Hilfegesuch der Mennoniten bei Regionalregierung Loreto / Peru
- Redaktion

- 7. Apr. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen


Peru
Eine Delegation mennonitischer Siedler ist in der Stadt Iquitos eingetroffen, um das Gespräch mit der Gobierno Regional de Loreto (GOREL) zu suchen. Hintergrund sind Vorwürfe im Zusammenhang mit Entwaldung, die im Rahmen eines Verfahrens der Fiscalía Especializada en Materia Ambiental (FEMA) aufgegriffen wurden. Die mennonitischen Vertreter betonen, dass sie nicht Konfrontation, sondern Aufklärung, Prüfung der Aktenlage und einen geordneten Dialog anstreben.
„Wir sind gekommen, um in Harmonie zu leben“
Nach Angaben der Delegation möchten die Kolonien in der Region dauerhaft bleiben, ihre Familien ernähren und in geordneten Verhältnissen arbeiten. Kolonievertreter Abraham Dyck erklärte, man sei nach Loreto gekommen, um in Frieden mit den umliegenden Gemeinden zu leben – und bitte die Regionalregierung um Unterstützung, damit die Angelegenheit sachlich geklärt werden könne.
Wer war vor Ort – und welche Kolonie ist gemeint?
Zu der Gruppe gehörte unter anderem Abraham Dyck, Vorsteher (bzw. „Minister“/Leiter) der Kolonie Wanderland, einer von mehreren mennonitischen Siedlungen in der Nähe von Tierra Blanca im Distrikt Sarayacu (Provinz Ucayali, Region Loreto).
Worum geht es im Verfahren?
Im Raum stehen Vorwürfe, die sich auf großflächige Rodungen beziehen. Nach Darstellung der Kolonievertreter wurden im Rahmen des Verfahrens sehr hohe Forderungen bzw. Geldstrafen diskutiert (genannt wurden rund 3,76 Mio. Soles; außerdem kursieren sehr große Flächenangaben). Die Mennoniten weisen diese Darstellung in der Sache zurück und betonen, dass hier eine saubere Prüfung der tatsächlichen Ausgangslage nötig sei – insbesondere, welche Flächen bereits vor ihrer Ankunft genutzt oder verändert worden seien.
Darstellung der Mennoniten: Flächen seien bereits zuvor genutzt worden
Die mennonitischen Siedler führen an, dass sie mit den erforderlichen Dokumenten ins Land gekommen seien und bei ihrer Ansiedlung auf Flächen trafen, die bereits zuvor durch ein Holzunternehmen genutzt worden seien. Sie betonen: „Wir sind keine Holzfäller“, sondern wollten Land für Landwirtschaft und Lebensunterhalt nutzen – so, wie es ihrer traditionellen Wirtschaftsweise entspreche.
Aus Sicht der Kolonie gehe es deshalb nicht darum, „auf Kosten des Staates“ Vorteile zu erzielen, sondern darum, als Familiengemeinschaft rechtssicher arbeiten zu können, nachdem bereits erhebliche Investitionen erfolgt seien.
„Wir beleben den lokalen Handel“
Ein wichtiger Punkt, den die Delegation hervorhebt: Die Kolonien seien wirtschaftlich mit der Umgebung verflochten. Ernten würden in den umliegenden Siedlungen verkauft; gleichzeitig kaufe man dort Produkte ein, die in der Kolonie nicht hergestellt werden. So entstehe lokaler Handel, der gerade in strukturschwächeren Gegenden spürbar sein könne.
Warum das Gespräch mit der Regionalregierung Loreto?
Begleitet wurden die Siedler von ihrem Rechtsvertreter Medelú Saldaña. Er erklärte, man habe bei der zuständigen regionalen Forstbehörde (GERFOR) Informationen zu Genehmigungen und zur Vorgeschichte der Flächen angefordert – mit dem Ziel, nachzuweisen, dass Holzpotenziale teils bereits vor Ankunft der Mennoniten ausgeschöpft worden seien.
Positiv zu bewerten ist dabei: Die Delegation setzt ausdrücklich auf staatliche Stellen, Akteneinsicht und eine Vor-Ort-Prüfung – also auf transparente und rechtsstaatliche Klärung statt auf öffentliche Eskalation.
Angekündigt: Besuch einer Sonderkommission
Nach Angaben des Rechtsvertreters habe ein Verantwortlicher der regionalen Forstverwaltung zugesagt, die Kolonien in Tierra Blanca mit einer Sonderkommission zu besuchen, um die Aussagen zu prüfen und – falls erforderlich – Hinweise zu geben, wie die Situation geordnet bearbeitet werden kann. Für die Kolonien ist das ein wichtiges Signal: Klärung vor Ort, anhand von Fakten.
Zusatzkasten Kurz erklärt: Abkürzungen und Zuständigkeiten
GOREL: Regionalregierung der Region Loreto (zuständig für regionale Verwaltung und Koordination)
GERFOR: regionale Forst- und Wildtierverwaltung (zuständig für forstliche Fragen und Verfahren in der Region)
FEMA: spezialisierte Umweltstaatsanwaltschaft (ermittelt bei mutmaßlichen Umwelt- und Forstdelikten)
Hintergrund: Warum das Thema rechtlich so komplex ist
Peru hat für die Forst- und Waldverwaltung detaillierte Regelwerke. Ein zentrales Regelwerk ist das „Reglamento para la Gestión Forestal“ (DS 018-2015-MINAGRI) mit umfangreichen Vorgaben, Zuständigkeiten und Sanktionsregelungen. Gerade in entlegenen Regionen ist die korrekte Einordnung von Flächen, Nutzungsrechten und Genehmigungen oft anspruchsvoll – umso wichtiger ist eine saubere behördliche Prüfung und eine klare Kommunikation zwischen allen Beteiligten

Quellen:
Diario La Región: „Colonia de menonitas en Sarayacu piden ayuda al GOREL ante denuncias de deforestación…“ (07.03.2022).
Diario La Región: „Comunidad de menonitas niega su participación en deforestación masiva en Sarayacu“ (16.02.2022).
MIDAGRI: Decreto Supremo N.° 018-2015-MINAGRI – Reglamento para la Gestión Forestal (PDF, amtlicher Text).
El Peruano: Veröffentlichung/Normenblatt zu DS 018-2015-MINAGRI (30.09.2015).
SINIA: Normen-Eintrag/Zusammenfassung zu DS 018-2015-MINAGRI.
Gobierno Regional de Loreto (GOREL): Offizielles Portal.
GERFOR Loreto: Offizielle Website (Gerencia Regional de Desarrollo Forestal y de Fauna Silvestre).
GERFOR Loreto: Selbstdarstellung/„Nosotros“ (Aufgaben, Rolle als regionale Forstbehörde).
Fiscalías Especializadas en Materia Ambiental (FEMA): „Portal interactivo“ (staatliche Info-Seite auf gob.pe).
Ministerio Público del Perú: Dokument/Publikation zu den spezialisierten Umweltstaatsanwaltschaften (FEMA).




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