Das Heim in Asunción – ein Haus für Mennoniten aus aller Welt
- Redaktion

- 21. Juli
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Aktualisiert: 23. Juli

Das Mennonitenheim in Asunción, heute vielfach als „Das Heim“ bekannt, ist weit mehr als ein gewöhnliches Hotel. Seit seiner Gründung im Jahr 1943 bot es unzähligen Mennoniten aus den paraguayischen Kolonien Unterkunft, Verpflegung und praktische Hilfe. Zugleich war es über Jahrzehnte ein geistliches, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der Mennoniten in der Hauptstadt Paraguays.
Die Anfänge im Jahr 1943
Die Geschichte des Mennonitenheims begann 1943, als das Mennonite Central Committee (MCC) seine Arbeit in Paraguay erheblich ausweitete. In Asunción wurde zunächst ein Haus gemietet, das sowohl als Zentralbüro des MCC als auch als Unterkunft für dessen Mitarbeiter diente.
Darüber hinaus stand das Haus Mennoniten offen, die aus den Kolonien in die Hauptstadt kamen. Sie fanden dort zu günstigen Preisen Unterkunft und Verpflegung. Bei Krankheiten erhielten sie Begleitung und praktische Unterstützung. Für die in Asunción lebenden Mennoniten wurde das Haus zugleich zu einem wichtigen Treffpunkt. Hier fanden Bibelstunden, Gottesdienste, Sonntagsschule und gemeinschaftliche Veranstaltungen statt.
Der amerikanisch-mennonitische Rechtsanwalt Robert W. Geigley, der von Februar 1943 bis Mai 1945 die Interessen des MCC gegenüber der paraguayischen Regierung vertrat, gehörte zu den Begründern des Heims. Er beschrieb dessen Aufgabe im Dezember 1943 folgendermaßen:
„Dieses Haus ist kein Hotel in dem Sinne, um daraus ein Geschäft zu machen, aber wenn Mennoniten auf der Reise sind und in Asunción anhalten, so dürfen sie hier Kost und Quartier finden, wenn sie es wünschen.“
Das Haus sollte somit nicht dem finanziellen Gewinn dienen, sondern ein Ort des Dienstes, der Gastfreundschaft und der Gemeinschaft sein.
Ein Ort der Begegnung und Versöhnung
Von Januar 1943 bis November 1945 wurde das Heim von Willard Smith und seiner Frau Verena geleitet. Die Einweihung des neuen Heims fand Mitte 1944 im Beisein von Orie O. Miller statt, der damals im Dienst der Mennoniten in Paraguay stand.

Nach Smiths Erinnerungen wurde das Heim auch zu einer „Brücke des Friedens und der Versöhnung“. Zwischen Mennoniten aus Fernheim und Friesland bestanden zu jener Zeit teilweise erhebliche Spannungen. Manche Angehörige der beiden Gruppen grüßten einander nicht und redeten kaum miteinander. Im MCC-Heim wohnten und aßen sie jedoch unter einem Dach. Dadurch entstanden Möglichkeiten zu Gesprächen und einer vorsichtigen Annäherung.
Das Heim brachte Mennoniten unterschiedlicher Herkunft zusammen. Hier begegneten sich liberale, traditionelle und konservative Mennoniten ebenso wie Besucher aus Deutschland, Kanada, Mexiko, Bolivien, Brasilien und anderen Ländern.
Mehrere Umzüge und ein einfaches Leben
Wegen des starken Besucherandrangs wurde das erste Haus bereits nach kurzer Zeit zu klein. Deshalb mietete das MCC ein größeres Gebäude im Zentrum von Asunción an der damaligen Adresse Eligio Ayala 364.
Anfang 1946 zog der Eigentümer jedoch selbst in das Gebäude ein. Das MCC musste erneut umziehen und mietete ein Haus an der Straße Nuestra Señora de la Asunción zwischen Luis A. Herrera und Fulgencio R. Moreno. Das große Gebäude verfügte über 18 Zimmer. Einige davon wurden für Besucher eingerichtet, andere dienten als Büro- und Wohnräume.
Die Verhältnisse waren zunächst ausgesprochen schlicht. Im Haus gab es weder fließendes Wasser noch ein modernes Badezimmer. Das Wasser musste aus einem Brunnen im Hof geschöpft werden. Die Küche bestand aus einem einfachen Kochherd mit den notwendigsten Möbeln. Nach dem Mittagessen ruhte die ganze Stadt während der „Siesta“, sodass in dieser Zeit kaum gearbeitet werden konnte.
Dennoch erfüllte das Heim eine wichtige Aufgabe. Mennoniten aus den Kolonien kamen nach Asunción, um einen Arzt aufzusuchen, Geschäfte zu erledigen, Einkäufe zu tätigen oder eine Reise ins Ausland vorzubereiten. Krankenschwestern des MCC betreuten viele Kranke. Auch Frauen und Mädchen, die als Hausangestellte in der Stadt arbeiteten, fanden dort Unterkunft, Rat und Hilfe.
Erwerb eines eigenen Grundstücks
Der Erfolg des Heims und die wachsende Zahl der Besucher machten schließlich den Erwerb eines eigenen Gebäudes notwendig. Am 3. März 1949 kaufte das MCC den ersten Teil des späteren Mennonitenheims. In den folgenden Jahren wurden weitere Grundstücke und Räume erworben und entsprechend den Bedürfnissen ausgebaut.
Zum Heim gehörte nun auch ein geräumiger Saal. Er diente den Mennoniten in Asunción als Versammlungsraum. Außerdem fanden dort die jährlichen Sitzungen des Gemeindekomitees und des Oberschulzenrates statt.
Seit Januar 1949 war das Heim zugleich eine Zentrale für die MCC-Arbeit in Paraguay, Uruguay, Argentinien und Brasilien. Von Asunción aus wurden verschiedene Hilfs- und Gemeinschaftsaufgaben koordiniert.
Geistliches und gesellschaftliches Zentrum
Über etwa vier Jahrzehnte war das Mennonitenheim ein Mittelpunkt des mennonitischen Lebens in Asunción. Nach dem Sonntagsgottesdienst wurden alle Gottesdienstbesucher – mit Ausnahme des fünften Sonntags eines Monats – zu einem gemeinsamen Essen und Kaffee eingeladen. Am Nachmittag folgten Vorträge oder kulturelle Darbietungen.
Auf dem Hof traf sich die mennonitische Jugend zum Volleyballspielen und zu weiteren gemeinsamen Aktivitäten. Im Haus fanden Frauenstunden, Jugendstunden, Bibelstunden und gesellige Abende statt. Fast an jedem Tag der Woche herrschte dort reges Leben.
Ein zeitgenössischer Bericht fasste die Bedeutung des Hauses mit den Worten zusammen:
„Mennonitenheim in Asunción ist nicht nur Hilfe und Arbeit, sondern auch Freundschaft und Gemeinschaft, wo Brüder und Schwestern aus zwei Welten sich kennen lernen und sich finden.“
Mit dem Bau der eigenen Schule, des Colegio Alemán Concordia, verlagerte sich das geistliche und kulturelle Leben der Asuncióner Mennoniten jedoch allmählich. Als 1985 neben der Schule die neue Kirche eingeweiht wurde, fanden die meisten religiösen, sozialen und kulturellen Veranstaltungen fortan dort statt.
Übergang in mennonitisches Eigentum
In den 1970er-Jahren waren die mennonitischen Gemeinden und Kolonien Paraguays wirtschaftlich zunehmend in der Lage, Aufgaben selbst zu übernehmen, die zuvor vom MCC getragen worden waren. Deshalb begannen Gespräche über die Übertragung des Mennonitenheims an die Mennoniten Paraguays.
Am 19. und 20. Februar 1980 wurden Richtlinien für den Verkauf ausgearbeitet. Dabei wurde festgelegt, dass das Heim weiterhin allen Mennoniten Paraguays dienen sollte. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem:
der Krankenschwesterndienst,
der Postdienst,
die Nutzung des Saales und des Sportplatzes durch die Mennoniten in Asunción,
preisgünstige Zimmer für weniger bemittelte Gäste.
Das Heim sollte sich finanziell selbst tragen, aber keinen eigentlichen Gewinn erwirtschaften. Ein möglicher Überschuss war für missionarische und gemeinnützige Aufgaben bestimmt. Wichtige Entscheidungen mussten vom Gemeinde- und Oberschulzenkomitee genehmigt werden.
Am 9. Oktober 1980 wurde das Eigentumsrecht schließlich auf die „Asociación de las Colonias Mennonitas del Paraguay“ übertragen. Damit gehörte das Heim fortan den Mennoniten Paraguays.
Der Kaufpreis betrug 405.000 US-Dollar und sollte bei einem mäßigen Zinssatz innerhalb von 15 Jahren bezahlt werden. Die letzte Rate wurde 1995 beglichen. Das dafür benötigte Geld wurde vollständig durch den Betrieb des Mennonitenheims erwirtschaftet.
Die Zahlungen flossen nicht ins Ausland, sondern wurden innerhalb Paraguays für missionarische und gemeinnützige Vorhaben eingesetzt. Unterstützt wurden unter anderem die Arbeit unter den Indigenen im Chaco, das Hospital Mennonita Km 81 und die Christlichen Dienste.
Eine bleibende Aufgabe
Nach der Verlagerung vieler Gemeindeaktivitäten blieb das Mennonitenheim vor allem ein Gästehaus. Zum Zeitpunkt der vorliegenden Darstellung konnte es täglich bis zu 160 Personen aufnehmen. Zwischen 2006 und 2013 wurden jährlich etwa 14.700 bis fast 19.900 Übernachtungen verzeichnet. Darüber hinaus betreute das Heim jedes Jahr mehrere Hundert Patienten, die wegen ärztlicher Behandlungen nach Asunción kamen.
Damit blieb der ursprüngliche Auftrag des Hauses erhalten: Mennoniten auf Reisen, Kranke und Hilfesuchende aufzunehmen und ihnen in der fremden Großstadt eine verlässliche Anlaufstelle zu bieten.

Das Heim in Asunción steht bis heute sinnbildlich für mennonitische Gastfreundschaft und Zusammenarbeit. Aus einem kleinen MCC-Büro entwickelte sich ein Haus, das Generationen von Mennoniten beherbergte, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenführte und missionarische sowie soziale Aufgaben in Paraguay unterstützte.
Das Heim heute
Heute präsentiert sich „Das Heim“ als schlichtes und zugleich einladendes Hotel. Der von hohen Bäumen und Palmen umgebene Gebäudekomplex bildet mitten in Asunción eine grüne Oase. Bepflanzte Innenhöfe, überdachte Sitzplätze, Bänke und Schaukeln bieten den Gästen Raum zur Ruhe und Begegnung.

Im Inneren stehen gemütliche Gemeinschaftsräume sowie zweckmäßig bis modern eingerichtete Zimmer mit eigenem Bad, Fernseher, Schränken und teilweise kleinen Sitzbereichen zur Verfügung.

Dabei ist der ursprüngliche Charakter des Hauses nicht verloren gegangen. „Das Heim“ ist kein unpersönliches Großhotel, sondern vermittelt weiterhin eine familiäre Atmosphäre.

Was 1943 als MCC-Heim und Anlaufstelle für Mennoniten begann, lebt damit in zeitgemäßer Form weiter: Reisende finden hier Unterkunft, Gemeinschaft und ein Zuhause auf Zeit.
So bleibt „Das Heim“ auch heute eine Brücke – zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Stadt und Kolonien sowie zwischen Menschen aus Paraguay und Besuchern aus aller Welt.
Quelle:
Gerhard Ratzlaff: Ein Leib – viele Glieder. Die mennonitischen Gemeinden in Paraguay. Herausgegeben vom Gemeindekomitee, Asunción: Makrografico, 2001, S. 335–359.
Willard H. Smith: Paraguayan Interlude: Observations and Impressions. Herald Press, Scottdale, Pennsylvania, 1950.
Robert W. Geigley: Beitrag im Mennoblatt, Jg. 14, Nr. 12, 1943, S. 4–5.
David Boschmann: „Das Mennonitenheim in Asunción – eine Brücke“, in: Mennoblatt, 1. April 1981.




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