Die biblische Gemeinde – Die Botschaft des 1. Korintherbriefes
- Redaktion

- vor 17 Stunden
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Was kennzeichnet eine biblische Gemeinde?
Dr. Lothar Gassmann legt den ersten Korintherbrief Vers für Vers aus.

Korinth war zur Zeit des Apostels Paulus eine bedeutende Handelsstadt, ein Verkehrsknotenpunkt und zugleich ein Zentrum heidnischer Religion. In dieser von Wohlstand, religiöser Vielfalt und sittlicher Unordnung geprägten Umgebung entstand eine christliche Gemeinde. Doch die Einflüsse der Stadt machten vor der Gemeinde nicht halt. Spaltungen, Unzucht, Rechtsstreitigkeiten, Missbrauch geistlicher Gaben und Zweifel an der Auferstehung bedrohten ihr geistliches Leben.
Genau diese Situation bildet den Hintergrund des Buches „Die biblische Gemeinde – Die Botschaft des 1. Korintherbriefes“ von Lothar Gassmann. Auf mehr als 560 Seiten führt der Autor seine Leser Vers für Vers durch den ersten Korintherbrief. Dabei möchte er nicht nur erklären, was Paulus der damaligen Gemeinde schrieb. Er fragt zugleich, was dieser Brief heutigen Gemeinden zu sagen hat.
Korinth – Handelsmetropole und Zentrum des Heidentums
Gassmann beginnt seine Auslegung mit einer Einführung in die Geschichte der Stadt und der dortigen Gemeinde. Korinth lag an einer schmalen Landverbindung zwischen dem griechischen Festland und der Halbinsel Peloponnes. Seefahrer konnten hier den langen und gefährlichen Weg um die Halbinsel vermeiden. Schiffe oder ihre Ladungen wurden über eine befestigte Landverbindung auf die andere Seite gebracht.
Bereits unter Kaiser Nero wurde im ersten Jahrhundert nach Christus mit dem Bau eines Kanals begonnen. Vollendet wurde der Kanal von Korinth allerdings erst im 19. Jahrhundert. Die günstige Lage machte Korinth in der Antike zu einer bedeutenden Handels- und Durchgangsstadt. Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Religionen begegneten einander hier.
Doch Korinth war nicht nur für seinen Handel bekannt. Gassmann beschreibt die Stadt zugleich als ein Zentrum heidnischer Religion und sittlicher Ausschweifung. Besonders hebt er den Kult um die Liebesgöttin Aphrodite hervor. Nach seiner Darstellung waren Götzendienst und sexuelle Unmoral eng miteinander verbunden. Dieser Hintergrund erklärt, weshalb Paulus im ersten Korintherbrief so ausführlich über Unzucht, den menschlichen Körper, Ehe, Götzenopfer und die Absonderung von heidnischen Lebensformen schreibt.
Damit macht Gassmann deutlich: Die Gemeinde lebte nicht abgeschieden von ihrer Umwelt. Die Vorstellungen und Verhaltensweisen der Stadt drangen bis in die Gemeinde hinein.
Wie die Gemeinde in Korinth entstand
Um den Korintherbrief richtig einzuordnen, führt Gassmann seine Leser zunächst zur Apostelgeschichte zurück. Auf seiner zweiten Missionsreise wurde Paulus nach Europa geführt. Nach seinem Dienst in Philippi, Thessalonich, Beröa und Athen kam er schließlich nach Korinth.
Dort begegnete er dem jüdischen Ehepaar Aquila und Priscilla, das aufgrund einer Anordnung des Kaisers Klaudius Rom hatte verlassen müssen. Weil sie wie Paulus das Zeltmacherhandwerk ausübten, wohnte und arbeitete der Apostel bei ihnen. Zugleich verkündigte er an den Sabbaten in der Synagoge das Evangelium und bezeugte Juden und Griechen, dass Jesus der Christus ist.
Als Silas und Timotheus aus Mazedonien eintrafen, widmete sich Paulus noch stärker der Verkündigung. Nachdem ihm ein Teil der jüdischen Zuhörer widersprach, setzte er seine Arbeit im Haus des gottesfürchtigen Titus Justus fort, das unmittelbar neben der Synagoge lag.
Krispus, der Vorsteher der Synagoge, kam mit seinem ganzen Haus zum Glauben. Auch viele andere Korinther hörten das Evangelium, wurden gläubig und ließen sich taufen. In einer nächtlichen Erscheinung ermutigte der Herr den Apostel, weiterzureden und sich nicht zu fürchten. Paulus blieb daraufhin ein Jahr und sechs Monate in Korinth und lehrte dort das Wort Gottes.
Diese ausführliche Vorgeschichte zeigt, dass die Gemeinde nicht durch menschliche Planung oder günstige gesellschaftliche Bedingungen entstand. Sie wurde mitten in einer heidnisch geprägten Stadt durch die Verkündigung des Evangeliums gegründet.
Gallio, Sosthenes und Apollos
Gassmann weist auch auf Personen hin, die sowohl in der Apostelgeschichte als auch im Korintherbrief erwähnt werden. Als Gallio Statthalter von Achaia war, brachten Gegner Paulus vor seinen Richterstuhl. Gallio lehnte es jedoch ab, über innerjüdische Lehrfragen zu urteilen. Im Anschluss wurde Sosthenes, der Vorsteher der Synagoge, vor dem Richterstuhl geschlagen.
Am Anfang des ersten Korintherbriefes erscheint erneut ein Mann namens Sosthenes. Paulus nennt ihn dort als Bruder und Mitabsender des Briefes. Gassmann hält es für sehr wahrscheinlich, dass es sich um denselben Sosthenes handelt. Demnach wäre aus einem früheren Gegner oder Außenstehenden später ein Bruder im Glauben und Mitarbeiter des Apostels geworden. Da die Bibel diese Gleichsetzung nicht ausdrücklich bestätigt, bleibt sie eine begründete Vermutung des Autors.
Nach dem Weggang des Paulus kam außerdem Apollos nach Korinth. Er war ein redegewandter und schriftkundiger Verkündiger. Sein Dienst wurde für die Gemeinde bedeutsam. Später beriefen sich einzelne Gruppen auf Paulus, Apollos oder Petrus und machten aus den Dienern Gottes Anführer verschiedener Parteien. Vor diesem Hintergrund werden die Ermahnungen des Paulus gegen Personenkult und Gruppenbildung besonders verständlich.
Zwischen Verweltlichung und Gesetzlichkeit
Als Hauptthema des ersten Korintherbriefes bezeichnet Gassmann die Vermischung mit dem Heidentum und die daraus entstehende Verweltlichung der Gemeinde. Die Korinther hatten sich zwar zu Christus bekehrt, standen aber weiterhin in der Gefahr, Denkweisen und Lebensformen ihrer Umgebung zu übernehmen.
Gassmann stellt dieser Gefahr die Botschaft des Galaterbriefes gegenüber. Während die Korinther zur Verweltlichung und Anpassung an das Heidentum neigten, drohten die Galater in Gesetzlichkeit und ein Streben nach Selbsterlösung zurückzufallen.
Damit beschreibt der Autor zwei entgegengesetzte Gefahren für christliche Gemeinden:
Auf der einen Seite steht die Anpassung an die Welt, bei der Sünde verharmlost und biblische Ordnungen aufgegeben werden.
Auf der anderen Seite steht eine gesetzliche Frömmigkeit, bei der Menschen versuchen, sich durch eigene Leistungen vor Gott gerecht zu machen.
Eine biblische Gemeinde darf nach Gassmann weder in die eine noch in die andere Richtung abweichen. Sie lebt allein aus der Gnade Gottes, nimmt aber zugleich den Ruf zu Gehorsam, Reinheit und Heiligung ernst.
Jesus Christus als Grundlage der Gemeinde
Bereits am Anfang des Korintherbriefes weist Paulus auf die entscheidende Grundlage der Gemeinde hin: Jesus Christus und das Wort vom Kreuz. Nicht menschliche Weisheit, beeindruckende Persönlichkeiten oder außergewöhnliche Begabungen tragen die Gemeinde, sondern allein der Herr.
Von diesem Mittelpunkt aus behandelt Gassmann die zahlreichen Fragen des Briefes. Dazu gehören unter anderem:
Einheit und Spaltungen in der Gemeinde,
Kreuz und Auferstehung,
Taufe und Abendmahl,
Gemeindezucht und der Umgang mit Sünde,
Rechtsstreitigkeiten unter Christen,
Ehe, Ehescheidung und Ehelosigkeit,
christliche Freiheit und Rücksichtnahme,
Götzenopfer und die Absonderung vom Heidentum,
die Schöpfungsordnung von Mann und Frau,
die Kopfbedeckung der Frau,
Geistesgaben und Zungenreden,
die Ordnung im Gottesdienst,
die Liebe als Grundlage allen Dienens,
die leibliche Auferstehung der Toten.
Der Jeremia Verlag beschreibt das Buch deshalb als ausführliche Vers-für-Vers-Auslegung, in der die grundlegenden Wesenszüge der biblischen Gemeinde entfaltet werden.
Ein Brief mit bleibender Aktualität
Viele Schwierigkeiten der Gemeinde in Korinth begegnen uns in veränderter Form auch heute. Wo Menschen zusammenkommen, entstehen unterschiedliche Meinungen, persönliche Spannungen und die Gefahr von Gruppenbildung. Geistliche Gaben können zum Segen dienen, aber auch zum Anlass für Selbstdarstellung werden. Christliche Freiheit kann missverstanden und ohne Rücksicht auf das Gewissen anderer ausgeübt werden.
Paulus beantwortet solche Probleme nicht zuerst mit organisatorischen Methoden. Er führt die Gemeinde immer wieder zu Jesus Christus zurück. Das Kreuz nimmt dem Menschen den Stolz. Die Liebe bewahrt die Gaben vor Missbrauch. Die Hoffnung auf die Auferstehung gibt dem Glauben ein festes Ziel. Die Gemeinde gehört nicht einzelnen Menschen, sondern Gott.
Dadurch wird der erste Korintherbrief zu einem wichtigen Lehrbuch für jede Ortsgemeinde. Er zeigt, dass biblische Gemeinde nicht einfach dort entsteht, wo viele Menschen zusammenkommen. Sie wächst dort, wo Christus im Mittelpunkt steht, Sünde ernst genommen, Wahrheit in Liebe ausgesprochen und das Gemeindeleben nach Gottes Wort geordnet wird.
Aus konservativ-bibeltreuer Perspektive
Lothar Gassmann schreibt aus einer entschieden bibeltreuen Haltung. Er versteht die Heilige Schrift als verbindliche Autorität für Glauben, Lehre und Leben. Seine Auslegung möchte daher nicht lediglich verschiedene theologische Meinungen nebeneinanderstellen, sondern konkrete Orientierung geben.
Der Autor wurde 1958 in Pforzheim geboren und ist als Prediger, Bibellehrer, Evangelist, Gemeindegründer und Verfasser zahlreicher theologischer Bücher tätig. Auf seiner offiziellen Internetseite beschreibt er seinen Dienst als Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus.
Die klare Ausrichtung ist eine besondere Stärke des Buches. Umstrittene Themen werden nicht ausgeklammert. Gassmann stellt sich auch solchen Abschnitten, die heute häufig übergangen oder dem jeweiligen Zeitgeist angepasst werden. Wie bei jeder Auslegung bleibt der Leser aufgerufen, die Aussagen anhand der Heiligen Schrift zu prüfen.
Auch für mennonitische Gemeinden lesenswert
Für Gemeinden täuferisch-mennonitischer Prägung sind viele der behandelten Fragen besonders bedeutsam. Dazu gehören die Absonderung von weltlichen Einflüssen, die Einheit der Gemeinde, der Umgang mit offenbarer Sünde, die Verantwortung der Gemeindeglieder füreinander, das Abendmahl, die Kopfbedeckung, die Ordnung im Gottesdienst und die Unterordnung persönlicher Interessen unter das Wohl der Gemeinde.
Besonders wichtig ist das dreizehnte Kapitel des Korintherbriefes. Es erinnert daran, dass selbst große Erkenntnis, Opferbereitschaft und geistliche Begabung ohne Liebe wertlos bleiben. Biblische Gemeinde zeigt sich deshalb nicht nur in einer richtigen Lehre, sondern ebenso in Geduld, Demut, Wahrhaftigkeit und geschwisterlicher Liebe.
Auch Gassmanns Gegenüberstellung von Verweltlichung und Gesetzlichkeit ist für konservative Gemeinden bedenkenswert. Absonderung von der Welt darf nicht zu einem Vertrauen auf menschliche Regeln und eigene Leistungen werden. Umgekehrt darf die Rechtfertigung aus Gnade nicht als Erlaubnis zur Anpassung an die Welt missverstanden werden. Biblische Gemeinde verbindet Gnade und Gehorsam, Wahrheit und Liebe sowie persönliche Nachfolge und geschwisterliche Verantwortung.
Kein Buch für das schnelle Durchlesen
Mit seinem großen Umfang ist „Die biblische Gemeinde“ keine kurze Einführung. Das Werk eignet sich vielmehr als Begleiter für ein gründliches Studium des ersten Korintherbriefes. Es kann persönlich gelesen, in Bibelstunden verwendet oder zur Vorbereitung von Predigten und Gemeindestunden herangezogen werden.
Hilfreich ist es, den jeweiligen Bibelabschnitt zunächst selbst aufmerksam zu lesen und anschließend die Auslegung hinzuzunehmen. Auf diese Weise bleibt der biblische Text im Mittelpunkt.
Bibliografische Angaben
Autor: Dr. Lothar Gassmann
Titel: Die biblische Gemeinde
Untertitel: Die Botschaft des 1. Korintherbriefes
Verlag: Jeremia Verlag, Freudenstadt
Erscheinungsjahr: 2016
Ausführung: Hardcover
Umfang: 564 Seiten
Reihe: Der schmale Weg, Band 4
ISBN: 978-3-944834-23-8
Quellen:
Lothar Gassmann: Die biblische Gemeinde. Die Botschaft des 1. Korintherbriefes, Jeremia Verlag, Freudenstadt 2016, besonders die Einleitung auf den Seiten 5–7.
Jeremia Verlag: „Die biblische Gemeinde“ – Verlagsbeschreibung, Ausstattung, Umfang, ISBN und Buchreihe.
Lothar Gassmann: Buchreihen und Bibliografie – Erscheinungsjahr und bibliografische Einordnung.
Offizielle Internetseite von Lothar Gassmann – Angaben zum Autor und zu seinem Dienst.
Die Bibel: Apostelgeschichte 16,6–10; 18,1–28 sowie 1. Korinther 1–16.




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