Impfteams in Kitas und Schulen: Paraguay schließt Impflücken gegen Masern – mit Nähe, Aufklärung und Kooperation
- Redaktion

- vor 4 Tagen
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Encarnación / Itapúa. Mobile Impfteams kommen derzeit dorthin, wo Familien leicht erreichbar sind: in Kitas, Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Das Programa Ampliado de Inmunizaciones (PAI) des Ministerio de Salud Pública y Bienestar Social (MSPBS) richtet die Aktion auf Kinder von 1 bis 5 Jahren aus. Eltern erhalten Einverständniserklärungen und werden gebeten, den Impfpass („libreta“) mitzugeben, damit fehlende Dosen direkt vor Ort nachgeholt werden können.
Warum Schulen jetzt im Mittelpunkt stehen
Masern sind keine „Kinderkrankheit wie früher“, sondern eines der ansteckendsten Viren überhaupt: Das Virus kann bis zu zwei Stunden in der Luft oder auf Oberflächen ansteckend bleiben, und eine infizierte Person kann bis zu 18 weitere anstecken, wenn diese nicht immun sind. Genau deshalb setzen die Behörden auf Orte, an denen viele Kinder täglich zusammenkommen – und auf schnelle, unkomplizierte Angebote.
Der Hintergrund: Ausbruch 2025 – heute gezielte Nacharbeit
Paraguay hatte Ende 2025 einen Masernausbruch, der nach offiziellen Angaben nach zwölf Wochen ohne neue bestätigte Fälle für beendet erklärt wurde. Insgesamt wurden 49 Fälle registriert; in den betroffenen Zonen wurden nach Behördenangaben über 150.000 Impfdosen verabreicht, um Übertragungsketten zu stoppen.
Ab März 2026: Nationale Kampagne über acht Wochen
Parallel zur laufenden Schul-Offensive ist für März 2026 eine achtwöchige landesweite Nachholkampagne geplant – gegen Masern und Röteln, mit der SRP-(MMR-)Impfung. Je nach Planungslage ist von rund 400.000 bis knapp 500.000 Kindern im Alter von 1 bis 5 Jahren die Rede; ein großer Anteil der Zielgruppe liegt im bevölkerungsreichen Departamento Central.

Sind Mennoniten von der Kampagne betroffen?
Dort, wo Kinder in Schulen und Vorschulen erreicht werden sollen, sind auch Gemeinden mit eigenen Strukturen im Blick – darunter Regionen mit mennonitischen Kolonien. Während des Ausbruchs wurden aus dem Departamento San Pedro unter anderem Orte wie Santa Rosa del Aguaray, Nueva Germania und Tacuatí genannt; Berichte erwähnten dabei ausdrücklich Kolonien in der Region. Das spricht dafür, dass die nun geplanten Impfangebote – besonders dort, wo Teams direkt in Einrichtungen gehen – auch mennonitische Familien erreichen können, sofern sie in den jeweiligen Einzugsgebieten leben.
Gespräch statt Etikett: Wie Behörden Vertrauen aufbauen wollen
In traditionell geprägten ländlichen Gemeinschaften – dazu zählen auch einzelne mennonitische Kolonien – werden Gesundheitsfragen oft sehr bewusst als Familien- und Gemeinschaftsverantwortung verstanden. Impfentscheidungen fallen dann häufig erst nach ausführlicher Abwägung: Was ist wirklich nötig, was schützt die Kinder am besten, und wie passt es in den Alltag?

Genau hier setzt die Strategie der Gesundheitsdienste an: niedrigschwellige Angebote, klare Information, und – wo es hilft – die Zusammenarbeit mit lokalen Ansprechpartnern (z. B. Leitungspersonen oder Schulverantwortlichen), damit Abläufe und Inhalte verständlich erklärt werden können.
Eine Debatte im Land: Impfkalender, Verantwortung, Rechtsrahmen
Mit der Kampagne rückt auch eine Grundsatzfrage wieder in den Fokus: Wie weit reicht elterliche Entscheidung, wenn es um hoch ansteckende Krankheiten geht? In paraguayischen Medien wurde dazu berichtet, dass das Ministerium Impfungen als Teil des regulären Impfkalenders einordnet und im Konfliktfall auch rechtliche Wege möglich sein können – zugleich betont die Praxis vieler Teams vor allem eines: Aufklärung und Kooperation.

Blick in die Region: Masern bleiben ein Thema in Amerika
Die Pan American Health Organization (PAHO) weist seit 2024 auf steigende Fallzahlen und Importfälle in der Region hin – ein Grund, warum Länder ihre Impfprogramme besonders bei Kindern wieder stärken.
Quellen (Auswahl)
Wochenblatt (Bericht zur Schul-/Vorschul-Offensive).
Itapúa Noticias (Details zur Umsetzung in Bildungseinrichtungen).
ABC Color (Zielgruppe, Start im März, Fokus Schulen).
Última Hora (Debatte Impfpflicht/Kindeswohl).
Diario Extra (Berichte aus San Pedro während des Ausbruchs).
World Health Organization (WHO) (Fakten zu Übertragung/Ansteckung).




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