Die Mennonitenkirche in Krefeld – eine verborgene Hofkirche des 17. Jahrhunderts
- Redaktion

- 17. Juli
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Die Mennonitenkirche an der Königstraße 132 gehört zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen der Krefelder Kirchengeschichte. Ihr Bau begann nach Angabe der Mennonitengemeinde Krefeld im Jahr 1693; die erste Nutzung ist für 1696 belegt. Auch das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen datiert den Bau in die Jahre 1693 bis 1696. Damit entstand die Kirche in einer Zeit, in der die Mennoniten in Krefeld zwar geduldet waren, ihre Religion aber noch nicht öffentlich sichtbar ausüben durften.

Die Kirche wurde im Zuge der ersten Krefelder Stadterweiterung errichtet, die ab 1691 begann. Dabei wurden unter anderem die Königstraße und die Lohstraße neu angelegt. Die Mennonitenkirche stand jedoch nicht frei sichtbar an der Straße, sondern wurde als sogenannte Hofkirche gebaut. Das bedeutete: Sie lag zurückgesetzt, war durch Bebauung und Mauern abgeschirmt und sollte von außen nicht wie eine öffentliche Kirche erscheinen.

In der frühen Neuzeit unterschied man streng zwischen öffentlicher und privater Religionsausübung. Öffentlich auftreten durfte in Krefeld vor allem die reformierte Konfession der oranischen Landesherren; andere Gruppen, darunter auch Mennoniten und Katholiken, mussten ihre Gottesdienste im zurückgenommenen Rahmen feiern.

Der ursprüngliche Zugang zur Kirche befand sich nicht an der Königstraße, sondern an der heutigen Mennoniten-Kirch-Straße. Dort steht das alte Portal, das nach Angabe der Gemeinde als ältestes erhaltenes Bauwerk der Krefelder Innenstadt gilt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beschreibt diese Toranlage als zweiflügeliges Portal aus der Zeit zwischen 1693 und 1696. Es war in eine hohe Backsteinmauer eingelassen und diente bis 1843 als Hauptzugang zur Kirche. Die schmuckvolle Gestaltung des Portals zeigt, dass die Gemeinde trotz äußerer Zurückhaltung ein würdiges Gotteshaus errichtete.
Ursprünglich war die Mennonitenkirche ein schlichter rechteckiger Bau. Wie der Innenraum im 17. und frühen 18. Jahrhundert genau aussah, ist nicht sicher bekannt. In der Kirchenbegehung wurde vermutet, dass die Kanzel ursprünglich an einer Längsseite gestanden haben könnte und dass Emporen an mehreren Seiten vorhanden waren. Diese Anordnung wäre bei niederländisch-mennonitischen Kirchen der frühen Neuzeit gut denkbar. Die enge Verbindung der Krefelder Mennoniten mit den Niederlanden spielte für die Gemeinde lange eine wichtige Rolle.

Ein größerer Umbau erfolgte 1843 durch den Stadtbaumeister Freyse. Dabei erhielt die Kirche an der Westseite einen Chorraum und an der Ostseite einen kleinen Vorraum. Seit diesem Umbau erfolgt der Zugang von der Königstraße aus. Der Innenraum wurde repräsentativer gestaltet: Zwei Reihen marmorierter Säulen gaben der Kirche eine fast dreischiffige Wirkung. Diese Veränderung zeigt, dass sich das Selbstverständnis der Krefelder Mennoniten im 19. Jahrhundert gewandelt hatte. Aus der einst verborgenen Minderheit war eine wirtschaftlich und gesellschaftlich bedeutende Gemeinde geworden.
Im Juni 1943 wurde die Mennonitenkirche bei der Bombardierung Krefelds schwer beschädigt. Auch die Gemeindehäuser und Nebengebäude wurden zerstört. Nach Angaben der Kirchenbegehung brannte das Dach ab; die Holzvertäfelung und Teile der Säulen wurden vernichtet. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg stellte man den Innenraum von 1843 nicht wieder her. Stattdessen erhielt die Kirche wieder eine schlichtere Gestalt. Seit Mai 1950 konnte die Gemeinde wieder Gottesdienste in ihrer Kirche feiern; das neue Gemeindehaus wurde 1958 nutzbar.

Um die Jahrtausendwende wurde die Kirche erneut grundlegend restauriert. Dabei wurde die liturgische Anordnung verändert: Die frühere starke Ausrichtung auf eine erhöhte Kanzel wurde gelockert, Kanzel beziehungsweise Lesepult und Abendmahlstisch rückten stärker zusammen. Auffällig ist heute die schlichte weiße Wand im Kirchenraum. In der Kirchenbegehung wurde erklärt, dass das Fehlen eines Kreuzes an dieser Stelle nicht als allgemeines mennonitisches Sondermerkmal verstanden werden müsse, sondern aus der Entwicklung dieses konkreten Kirchenraumes hervorgegangen sei. Die Schlichtheit des Raumes lenkt den Blick auf das Wesentliche: auf Gottes Wort, Gebet, Gemeindegesang und die Versammlung der Gemeinde.
Die Mennonitenkirche in Krefeld ist deshalb mehr als ein altes Gebäude. Ihre Bauform als Hofkirche erinnert an eine Zeit, in der die Mennoniten zwar geduldet, aber noch nicht gleichgestellt waren. Ihr Portal, ihre Umbauten, ihre Zerstörung und ihr Wiederaufbau erzählen zugleich die Geschichte einer Gemeinde, die über Jahrhunderte an diesem Ort Gottesdienst gehalten hat. So bleibt die Kirche ein stilles, aber eindrückliches Zeugnis mennonitischer Beständigkeit in Krefeld.
Quellen:
Mennonitengemeinde Krefeld: Geschichte der Mennonitengemeinde Krefeld – mennoniten-kr.de
Mennonitengemeinde Krefeld: Mennonitenkirche – mennoniten-kr.de
MennLex: Krefeld / Mennonitengemeinde – mennlex.de
Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Mennonitenkirche in Krefeld – denkmalschutz.de
Landesarchiv NRW: Krefeld als barocke Planstadt – archive.nrw.de
Krefeld entdecken: Mennonitenkirche, Königstraße 132 – krefeld-entdecken.de
Mitschrift einer Kirchenbegehung zur Mennonitenkirche Krefeld.




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