Mennoniten dürfen keinen Wald mehr roden.
- Redaktion

- 27. Juli 2023
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Feb.


peru
Die Zweite Strafberufungskammer des Obersten Gerichtshofs von Ucayali (CSJU) hat die sofortige Aussetzung der Rodungsaktionen und des Holzeinschlags durch mennonitischen Kolonien beschlossen.
In Peru hat die Zweite Strafberufungskammer der Corte Superior de Justicia de Ucayali eine sofortige Aussetzung von Rodungs- und Holzeinschlagsaktivitäten durch eine mennonitische Kolonie bestätigt. Die richterliche Anordnung untersagt insbesondere den Einsatz von Fahrzeugen, Maschinen und Werkzeugen, die für das Abholzen von Waldflächen eingesetzt werden können. Geräte, die für das tägliche Leben innerhalb des Siedlungsbereichs notwendig sind, sollen davon ausdrücklich nicht betroffen sein.
Worum geht es konkret?
Betroffen ist die Kolonie „Gnadenhoff Reinlaender“, die sich laut Berichten im Grenzbereich zwischen Ucayali und Loreto befindet. Vorausgegangen war ein Verfahren, in dem ein Untersuchungsgericht (2022) einem Antrag der Umweltstaatsvertretung bzw. des Ministerio del Ambiente (MINAM) folgte; dagegen legte die Verteidigung Berufung ein – nun wurde die Maßnahme in der zweiten Instanz bestätigt.
Die Ermittlungsbehörden prüfen den Verdacht, dass zwischen Juli 2020 und Juli 2021 rund 338,59 Hektar Wald gerodet worden sein könnten; außerdem wird in Berichten auf einen weiteren möglichen Verlust von 167,04 Hektar (Juli/August 2021) verwiesen.

Parallel dazu dokumentiert der Proyecto Monitoreo de la Amazonía Andina (MAAP) Waldverluste mithilfe von Satellitenbildern und ordnet mehrere mennonitische Kolonien in der peruanischen Amazonasregion einem Muster rascher Flächenausweitung zu. Die anfänglichen Bilder können aber nicht zeigen, welche Bewaldung vor der Besiedlung der Mennoniten vorgelegen hat. Diese Bilder zeigen nur den Fortschritt der mennonitischen Siedlungen auf dem von ihnen legal erworbenem Land.
Was betonen die Mennoniten und ihre Verteidigung?
Die mennonitischen Siedler verweisen – über ihren Rechtsbeistand – darauf, dass es zu wenig klare, praxistaugliche Leitlinien gebe, wie Landwirtschaft in dieser Region rechtssicher mit Umweltauflagen vereinbart werden könne. Zugleich kündigte die Verteidigung an, den Rechtsweg weiter auszuschöpfen. In der Darstellung der Siedler spielt außerdem eine Rolle, dass sie sich teils auf vorherige Zusagen und Erwartungen im Zusammenhang mit Ansiedlung und landwirtschaftlicher Nutzung berufen.
Diese Sichtweise ist wichtig für eine faire Einordnung: Mennonitische Gemeinschaften migrieren häufig nicht aus „Profitlogik“, sondern aus dem Wunsch, als Glaubensgemeinschaft mit eigenen Schulen und klarer Lebensordnung wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Gerade dort, wo staatliche Verfahren komplex, langsam oder widersprüchlich sind, entstehen dann Konflikte – oft nicht, weil „Regeln egal“ wären, sondern weil Regeln unklar, mehrdeutig oder schwer umsetzbar erscheinen.
Ein strukturelles Problem: Landrechte und Anreize zur Entwaldung
Ein zusätzlicher Hintergrund, der in der öffentlichen Debatte häufig untergeht: In Analysen zur Amazonien-Landpolitik wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Formen der Agrar-Formalisation (Titulierungs-/Anerkennungsverfahren) unbeabsichtigt Entwaldung begünstigen können – weil landwirtschaftliche Nutzung als Nachweis für Besitz/Anspruch gilt und dadurch der Druck wächst, Wald in Nutzfläche umzuwandeln. Eine Studie von Oxfam beschreibt diesen Mechanismus ausdrücklich und nennt den Fall mennonitischer Kolonien als Beispiel für diese problematische Anreizstruktur.
Das heißt nicht, dass Umweltrecht „optional“ wäre – aber es erklärt, warum Konflikte oft an der Schnittstelle von Landrecht, Verwaltungspraxis und Umweltregulierung eskalieren. Wer nachhaltige Lösungen will, braucht daher beides: konsequente Regeln und klare, erreichbare Wege zur legalen Umsetzung.
Mennoniten als Teil der Lösung: Was jetzt konstruktiv wäre
Viele mennonitische Betriebe gelten (länderübergreifend) als leistungsfähig in Organisation, Landwirtschaftstechnik und Gemeinschaftsaufbau. Genau diese Stärken könnten in Peru in eine positive Richtung wirken – etwa durch:
Transparente Flächenplanung (Pufferzonen, klare Abgrenzung, keine Ausweitung in sensible Bereiche)
Intensivere Nutzung bereits geöffneter Flächen statt ständiger Expansion
Bodenschutz & Ertragssteigerung ohne Brandrodung (Fruchtfolgen, Humusaufbau, wasserschonende Verfahren)
Kooperation mit Behörden und Nachbarschaft (Dialogformate, lokale Vereinbarungen, Monitoring)
Solche Schritte machen die Gemeinschaft nicht nur „sympathischer“, sondern vor allem rechtssicherer – und sie entlasten die pauschale Kritik, die oft ganze Gruppen trifft, obwohl konkrete Vorwürfe sich auf einzelne Kolonien oder Zeiträume beziehen.
Es geht auch anders: Beispiele aus anderen Ländern
Dass mennonitische Akteure Umwelt- und Waldschutz auch aktiv gestalten können, zeigt ein anderes Modell aus dem Paraguay: Dort wird beschrieben, wie einzelne Landbesitzer (darunter Mennoniten) Wald über Zertifikate/Umweltdienstleistungen erhalten und dadurch eine wirtschaftliche Alternative zur Rodung schaffen. Solche Beispiele lösen die peruanischen Konflikte nicht automatisch – aber sie zeigen: Innerhalb mennonitischer Netzwerke gibt es bereits praktische Ansätze, Natur zu erhalten und trotzdem wirtschaftlich zu bestehen.
Quellen:
Bericht/Übersetzung auf deiner Seite (Gerichtsentscheidung, Verfahren, Zahlenangaben, Einordnung)
Spanische Originalquelle: Actualidad Ambiental (SPDA-Umfeld), inkl. Verfahrensangaben und Zitaten
MAAP-Report #166 (Satelliten-Dokumentation, Kontext zu Kolonien/Entwaldungsflächen)
Oxfam-Studie zu Agrar-Formalisation und Entwaldungsanreizen (struktureller Kontext)
Positivbeispiel Waldschutz/Umweltdienstleistungen im Chaco (Hintergrund für „Lösungswege“)




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