund für die neue Siedlung ist der Mangel an genügend Ackerland“, sagt Jakob Wall aus Shipyard.
Viele junge Familien finden in den bestehenden Kolonien nur noch schwer genügend Land, um einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb aufzubauen.

Landwirtschaft für die Zukunft
Nach Angaben von Henry Penner aus Indian Creek wollen die Familien vor allem Sojabohnen, Mais, Bohnen und Sorghum anbauen. Gleichzeitig soll Viehzucht betrieben werden.
Die Mennoniten aus Belize gelten seit Jahrzehnten als erfahrene Landwirte. Seit ihrer Einwanderung im Jahr 1959 haben sie wesentlich zum Ausbau der Landwirtschaft, der Milchproduktion und der Holzverarbeitung in Belize beigetragen.
Auch in Suriname hoffen die Organisatoren, diese Erfahrungen einsetzen zu können. Die neue Kolonie soll langfristig eine landwirtschaftliche Gemeinschaft werden, in der Familien gemeinsam arbeiten und ihre Höfe aufbauen.

Neue Unsicherheit in Suriname
Während die Familie Redekop in der neuen Kolonie ihren Alltag aufbaut, wird in Suriname zunehmend über die mennonitischen Siedlungsprojekte diskutiert.
In den vergangenen Monaten standen vor allem geplante und bereits begonnene Landwirtschaftsprojekte im Landesinneren in der Kritik. Dabei geht es unter anderem um Landrechte, mögliche Rodungen, den Schutz des Regenwaldes und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.
Auch die Regierung beschäftigt sich mit illegaler Landerschließung und der Nutzung von Waldgebieten. Im Zusammenhang mit mennonitischen Projekten wurden zudem Vorwürfe erhoben, Menschen könnten unter falschen Voraussetzungen nach Suriname gebracht worden sein.
Für die Siedler bleibt die Entwicklung dennoch von großer Bedeutung. Denn wenn die Regierung die landwirtschaftliche Erschließung in bestimmten Gebieten einschränkt oder Projekte schließen lässt, könnte auch die Zukunft der neuen Kolonie betroffen sein.

Zwischen Hoffnung und Sorge
Für die Familie Redekop ist die Situation besonders schwierig. Sie hat ihre bisherige Heimat verlassen und den ersten Schritt in ein neues Leben gemacht. Auf dem Gelände stehen Container, ein Brunnen ist gebohrt und die ersten Felder sind angelegt.
Doch eine dauerhafte Siedlung braucht mehr als einen Anfang. Die Familie benötigt Sicherheit, um weitere Investitionen zu planen und sich auf den Aufbau ihres landwirtschaftlichen Betriebs zu konzentrieren.
Sollte die neue Kolonie aufgrund staatlicher Entscheidungen nicht wie geplant weitergeführt werden können, würde das für die Familie eine große Belastung bedeuten. Nicht nur die bereits geleistete Arbeit, sondern auch die Hoffnung auf eine neue Heimat stünde dann infrage.
Noch ist nicht entschieden, wie sich die Situation für diesen Siedlungsplatz entwickeln wird. Die Diskussion über andere mennonitische Projekte zeigt jedoch, dass die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Zukunft der Kolonie eine wichtige Rolle spielen werden.
Hoffnung für Suriname
Auch in Suriname wird das Projekt aufmerksam verfolgt.
Suriname importiert bis heute einen großen Teil seiner Lebensmittel. Die Regierung möchte deshalb die heimische Landwirtschaft ausbauen und die Eigenversorgung verbessern. Erfahrene Landwirte könnten dazu einen wichtigen Beitrag leisten.
„Suriname hat das Potential der Lebensmittelkorb der Region zu werden“ so der Wirtschaftsminister von Suriname.
Die mennonitischen Siedler sehen in den landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes eine Chance. Gleichzeitig muss die Entwicklung mit den gesetzlichen Vorgaben und dem Schutz der Natur vereinbar sein.

Es gibt auch Kritik
Nicht alle sehen die neue Kolonie und die weiteren mennonitischen Siedlungsprojekte positiv.
Vertreter einiger Naturschutzorganisationen befürchten Auswirkungen auf Waldgebiete und kündigten an, die Entwicklungen kritisch zu begleiten.
Gleichzeitig gibt es Stimmen, die eine sachliche Beurteilung der mennonitischen Siedler fordern.
Ravic Nijbroek vom WWF Niederlande mahnt:
„Wir wollen uns nicht dazu verleiten lassen, eine Gruppe friedlicher Menschen zu verurteilen, bevor wir sie überhaupt kennengelernt haben.“
Die Diskussion zeigt, wie unterschiedlich die Erwartungen an die neuen Siedlungen sind. Während die Siedler nach landwirtschaftlichen Möglichkeiten suchen, stehen für andere der Schutz der Natur und die Einhaltung der Gesetze im Vordergrund.

Ein besonderer Moment
Mit dem Einzug der Familie Redekop ist aus jahrelangen Planungen Wirklichkeit geworden.
Noch stehen erst wenige Gebäude auf dem Gelände. Doch Wege, Brunnen und die ersten Felder sind bereits vorhanden. Die Familie hat den ersten Schritt gemacht und versucht, sich in der neuen Umgebung ein Zuhause aufzubauen.
Gleichzeitig bleibt die Zukunft ungewiss. Die aktuellen Diskussionen über mennonitische Siedlungsprojekte in Suriname könnten auch für diese geplante Kolonie Folgen haben. Noch ist nicht klar, ob die Siedlung wie vorgesehen weiterentwickelt werden kann.
Für Familie Redekop bedeutet das eine schwierige Situation. Sie ist bereits angekommen, hat Arbeit investiert und auf einen Neuanfang gehofft. Nun muss sie abwarten, wie sich die rechtlichen und politischen Bedingungen entwickeln.
Quellen:
Persönliche Auskünfte von J. F. (möchte nicht genannt werden)
Persönliche Auskünfte von Jakob Wall (Shipyard, Belize)
de Ware Tijd: „MennoWEL of MennoNIET?“
Mongabay: „Mennonites from Belize spark deforestation fears with new settlement plans in Suriname“ (April 2026)
Dagblad Suriname: „Training basisvaardigheden ondernemerschap versterkt agrarische sector in Wanica“ (11. November 2025)








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