Die Mennoniten als "Stille im Lande"
- Redaktion

- vor 22 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

In seinem Vortrag fragt Andreas Tissen danach, was das typisch Mennonitische ausmacht. Seine Hauptthese lautet, dass Mennoniten besonders als die „Stillen im Lande“ beschrieben werden können. Dieses Merkmal versteht er nicht nur als fromme Haltung, sondern als geschichtlich gewachsene Mentalität: zurückhaltend, friedlich, gemeinschaftsbezogen, arbeitsam und eher auf innere Frömmigkeit als auf äußere Wirkung ausgerichtet.
Zunächst ordnet Tissen die Täuferbewegung in die unruhige Welt des 16. Jahrhunderts ein. Damals herrschten Endzeitstimmung, Angst und religiöser Aufbruch. Innerhalb der Täufer gab es dabei unterschiedliche Strömungen: friedliche Gruppen mit passiver Naherwartung und andere, die aktiv in das erwartete Endzeitgeschehen eingreifen wollten, teils sogar mit Gewalt. Die Schweizer Brüder, Pilgram Marpeck und Menno Simons werden dabei als Vertreter des friedlichen Weges hervorgehoben. Münster erscheint im Vortrag als Wendepunkt: Nach dem Scheitern der gewaltsamen täuferischen Bewegungen setzte sich zunehmend das Bild der friedlichen, stillen Täufer durch.
Im Hauptteil führt Tissen eine Reihe historischer Stimmen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert an, um zu zeigen, dass Mennoniten immer wieder als still, friedlich, unauffällig, fleißig und obrigkeitstreu beschrieben wurden. Genannt werden unter anderem Obbe Philips, Menno Simons, Hans Bret, Berichte aus dem 17. Jahrhundert, Charles Ogier, Cornelius Ris, Karl Hagenbach, Reinhold Theurer, Alexander Petzold, Friedrich Dentler und Johann Sönke. Diese Zeugnisse sollen belegen, dass sich das mennonitische Selbst- und Fremdbild über lange Zeit stark um Begriffe wie Stille, Bescheidenheit, Rückzug aus der Welt und geduldiges Ertragen von Leid drehte.
Aus diesen Zitaten zieht der Vortrag die Schlussfolgerung, dass sich die Täufer beziehungsweise Mennoniten seit dem späten 16. Jahrhundert vor allem so darstellen lassen: Rückzug aus der Welt, Konzentration auf die eigene Frömmigkeit und Gemeinschaft, keine politischen Forderungen, kein gesellschaftliches Aufsehen, friedliches und demütiges Auftreten sowie eine stetige, ruhige Lebensführung. Gleichzeitig stellt der Redner die offene Frage, ob diese Haltung geistliche Überzeugungskraft gewann oder ob dadurch auch Strahlkraft nach außen verloren ging.
Im Schlussteil wird der Bogen in die Gegenwart geschlagen. Tissen äußert Sorge darüber, dass einige heutige täuferische Gruppen das Erbe der Täufer stärker aktivistisch deuten, etwa in Fragen von Politik, sozialer Gerechtigkeit, Ökumene, Umwelt oder Friedenspolitik. Er sieht darin die Gefahr, dass das klassische täuferische Erbe der stillen, glaubensgehorsamen Lebensführung verändert wird. Zugleich bleibt am Ende eine Spannung stehen: Soll täuferisches Christsein heute eher passiv oder aktiv sein, und wenn aktiv, in welcher Weise?
In der anschließenden Fragerunde wird noch ein praktischer Punkt angesprochen: Mennoniten seien nach außen oft kaum sichtbar, selbst für Menschen, die bibeltreue Gemeinden suchen. Damit endet der Vortrag in einer offenen, selbstkritischen Frage nach dem Verhältnis von Zurückhaltung, Zeugnis und Evangelisation.
Unter folgendem Link kann der gesamte Vortrag angehört werden.
Weitere Informationen zu diesem und weiteren geschichtlichen Themen finden Sie auf folgender Internetseite:




Kommentare