Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde in Russland 1860 - 1945
- Redaktion

- 21. Aug. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 2. Mai

Vorwort des Verfassers
Seit dem Jahre 1911 finden wir in Bibliotheken und mennonitischen Familien das Buch „Die Alt-Evangelische Mennonitische Brüderschaft in Russland (1789–1910)“ von P. M. Friesen. Es ist dieses Werk mehr eine Sammlung von Geschichtsmaterial als eine systematisch und chronologisch geordnete Geschichte. Der geehrte Verfasser übergab dieses Material der Öffentlichkeit in der Hoffnung, dass sich später ein gelehrter Historiker finden werde, das vorbereitete Material zu einem Geschichtswerke zu verarbeiten. Bis heute hat sich der Historiker noch nicht gefunden, der die Zeit und das Geld hatte, diese große Arbeit zu tun.
Hatte die Mennoniten-Brüdergemeinde im Jahre 1886 bereits das Verlangen, ihre Geschichte der ersten 25 Jahre schreiben zu lassen, so ist es erklärlich, dass sie heute wünscht, die Geschichte ihrer Entwicklung zum 100 jährigen Jubiläum (6. Januar 1860) zu verfassen.
Im Laufe der Zeit sind kleinere Werke über die Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde entstanden, darunter sind besonders nennenswert: „Die Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde“ von Prediger J. F. Harms und „The Mennonite Brethren Church“ von Prediger J. H. Lohrenz. Wer diese beiden Geschichtsbücher liest, der erhält ein klares Bild von den stattgefundenen Ereignissen in der Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde. Durch diese Arbeiten und durch das Werk von P. M. Friesen hat die Nachwelt eigentlich genügend geschichtlich begründetes Material, um sich in der Geschichte der MBG zu orientieren. In der „Geschichte der Äußeren Mission“, geschrieben von Dr. G. W. Peters, finden wir ebenfalls einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde.
Leitende Brüder der Generalkonferenz regten den Gedanken an, eine Jubiläumsausgabe der Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde zu schreiben. Die Konferenz nahm den Gedanken auf und hielt nach einem Bruder Umschau, der die Arbeit tun könnte. Da unsere Brüder mit hoher wissenschaftlicher und theologischer Bildung sehr mit Lehren und Predigen vernommen sind, entschloss man sich, mich zu bitten, diese große Arbeit zu übernehmen. Die Gründe dazu liegen auf der Hand. Man wurde auf mich aufmerksam, da ich im Bibel-College zu Winnipeg, Manitoba, in den letzten acht Jahren mich besonders mit der Geschichte der Mennoniten-Brüdergemeinde beschäftigt hatte. Dazu bin ich einer der älteren Brüder, der in Russland mehr oder weniger die Entwicklung der Gemeinde miterlebt hat.
Im tiefen Bewusstsein meiner Schwäche und von dem Ernst und der Schwere der mir aufgetragenen Aufgabe überzeugt, habe ich mich ans Werk gesetzt, um, dem Auftrage gemäß, sie in kurzer Zeit zu beendigen.
Im Vergleich zu den bereits vorliegenden Geschichtsschreiben ist die Darstellung unserer Geschichte nach der Revolutions- und in der Flüchtlingszeit für die Öffentlichkeit neu. Ich habe versucht, alle nennenswerte Ereignisse dieser Zeit zu erfahren, sowohl durch die Zeitschrift „Unser Blatt“, als auch aus Erzählungen und Briefen der herübergekommenen Flüchtlinge. Bedeutende Dienste hat mir auch das Buch „Mennonitische Märtyrer“ von Prediger A. A. Töws geleistet.
Der aufmerksame Leser wird finden, dass ich recht viel Material kopiert habe, ohne es mit dem Ganzen zu verschmelzen. Da meine Augen in den letzten Jahren anfingen, bei der Studienarbeit zu versagen, war ich genötigt, auf diese Art der Arbeit zu verzichten. Dabei habe ich aber versucht, die Entwicklung der Mennoniten-Brüdergemeinde nach meiner Auffassung zu beleuchten.
Es war mein Verlangen, ein Buch zu schaffen, dass unseren Gemeinden helfen würde, ihre eigene Geschichte zu verstehen und liebzugewinnen. Ich möchte allen Lesern Psalm 78,2–11 zurufen: „Ich will meinen Mund auftun zu Sprüchen und alte Geschichten aussprechen, die wir gehört haben und wissen und unsere Väter uns erzählt haben, dass wir es nicht verhalten sollten ihren Kindern, die hernach kommen, und verkündigen den Ruhm des Herrn und Seine Macht und Wunder, die Er getan hat. Er richtete ein Zeugnis auf in Jakob, und gab ein Gesetz in Israel, das Er unseren Vätern gebot zu lehren ihre Kinder, auf dass die Nachkommen lernten und die Kinder die noch sollten geboren werden, wenn sie aufkämen, dass sie es auch ihren Kindern verkündigten, dass sie setzten auf Gott ihre Hoffnung, und nicht vergäßen der Taten Gottes und Seine Gebote hielten, und nicht würden wie ihre Väter, eine abtrünnige und ungehorsame Art, welchen ihr Herz nicht fest war, und ihr Geist nicht treulich hielt an Gott, wie die Kinder Ephraims, so geharnischt den Bogen führten, abfielen zur Zeit des Streites. Sie hielten den Bund Gottes nicht und wollten nicht in Seinem Gesetz wandeln und vergaßen Seine Taten und Seine Wunder, die Er ihnen erzeiget hatte.“
Besonders unterstreiche ich die Worte: „Er richtete ein Zeugnis in Jakob auf und gab ein Gesetz in Israel, das Er unseren Vätern gebot zu lehren ihre Kinder.“
Der Umfang des Buches hätte geringer werden können, wenn ich manche Dokumente und Berichte kurz mit einigen Worten wiedergegeben hätte. Nach meinem Dafürhalten wäre der Geist der Mennoniten-Brüdergemeinde dann aber nicht so klar hervorgetreten. Die Leser sollen nicht nur wissen, was wir erlebt, getan und gesagt haben, sondern sie sollen es auch im Herzen spüren, dass der Geist Jesu Christi die Gemeinden inspirierte, und dass die Liebe Christi uns dringet, unser Zeugnis in dieser Welt kundzutun.
Es ist zu verstehen, dass Prediger P. M. Friesen 25 Jahre brauchte und nicht 14 Tage, wie ein Bruder sich geäußert hatte, um die entsprechenden Dokumente und Briefe aufzufinden, sie zu ordnen und das notwendige Material herauszunehmen. Ich hatte das Material vor mir liegen. Es galt nur, die Linien der Entstehung und der Entwicklung der Mennoniten-Brüdergemeinde zu finden und klarzulegen. Wie weit dieses nun gelungen ist, werden die Leser feststellen.
Das Interesse für die Arbeit des Predigers Friesen wurde in mir wach, als ich 20 Jahre alt war. Ich war damals Lehrer in Menlertschik, Krim. Da gab mir der Prediger Jakob Kröker (damals wohnhaft in Spat, Krim, später in Wernigerode, Deutschland) Friesens Manuskript umzuschreiben. Bei diesem Schreiben wurde mir der Blick für unsere Gemeinde erleuchtet. Selbstverständlich ist seit jener Zeit mein persönliches Urteil mehr ausgereift. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mit eigenen Augen unsere Geschichte zu sehen, die Entwicklungslinien zu erforschen und zu ahnen, wo sie enden werden.
Ich möchte hier doch der Generalkonferenz der Mennoniten-Brüdergemeinde meinen Dank dafür aussprechen, dass sie mir die Möglichkeit gab, für diese Arbeit die Schwester Maria Foth, Lehrerin der russischen Sprache am M. B. Bibel-College, als Schreiberin zu rufen und mir in der Arbeit wesentliche Dienste zu leisten, für die ich von Herzen dankbar bin.
Es ist auch notwendig, dass ich hier meinen Dank den Lehrern am M. B. Bibel-College, Bruder H. H. Janzen und Bruder J. A. Töws, für ihre Mitarbeit an diesem Werke ausspreche, da sie es übernahmen, das ganze Material zu lesen und zu prüfen, womit sie mich von der alleinigen Verantwortung für den Inhalt des Buches lösen.
Der Abschluss der Arbeit geschah durch Lehrer und Prediger H. Regehr, der die Korrektur übernahm.
Der Herr Jesus, der Herr der Gemeinde, gebe dem Buche Gnade bei allen Kindern Gottes!
A. H. UnruhWinnipeg, den 9. Juni 1954
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