„Composta sólida“: Natürlicher Festdünger aus mennonitischer Hand
- Redaktion

- vor 4 Tagen
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Mexiko. Wer an den Rändern mennonitischer Kolonien über die Felder fährt, sieht manchmal lange, dunkle Mieten: aufgeschichtetes organisches Material, das nicht entsorgt, sondern zu natürlichem Dünger umgewandelt wird. Die Mennoniten nennen ihr Produkt schlicht „composta sólida“ – fester Kompost. Und sie setzen auf ein Verfahren, das Geduld verlangt: rund drei Monate arbeitet der Haufen, bis aus Mist und Pflanzenresten ein krümeliger, erdiger Festdünger geworden ist.
Dass mennonitische Gemeinden in Mexiko gezielt an Alternativen zu chemieintensiven Paketen arbeiten und dafür auch eigene Technik einsetzen, wurde in einem offiziellen Kommuniqué des Instituto Nacional de Ecología y Cambio Climático ausdrücklich beschrieben.
Rohstoffe: Was die Höfe liefern, wird zum Dünger
Die Grundlage der „composta sólida“ ist kein Geheimrezept, sondern ein Hofkreislauf. Verwendet werden vor allem Materialien, die in landwirtschaftlichen Betrieben ohnehin anfallen:
Stallmist (z. B. Rinder-, Schaf- oder Ziegenmist) als nährstoffreicher Motor der Rotte, optional aber ausdrücklich empfohlen.
Trockene, strukturreiche Bestandteile (Stroh, Häcksel, Erntereste) und feuchte, stickstoffreichere Bestandteile – die Mischung aus „trocken“ und „feucht“ sorgt für ein gutes Verhältnis von Luft und Feuchtigkeit in der Miete.
Erde als „Impfschutz“ aus Mikroorganismen und als Strukturgeber (Schicht für Schicht).
Asche (in dünnen Lagen „bestäuben“) – je nach Betrieb als traditioneller Zusatz.

In der Region Hopelchén wird in Planungs-/Fachunterlagen zur Landwirtschaft zudem ausdrücklich genannt, dass in der Düngung organisches Material wie „gallinaza“ (Geflügelmist), „estiércol“ (Mist) und „composta“ eingebunden werden soll – also genau jene Stoffströme, die für die Festkompostierung typisch sind.
Der 3-Monats-Prozess: So entsteht „composta sólida“ ohne Schnellverfahren
Die mennonitischen Hersteller beschreiben den Prozess als klassische Mietenkompostierung: kein „Turbo-Kompost“, sondern kontrollierte, luftreiche Zersetzung mit wiederholtem Umsetzen.
Ein Leitfaden des Instituto Mexicano de Tecnología del Agua skizziert den Ablauf sehr praxisnah:
Standort & Aufbau
Ein schattiger, windgeschützter Platz mit Wasserzugang ist ideal. Der Haufen wird trapezförmig aufgebaut (Breite/ Höhe in etwa wie in der Anleitung beschrieben) und beginnt mit einer groben, trockenen Basis, die Luft in die Miete bringt. Danach folgen wechselnde Schichten aus trockenen und feuchten Materialien, Mist, Erde – zwischendurch etwas Asche – und jede Lage wird angefeuchtet, ohne zu „ersäufen“. Zum Schluss wird abgedeckt (z. B. mit Stroh/Erde; in Regenzeiten zusätzlich geschützt).

Wärmephase: die Miete arbeitet
In der ersten Zeit steigt die Temperatur an – das ist gewollt. Der Leitfaden empfiehlt, die Temperatur im Blick zu behalten (idealerweise nicht über ca. 65 °C). Nach ungefähr einem Monat ist der Temperaturgipfel meist vorbei – dann steht der erste große „Arbeitsgang“ an.
Umsetzen/„Volteo“: Sauerstoff rein, Gleichmäßigkeit herstellen
Nach dem ersten Monat wird umgesetzt: Verdichtetes Material wird gelockert, außen und innen werden getauscht, bei Bedarf nachbefeuchtet. Nach dem zweiten Monat folgt das zweite Umsetzen; nach drei Monaten das dritte. Ergebnis: „composta joven“ – junger Kompost nach drei Monaten.
Das regelmäßige Umsetzen ist sehr wichtig: Die Häufigkeit richtet sich nach dem Vorschritt der Kompostierung, dabei stets die Feuchte prüfen und bei Trockenheit wässern. In Woche 12 soll die Temperatur kontrolliert werden; ist sie noch nicht auf Umgebungstemperatur, wird die Reife um etwa zwei Wochen verlängert.
Wann ist die „composta sólida“ fertig?
Die Hersteller orientieren sich an sehr bodenständigen Kriterien: dunkle Farbe, krümelige/„erdige“ Struktur, angenehmer Geruch nach Waldboden – keine fauligen Noten. Genau diese Reifezeichen nennt auch der Sonora-Leitfaden.
Damit ist auch erklärt, warum die Hersteller von „drei Monaten“ sprechen: In dieser Zeit entsteht ein junger, gut einsetzbarer Festdünger – viele lassen ihn je nach Einsatzgebiet zusätzlich nachreifen, wenn sie maximale Stabilität wollen.
Wofür wird der Festdünger genutzt?
Die „composta sólida“ ist für mennonitische Betriebe vor allem eines: Bodenfutter. In der Praxis wird sie typischerweise:
vor der Saat auf Ackerflächen ausgebracht und flach eingearbeitet,
in Reihen-/Pflanzstreifen konzentrierter platziert (wo die Wurzeln schnell profitieren),
in Gärten/Obstanlagen als organische Nährstoff- und Humusgabe genutzt.
Für die Region Hopelchén wird in Fachunterlagen ausdrücklich die Einbindung von Mist und Kompost als Teil einer Landwirtschaft mit „niedrigen externen Inputs“ (weniger Zukaufmittel) empfohlen – also genau die Logik, die hinter der mennonitischen Festkompost-Praxis steht.
Wie viel? Das hängt stark von Boden, Kultur und Kompostqualität ab. Ein Beispiel aus einem FAO-Handbuch zeigt die Größenordnung: In einem Rechenbeispiel werden 9 t/ha Kompost angesetzt, um im Weizenanbau den Phosphorbedarf zu decken (bei angenommener mittlerer Nährstoffzusammensetzung). Für mexikanische Bedingungen gilt (und das ist auch in der mexikanischen Kompost-Norm betont): Bodenanalyse zuerst, dann Dosis und Ausbringtechnik festlegen.
Warum gerade Mennoniten auf „composta sólida“ setzen
Viele mennonitische Betriebe liegen in den trockenen bis wüstenhaften Regionen von Mexiko – besonders in den nördlichen Trockengebieten (z. B. am Rand der Chihuahuan-Wüste). Dort ist der organische Anteil im Boden oft sehr gering: Die Böden sind mineralisch geprägt, Humus baut sich wegen Trockenheit und Hitze nur langsam auf, und Wind kann feine Bodenpartikel leicht verwehen. Genau hier wird „composta sólida“ für viele Höfe zu einer strategischen Maßnahme: Der Festdünger erhöht Schritt für Schritt den Humus- und Organikanteil, verbessert die Bodenstruktur und macht den Boden „lebendiger“.
Der zweite Effekt ist in einer trockenen Gegend fast noch wichtiger: Mit mehr organischer Substanz steigt auch die Wasserhaltekapazität. Der Boden kann Niederschläge und Bewässerungswasser besser aufnehmen, speichern und den Pflanzen über längere Zeit verfügbar machen. So hilft die Einbringung der „composta sólida“ nicht nur bei der Nährstoffversorgung, sondern wird zu einer praktischen Antwort auf Trockenstress – aus mennonitischer Hand, mit Materialien aus dem eigenen Hofkreislauf, direkt zurück auf die Felder.
Zum Schluss zeigt die „composta sólida“ auch etwas Grundsätzliches: Viele mennonitische Betriebe setzen bewusst auf nachhaltige Landwirtschaft. Statt sich ausschließlich auf zugekaufte Betriebsmittel zu verlassen, stärken sie den Nährstoffkreislauf am eigenen Hof, bauen Bodenfruchtbarkeit langfristig auf und machen ihre Flächen widerstandsfähiger gegen Trockenheit. So wird aus einem scheinbar einfachen Festdünger ein Baustein einer Landwirtschaft, die nicht nur Ertrag im Blick hat, sondern auch die Bewahrung des Bodens für die nächste Generation.
Quellen:
Instituto Nacional de Ecología y Cambio Climático: “Presentan alternativas agroecológicas a Gobernadores Menonitas en Campeche” (Pressemitteilung, 01.04.2022; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zur Rolle mennonitischer Gemeinden bei Technik/Produktion organischer Inputs; erwähnt dort auch „bocachi“ als Beispiel für großskalige Kompostproduktion)
Universidad Nacional Autónoma de México: Pérez Palacios, Andrea: Uso y manejo de plaguicidas en cultivos de soya… en zonas agrícolas de la Península de Yucatán, México (Tesis, 2015; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zu organischer Düngung mit „composta“ und Mist als landwirtschaftliche Praxis im Kontext mennonitischer Agrarräume)
Instituto Mexicano de Tecnología del Agua: Manual agroecológico (Ecoagua / „Ecotecnias…“ – Abschnitt zur Kompostierung) (PDF; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zur 3-Monats-Marke: nach dem dritten Umsetzen entsteht „composta joven“/junger Kompost)
Regenwald schützen e.V.: Manual de prácticas agrícolas con enfoque AbE (PDF, 2023; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zu einem praxisnahen Ablauf: Umsetzen alle 15 Tage über 3 Monate; außerdem zu Rohstoffkomponenten wie Ernteresten, Mist, Küchenresten, Erde/„inokulieren“)
Food and Agriculture Organization of the United Nations: Bot, A.; Benites, J.: The importance of soil organic matter (FAO Soils Bulletin, 2005; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zur Wirkung von organischer Substanz auf Bodenstruktur und Wasserhaltevermögen – besonders relevant für trockene Standorte)
Natural Resources Conservation Service: AWC Effects on Soil Water Holding Capacity and Soil Water Retention Resulting from Soil Health Management Practices (Literature Review, PDF; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zum Zusammenhang: steigender organischer Kohlenstoff/Organik ↔ veränderte Wasserretention, v. a. in sandigen Böden)
U.S. National Park Service: Chihuahuan Desert Ecoregion (Webseite, 2022; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zur klimatischen Einordnung „heiß/trocken“ und Niederschlagsbandbreiten – hilfreich für den Kontext „Wüsten-/Trockengebiet“)
Encyclopaedia Britannica: Chihuahuan Desert (Eintrag; abgerufen am 31.01.2026).
(u. a. zur Charakterisierung als arides Gebiet und zur Einordnung des Raums in Nordmexiko)
CIMMYT: “Productores menonitas… apuestan por la agricultura sustentable” (20.06.2022; abgerufen am 31.01.2026).




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