Cuatro Cañadas feiert 24 Jahre: Warum die Mennoniten die „Soja-Hauptstadt“ mitprägen
- Redaktion

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Santa Cruz (Bolivien). Mit einem bürgerlichen Festakt („acto cívico“) und einer feierlichen Ehrenratssitzung („sesión de honor“) hat Cuatro Cañadas den 24. Jahrestag seiner kommunalen Gründung begangen. Im Mittelpunkt standen Rückblicke auf den rasanten Aufstieg der jungen Agrargemeinde – und ein Faktor, der in der Region längst zum Markenzeichen geworden ist: die mennonitischen Kolonien, die in und um Cuatro Cañadas zu den sichtbarsten Trägern der landwirtschaftlichen Dynamik zählen.
Festakt mit Ehrungen – und ein Blick auf „24 Jahre Institution“
Bei der Jubiläumsfeier wurden laut Bericht Persönlichkeiten ausgezeichnet, die „wesentlich“ zum Fortschritt des Ortes beigetragen haben. Angeführt wurde die Delegation von Bürgermeister Hugo Gutiérrez. Die Ehrenratssitzung leitete Ratspräsidentin Constancia Vargas; einen offiziellen Gruß übernahm Vizepräsident Gustavo Mérida Cáceres.
Entstanden durch Gesetz – und schnell gewachsen
Cuatro Cañadas wurde per Gesetz Nr. 2322 am 28. Januar 2002 geschaffen – in der Regierungszeit von Jorge Quiroga Ramírez – als Abspaltung von San Julián. Die erste Bürgermeisterwahl fand 2004 statt. Heute nennt der Bericht eine Bevölkerung von rund 25.258 Einwohnern sowie 36 Gemeinden, drei ayoreische indigene Gemeinschaften und 57 agrarische bzw. viehwirtschaftliche Betriebe im Gemeindegebiet.
Mennoniten als prägender Bestandteil der Gemeinde
Bemerkenswert ist: Schon im Gründungstext wird „Valle Esperanza (Colonia Menonita)“ ausdrücklich als Teil des Kantons aufgeführt – die mennonitische Präsenz ist also nicht „neu“, sondern von Beginn an Teil der offiziellen kommunalen Landkarte.

Aktuell sind laut El Deber fünf mennonitische Kolonien in Cuatro Cañadas etabliert, „anerkannt für ihr hohes produktives Entwicklungsniveau“ in der Landwirtschaft. Eine detaillierte Studie zu mennonitischen Kolonien in Bolivien macht zudem deutlich, wie groß einzelne Siedlungen im Gemeindegebiet tatsächlich sind: Für die Kolonien Campo Chihuahua und Valle Esperanza werden zusammen rund 34.445 Hektar, 2.876 Einwohner und 530 Familien ausgewiesen; Valle Esperanza wird dabei als Kolonie mit Gründung 1975/76 (Herkunftsbezug: Mexiko) geführt.

„Hauptstadt der Soja“ – eine Wirtschaftsbezeichnung mit Substanz
Cuatro Cañadas gilt als „capital soyera“ (Soja-Hauptstadt) – begründet durch hohe Ernten von Soja, Mais, Sorghum und weiteren Kulturen. Wie stark die Landwirtschaft die Region insgesamt prägt, zeigen auch offizielle Zahlen des Instituto Nacional de Estadística (INE): Demnach dominierte (laut Agrarzensus 2013) Soja als wichtigster Sommerkulturzweig, und die Produktion ist in hohem Maße mechanisiert (u. a. zahlreiche Traktoren, Sämaschinen und Erntemaschinen).

In genau diesem agrarischen Umfeld sind die mennonitischen Kolonien – neben anderen Produzenten – ein zentraler Baustein: als großflächig organisierte Siedlungen, die mit Familienbetrieben, Technik und Arbeitsorganisation sichtbar zur landwirtschaftlichen Schlagkraft des Munizips beitragen.
Zwischen Anerkennung und Debatte
Die genannte Studie verweist zugleich darauf, dass die Rolle der Kolonien in Bolivien immer wieder öffentlich diskutiert wird – etwa im Spannungsfeld von landwirtschaftlicher Expansion, Landfragen und Umweltdebatten.
Quellen:
El Deber (29.01.2026).
Gesetz Nr. 2322 (28.01.2002).
Instituto Nacional de Estadística (INE) (01.08.2017; Daten u. a. Agrarzensus 2013).
„Las colonias menonitas en Bolivia“ (OBCH/FCBC).




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