Licht für die Augen: Fundación Visión baut in Bolivien neue Augenklinik
- Redaktion

- vor 6 Tagen
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In Bolivien ist augenärztliche Versorgung für viele Menschen noch immer schwer erreichbar – vor allem außerhalb der großen Städte. Fundación Visión (Paraguay) will diese Lücke schließen: mit mobiler Patientenbetreuung, einer bestehenden Klinikstruktur in Santa Cruz und – als nächstem großen Schritt – dem Aufbau einer eigenen Augenklinik im Raum Santa Cruz.

Startschuss 2018 – und ein klarer Plan: Klinik und Ausbildung
Nach Angaben von Vertretern des Projektes begann Fundación Visión 2018 mit der Planung und Registrierung einer neuen Augenklinik in Bolivien. Dies führte zum Kauf eines Grundstücks und zum parallelen Start der Ausbildung von Augenärzten – unter anderem gemeinsam mit dem mennonitischen Arzt Dr. Rainald Dürksen. Wie in Paraguay soll auch in Bolivien die Finanzierung der Arbeit über Spenden getragen werden.

Stimme aus dem Projekt: „Wir bieten Qualität – für Menschen, die es nicht bezahlen können“
Diese Ausrichtung bestätigt Helmine Klassen de Funk, seit über 20 Jahren Mitarbeiterin bei Fundación Visión, die das Fundraising-Department mit aufgebaut hat. Der Grund sei simpel: „Wir bieten einfach gute Qualität für Menschen an, die das nicht selbst bezahlen können.“ Um diese Arbeit zu finanzieren, habe sich über die Jahre ein großer Kreis regelmäßiger Spender entwickelt, der die Arbeit jährlich mitträgt. Gleichzeitig versuche die Stiftung, zusätzlich mit staatlichen Stellen und Institutionen zusammenzuarbeiten, damit auch dort Unterstützung möglich wird.

Warum Ausbildung der Schlüssel ist
Ein Kernproblem in Bolivien ist nach Darstellung aus dem Projektteam die fehlende operative Fachausbildung in der Augenheilkunde: Bolivianische Ärzte könnten zwar klinisch arbeiten, müssten für eine operative Qualifizierung jedoch oft ins Ausland, weil entsprechende Ausbildungswege im Land nur unzureichend verfügbar seien.

Fundación Visión setzt hier an: In Paraguay existiert ein Ausbildungssystem, zu dem auch Ärztinnen und Ärzte aus Bolivien kommen. Nach Angaben von Helmine Klassen de Funk wurden bereits zehn Ärzte aus Bolivien in Paraguay ausgebildet – „das ist jedoch nur ein kleiner Teil“ dessen, was gebraucht werde. Langfristig sei das Ziel, Ausbildungsmöglichkeiten direkt in Bolivien aufzubauen.

Bolivien: Beginn vor sieben Jahren – Dr. Dürksen vier Jahre vor Ort
Nach den Schilderungen aus dem persönlichen Gespräch wurde in Bolivien bereits vor etwa sieben Jahren mit der Arbeit in der Augenheilkunde begonnen. Dr. Dürksen, der das Projekt in Paraguay mit angeschoben habe, sei dafür vier Jahre in Bolivien gewesen und habe dort gemeinsam mit Ärzten gearbeitet.

Pailón: 25 Hektar – gemeinsames Grundstück mit weiteren Hilfswerken
Für den Klinikbau wurde in Pailón (Region Santa Cruz) vor einigen Jahren ein Grundstück erworben – nach Angaben der Mitarbeiterin umfasst es 25 Hektar. Auf dem Areal seien mehrere Initiativen nebeneinander aktiv, unter anderem auch ein Leprakrankenhaus. Für das Augenklinikprojekt seien bereits konkrete Bauvorleistungen erfolgt: Ein erstes Dachtragwerk (Tinglado) stehe, und mit Fundamentarbeiten sei begonnen worden.

Auch die Basisversorgung ist nach Angaben der Projektverantwortlichen vorbereitet: Es gebe bereits einen Brunnen und eine funktionierende Wasserversorgung. Der nächste große Schritt sei nun, den Bereich mit Sprechzimmern sowie die Diagnostikräume („Studien“/Untersuchungen am Auge) zu bauen, damit die Patienten vor Ort systematisch untersucht und behandelt werden können.

Santa Cruz: Klinik gesichert – 150.000 US-Dollar geliehen
Parallel zum Aufbau in Pailón läuft in Santa Cruz der klinische Betrieb weiter. Dort gab es nach Aussage aus dem Projektteam eine gemietete Klinik, deren Eigentümer verkaufen wollte. Um den Standort nicht zu verlieren, habe die Stiftung 150.000 US-Dollar geliehen, um die Räumlichkeiten zu kaufen. Vor Ort arbeite ein kleines Team. Nach Angaben der Projektverantwortlichen sind zwei Ärzte angestellt, die durch Personal und die Stiftung unterstützt werden.

Gewinnung von Förderern in Mexiko seit November 2025
Weil der Bau in Pailón nur mit verlässlicher Finanzierung abgeschlossen werden kann, begann Fundación Visión nach eigenen Angaben im November 2025 Gespräche bei den Mennoniten in Mexiko – u. a. in Chihuahua / Cuauhtémoc / El Valle sowie über Kontakte in weiteren Ortschaften. Ziel: Kolonien und Privatunternehmer als finanzielle Träger und Partner zu gewinnen, die beim Klinikbau mittragen. Die Gespräche seien persönlich geführt worden; die Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen. Sobald eine Partnerschaft konkret zustande kommt, sollen lokal und international legale Überweisungswege geschaffen werden, um Spenden aus Mexiko nach Bolivien zu transferieren.
Baugenehmigung steht – Fortschritt braucht neuen Rückenwind
Nach den Angaben aus dem Projektteam ist man inzwischen an einem Punkt, an dem auch staatliche Schritte vorankommen: Das Ministerium gebe die Autorisierung für das Vorhaben. Gebaut werden solle in Etappen: Die erste Phase – Dach, Grundstruktur und Wasserversorgung – sei bereits erreicht. Nun müsse die nächste Bauphase finanziert werden, sonst stocke der Fortschritt: „Unser Geld ist fast aufgebraucht“, heißt es sinngemäß aus dem Gespräch.

Erfahrung aus Paraguay: Mehrere Kliniken gebaut – die nächste soll 2026 starten
Fundación Visión verweist dabei auf praktische Erfahrung: In Paraguay habe man bereits drei Kliniken gebaut und sei dabei, die vierte zu errichten, die Mitte 2026 in Betrieb gehen soll. Die Stiftung siedelt ihre Projekte nach eigener Strategie gern dort an, „wo auch Mennoniten-Kolonien sind“, weil man wisse, dass dort oft eine höhere Bereitschaft zur Unterstützung bestehe. Der Standort in Pailón sei daher strategisch günstig gewählt, da es im Umfeld viele mennonitische Kolonien gibt. So sei man „zuversichtlich“, dass das Projekt in Bolivien gelingen wird.

Blick nach vorn: Eine Klinik, die Sprechstunden, Diagnostik und später auch OPs ermöglicht
Der Anspruch ist klar: Wenn die Finanzierung steht, soll in Pailón eine Augenklinik entstehen, die Menschen in der Region regelmäßig Sprechstunden, Diagnostik und perspektivisch auch operative Versorgung ermöglicht – ohne dass Betroffene weite Wege oder unerschwingliche Kosten in Kauf nehmen müssen. Für viele Familien wäre das mehr als Medizin: Es wäre der Unterschied zwischen dauerhafter Einschränkung und einem selbstbestimmteren Alltag.

Damit die nächste Bauetappe, der Bau von Untersuchungsräume und Diagnostik, beginnen kann, ist das Projekt weiterhin auf verlässliche Unterstützung angewiesen. Wer die Arbeit begleiten möchte, findet offizielle Möglichkeiten zur finanziellen Förderung sowohl in Bolivien als auch in Deutschland sowie über die Projektseite.
Spendenmöglichkeiten (offizielle Angaben des Projektes):
Bolivien: FUNDACION TESAI, Kto. 1091450919, Banco Economico, Bolivien
Deutschland: Fundación Vision, Sparkasse Hohenlohekreis,
IBAN: DE09 6225 1550 0220 0518 46, BIC: SOLADES1KUN
Online: über www.fvglobal.org (Menüpunkt „DONAR“)
Weitere Informationen oder Kontaktaufnahme:





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