Gericht in Ucayali: Verfahren gegen 24 Mennoniten in Masisea geht weiter – Gemeinschaft betont Rechtstreue und gutes Miteinander
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Pucallpa/Masisea. Ein Gericht in der peruanischen Amazonasregion Ucayali hat entschieden, dass ein Strafverfahren gegen 24 Angehörige einer mennonitischen Siedlung wegen mutmaßlicher Waldrodung („desbosque“) nicht eingestellt wird, sondern in Richtung Hauptverfahren weiterläuft. Das geht aus einer Mitteilung des obersten Gerichtes in Ucayali hervor.
Wichtig dabei: Die Anordnung zur Fortführung des Verfahrens ist noch kein Schuldspruch. Sie bedeutet, dass das Gericht ausreichend Gründe sieht, den Fall in der nächsten Phase weiter zu prüfen – einschließlich Beweisaufnahme, Gutachten und Aussagen.
Mennoniten weisen Vorwürfe zurück – und setzen auf Kooperation
Aus Sicht der Beschuldigten handelt es sich um Missverständnisse bzw. unzutreffende Anschuldigungen. In einem Bericht der SWI swissinfo.ch (unter Bezug auf Agence France-Presse) erklärt der Anwalt der Mennoniten, die Flächen seien legal erworben worden und bereits „abgeholzt“ gewesen, als sie gekauft wurden.

Auch inhaltlich betonen Vertreter der Gemeinschaft, dass sie nicht „Primärwald“ gerodet hätten, sondern auf Land arbeiteten, das zuvor bereits als geschädigt bzw. vorgerodet galt. Der peruanische Experte Pedro Favaron (Pontificia Universidad Católica del Perú) wird in demselben Bericht mit der Einschätzung zitiert, dass in Masisea Land von mestizischen Siedlern gekauft worden sei, das „bereits geschädigt“ gewesen sei.
Gleichzeitig rücken die Mennoniten ihre Motivation in ein anderes Licht: Landwirtschaft und Selbstversorgung seien Teil ihrer Lebensweise – „uns gefällt das Landleben“, heißt es sinngemäß, verbunden mit der Aussage, man wolle „die Umwelt nicht zerstören, sondern im Einklang mit ihr leben“.
„Schon vorher gerodet“: Streitpunkt Flächenzustand
Ein zentraler Punkt in der Darstellung der Mennoniten ist, dass die von ihnen erworbenen Flächen bereits zuvor gerodet bzw. als Weideland genutzt gewesen seien – also nicht „Primärwald“, der erst durch sie verschwunden wäre. In dem Bericht von Convoca wird dazu ein kommunaler Funktionsträger zitiert, der sinngemäß erklärt, es habe sich an mehreren Stellen um Potreros/Weideflächen gehandelt und nicht um geschlossene Wälder.

Gleichzeitig verweisen Umweltberichte seit Jahren auf erhebliche Entwaldungswerte im Raum Masisea; in älteren Angaben der Staatsanwaltschaft war beispielsweise von rund 894 Hektar (2016–2019) die Rede. Ob diese Zahlen, Abgrenzungen und Verantwortlichkeiten im konkreten Verfahren standhalten, ist genau das, was nun gerichtlich geprüft werden soll.
„Gutes und konstruktives Miteinander“: Nachbarschaft, Markt, Alltag
Neben der juristischen Auseinandersetzung betont die Gemeinschaft – und auch einzelne Stimmen aus der Umgebung – den Wunsch nach einem friedlichen, konstruktiven Zusammenleben mit den Nachbarn.
So wird in Convoca beschrieben, dass Mennoniten sich in der Region an lokale Routinen anpassen und dass sie wissen, wie wichtig friedliche Koexistenz und Zusammenarbeit für Akzeptanz vor Ort sind. Für Masisea wird außerdem berichtet, dass die Mennoniten auf der Sonntags-Feria verkaufen und dort teils zu niedrigeren Preisen anbieten – was ihnen in Teilen der Bevölkerung Sympathien einbringe.

Ebenfalls genannt wird praktische Unterstützung im Alltag – etwa die Mitarbeit bei der Instandhaltung von Wegen; außerdem wird berichtet, dass mennonitische Vertreter angeboten hätten, Nachbarn in praktischen Kursen zur Wartung und Reparatur landwirtschaftlicher Maschinen zu schulen.
Wie es weitergeht
Als nächstes wird das Verfahren weiter in Richtung Hauptverhandlung geführt. Dann wird sich entscheiden, welche Beweise verantwortliche Ministerium von Perú vorlegt (z. B. Satellitendaten, Genehmigungslage, Gutachten) und wie die Verteidigung der Mennoniten die Eigentumsfragen, die Nutzung und den Zustand der Flächen vor den Kauf nachweisen kann.
Aus Sicht der Mennoniten steht dabei nicht nur die rechtliche Klärung im Vordergrund, sondern auch das Signal: Man wolle rechtstreu wirtschaften, kooperativ mit Behörden zusammenarbeiten und mit den Nachbarn ein gutes Miteinander pflegen.
Quellen:
Gobierno del Perú / Corte Superior de Justicia de Ucayali: „Juzgado ordena continuar proceso penal contra 24 menonitas por presunto desbosque en Masisea“ (Nota de prensa), veröffentlicht 30. Januar 2026 (06:23); abgerufen am 06. Februar 2026.
Convoca: Iván Brehaut: „Brechas legales permiten que los menonitas deforesten la Amazonía peruana“, 2. August 2023; abgerufen am 06. Februar 2026.
Actualidad Ambiental: Fiorella Fiestas: „Liberan a menonitas que talaron árboles con maquinaria pesada y sin autorización“, 2. Dezember 2020; abgerufen am 06. Februar 2026.
Instituto de Defensa Legal: „Poder Judicial ordena a colonia menonita paralizar deforestación en Masisea Ucayali“, 11. Januar 2024; abgerufen am 06. Februar 2026




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