Hospital Mennonita Km 81 feiert 75 Jahre Bestehen
- Redaktion

- 18. Mai
- 4 Min. Lesezeit

75. Jubiläumsfeier!
Nach 75 Jahren Dienst des Hospital Mennonita Km 81 haben die 32 Trägergemeinden und rund 700 anwesende Personen auf der Jubiläumsfeier innegehalten, um zurückzublicken und zu danken: auf ein Werk, das Gott begonnen und treu erhalten hat.

Die Trägergemeinden haben erneut ihre Zusage für diesen Dienst bestätigt und sind bestrebt, neue Generationen in das Werk miteinzubeziehen. Viele sichtbare Umstände an diesem Ort ändern sich, es kommen neue Herausforderungen und es bestehen neue Möglichkeiten.
Gottes Auftrag, aus Liebe zu dienen, soll unverändert bleiben: „Denn die Liebe Christi drängt uns.” 2. Korinther 5: 14a
Die Jubiläumsfeier fand am Freitag, den 8. Mai, in der Mehrzweckhalle von Km 81 statt. Am Vormittag wurde ein Programm in spanischer Sprache gestaltet, zu dem auch einige Autoritäten der nationalen Regierung und des Gesundheitsministeriums zugegen waren.
Das Wetter am Jubiläumstag war kühl mit etwas Sonnenschein. Wunderschön! Gott die Ehre. Nach dem gemeinsamen Mittagessen konnten sich viele Freunde und Bekannte wiedersehen und durften den wunderschönen Hof genießen. Am Nachmittag fand ein Gottesdienst in deutscher Sprache statt. Nach den Liedern, einer Ansprache, Berichten und Zeugnissen von verschiedenen Beteiligten dieses Werkes schloss ein reich gesegneter Tag mit einem gemeinsamen Stehkaffee.
Die Anfänge der Leprastation
Das MCC „Mennonite Central Committee“ Nordamerikas war den mennonitischen Siedlern und Flüchtlingen behilflich, in Paraguay ihre neue Heimat zu finden. Die Mennos, Fernheimer, Friesländer, Neuländer und Volendamer hatten damals ihr Zuhause in diesem neuen Land gefunden. Der paraguayische Staat gewährte ihnen verschiedene Privilegien, die dem allgemeinen paraguayischen Volk nicht zustanden. Das MCC war überzeugt, dass diese neuen Ansiedler dank dieser Großzügigkeit Paraguays und aufgrund ihres christlichen Glaubens etwas Außergewöhnliches für das Land tun sollten. Dies würde auch dazu beitragen, langfristig und in Frieden mit dem Volk zusammenzuleben.
Anfangs der 1940er Jahre, während viele Mennoniten im Chaco ums Überleben kämpften, war das MCC schon auf der Suche nach diesem „Dankeschön - Projekt“. Es war ihr Bestreben, dass die Mennoniten dieses als ihren Auftrag von Gott annehmen und ausführen würden. Für die Mennoniten war es herausfordernd, einerseits ums Überleben zu kämpfen und andererseits einen Dienst aufzunehmen, bei dem sie noch Bedürftigeren als sie es waren, in ihrer Not halfen.

Eine große Not die man damals in Paraguay erkannte, war die Situation der Leprakranken. Als eine Gruppe auserwählter Leute, darunter auch Vertreter der Mennonitenkolonien, die Lepraanstalt Santa Isabel in Sapucai (nicht weit von Km 81 entfernt) besuchte, fand sie ein Elend, das sie bisher noch nicht gesehen hatte. Hier wurden leprakranke Menschen, voller Wunden, Schmerz und Angst, mit polizeilicher Gewalt hingebracht. Dieser Ort galt ab dann für ihre Lebenszeit und ohne jegliche Familienangehörige als ihr Lebensraum. Nach ihrem Tod wurden sie oft von den anderen Kranken zum Friedhof der Leprastation gebracht, manchmal wegen mangelnder menschlicher Kraft mit Pferden geschleppt und begraben. Nachdem die Vertreter den Besuch dort abgestattet hatten, hieß es: Sie waren überzeugt, dass die Lepraarbeit der Auftrag Gottes an die Mennoniten in Paraguay sei.
Der Dienst des Hospital Mennonita Km 81 begann im Jahr 1951 auf einem Landstück von 1.200 ha. an der Ruta PY02, 81 Km von der Hauptstadt Asunción entfernt (heute sind es 892 ha. und es liegt 84,5 Km von Asunción entfernt). Ab dann verpflichteten sich die Gemeinden, freiwillige Kollekten zu heben und auch freiwillige Arbeiter für dieses Werk zu stellen.
Obwohl ursprünglich eine Leprakolonie mit dauerhafter Unterkunft geplant war, wurde eine ambulante Behandlung eingeführt, ergänzt durch eine Internationsstation. Soweit uns bekannt ist, war dies weltweit das erste Mal, dass Lepra ambulant behandelt wurde.

Medizinische Dienstleistungen wie Chirurgie, Labor, Apotheke, Radiologie und Ultraschall, Physiotherapie, Beschäftigungstherapie, orthopädische Schusterei, Prothesen und Podologie wurden schrittweise ausgebaut.
Neben der Behandlung von Lepra, die heute heilbar ist, umfasst das Krankenhaus auch die Behandlung von Tuberkulose und anderen Krankheiten, die häufig mit sozialer Ausgrenzung und Armut zusammenhängen, sowie die Schulung von Gesundheitspersonal, um die Früherkennung zu verbessern und Stigmatisierung zu reduzieren.
Im Laufe der Geschichte wurde die medizinische Versorgung immer von geistlicher Unterstützung begleitet, getragen von Gemeinden durch Gebet, freiwilligen Mitarbeitern und Spenden, sodass vielen Patienten jahrzehntelang kostenlose Dienste zur Verfügung gestellt werden konnten.
Einige Zahlen
In diesen 75 Jahren
…haben hier gedient:
- Über 2.100 CD-Freiwillige
- Über 650 Mitarbeiter
…wurden hier betreut:
- Über 10.000 Leprapatienten
- Über 247.000 Patienten in der Allgemeinklinik
Im Jahr 2025
…wurden hier:
- 50 neue Fälle von Leprapatienten entdeckt
- 9.068 verschiedene Patienten in der Allgemeinklinik behandelt
- Mehr als 1.100 Studenten und Gesundheitsfunktionäre geschult
- 69 Mitarbeiter und 30 Freiwillige, die Teil des Mitarbeiterstabs waren, für den Dienst eingesetzt
Wie geht’s weiter?
Der Gedenkstein und das Rad im Garten symbolisieren den Zeitenwandel mit einem unveränderlichen Kern: neue Zeiten, Möglichkeiten und Herausforderungen, neue Aufgaben, aber mit demselben Gott, der uns die Aufgabe gibt, Menschen mit Würde zu behandeln.
Viele Nöte werden uns auch in Zukunft beschäftigen: Drogenmissbrauch, digitale Süchte, Familien- und Nachbarschaftskonflikte, Armut und Ungerechtigkeit, mangelnde Bildung, Gesundheitsprobleme, Ablehnung von Opfern stigmatisierender Krankheiten usw.
Km 81 ist ein Ort, an dem viele gelernt haben, dass Nächstenliebe Hände und Füße braucht. Wenn der Dienst durch Km 81 ein Ausdruck dieser Liebe Christi ist, dann bedeutet das zu gleicher Zeit auch: Diese Liebe will weitergetragen werden. Sie braucht Menschen, die sie im Herzen bewegen, Gemeinden, die sie im Gebet tragen, und Geschwister, die bereit sind, mit ihren Gaben, ihrer Zeit und ihren Mitteln einzustehen.

Die Unterstützung dieses Werkes ist daher nicht in erster Linie nur eine organisatorische Aufgabe, sondern auch eine geistliche. Es geht nicht nur darum, ein bestehendes Werk zu erhalten, sondern darum, dass das, was Gott begonnen hat, auch weiterhin durch uns sichtbar bleibt. Werden wir auch in Zukunft hinter diesem Dienst stehen - im Vertrauen darauf, dass Gott weiterhin wirken will? Werden wir bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, damit auch kommende Generationen erleben können, was wir erlebt haben? Möge Gott uns dabei helfen, nicht müde zu werden, sondern mit derselben Hingabe weiterzugehen - damit die Liebe, von der Jesus spricht, auch heute und morgen in uns und durch uns sichtbar bleibt. Wir tragen dieses Werk nicht allein - sondern Gott hat uns dazu berufen, und er möchte, dass wir es treu weitertragen zum Segen für viele.
Die Verwaltung vom Hospital Mennonita Km 81



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