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Chihuahua: Warum der „Corredor Comercial“ für die Mennoniten bei Cuauhtémoc so entscheidend ist

Der "Corredor Comercial"
Der "Corredor Comercial"

Cuauhtémoc (Chihuahua). Die Einigung zwischen der Regierung des Bundesstaats Chihuahua und mennonitischen Leitern aus der Kolonie Manitoba über die stufenweise Modernisierung des „Corredor Comercial“ ist mehr als ein technisches Straßenbauprojekt: Für viele mennonitische Familien in den Feldern nördlich von Cuauhtémoc ist dieser Korridor die wirtschaftliche Lebensader – täglich genutzt für Arbeit, Handel und Versorgung.


Eine Straße, die den Alltag zusammenhält


Der „Corredor Comercial“ verläuft auf dem Abschnitt der Straße Cuauhtémoc–Álvaro Obregón (Baubeginn laut Staat am Kilometer 5+400) und wird von der Landesregierung ausdrücklich als Schlüsselroute für das Wirtschaftsleben der Region beschrieben. Täglich passieren nach Behördenangaben rund 24.000 Fahrzeuge diesen Abschnitt.


Für die mennonitische Bevölkerung ist das nicht abstrakt. Der Korridor verbindet:

  • Farmen und Milchbetriebe mit Abnehmern, Sammelstellen und Verarbeitern

  • Werkstätten, Ersatzteilhandel und Maschinenbau mit den Höfen, die auf Traktoren, Lkw und Agrartechnik angewiesen sind

  • Bau- und Versorgungsgüter (vom Baustoff bis zur Elektrik) mit den wachsenden Siedlungen

  • Gastronomie und Unterkünfte mit Kundschaft, Monteuren und Lieferverkehr


Dass sich entlang dieser Achse ein dichtes Band aus Handel und Dienstleistungen entwickelt hat, zeigt auch das lokale Branchenverzeichnis des „Corredor Comercial Manitoba“: Dort werden Kategorien wie Agrícola y Ganadero, Maquinaria Industrial, Autos/Camiones, Talleres y Refacciones, Fábricas, Materiales para Construcción, Comida y Hospedaje und Servicios gebündelt – also genau jene Infrastruktur, die eine hochmechanisierte Agrarregion täglich braucht.


Warum gerade die Mennoniten so stark betroffen sind


Die Landesregierung spricht beim Ausbau von einer „zona económica“ (Wirtschaftszone), die eine sichere, hochwertige Straße verdiene. Dass mennonitische Vertreter hier besonders engagiert auftreten, hat auch mit der Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte zu tun: Seit 1922 kamen Mennoniten aus Manitoba (Kanada) nach Chihuahua und bauten in der Region um (das damalige) San Antonio de los Arenales große Agrarsiedlungen auf.


Bauarbeiten am "Corredor Comercial", im Hintergrund eine mennonitische Siedlung
Bauarbeiten am "Corredor Comercial", im Hintergrund eine mennonitische Siedlung

Eine wissenschaftliche Studie zur Einwanderung beschreibt, wie die wirtschaftliche Dynamik der Kolonien dazu beitrug, dass sich San Antonio de los Arenales – seit 1927 Cuauhtémoc – zu einem Markt- und Verteilzentrum entwickelte: Es entstanden u. a. Hotels, Banken, Ferreterías (Eisenwarenhandel), Werkstätten für Ersatzteile und Treibstoffverkauf; landwirtschaftliche Exporterlöse ermöglichten wiederum neue Importe und Handel. Auch die Spezialisierung auf Milch- und Käseproduktion (als wichtige Einnahmequelle) wird dort ausdrücklich als Teil dieser ökonomischen Entwicklung genannt – Produkte, die verlässlich transportiert werden müssen.


Kurz: Wo Landwirtschaft, Verarbeitung, Werkstätten, Handel und Transport so eng ineinandergreifen, wird eine Straße wie der „Corredor Comercial“ zur Schlagader – und jede Änderung der Verkehrsführung wirkt unmittelbar auf Betriebe, Lieferketten und Sicherheit.


Modernisierung: Sicherheit vs. Erreichbarkeit


Genau an diesem Punkt setzte die aktuelle Verständigung an: Die Modernisierung soll Wendemöglichkeiten („retornos“) neu ordnen, den Verkehrsfluss verbessern und Unfälle reduzieren. Zugleich wollten viele Nutzer – darunter mennonitische Betriebe – weiterhin praktikable Zufahrten behalten.


Neu errichtete Mittelbarriere
Neu errichtete Mittelbarriere

Konkret akzeptierte die Behörde die Bitte der mennonitischen Leiter, 14 Elemente der Mittelbarriere bei Kilometer 7 zu entfernen. Weitere 15 Elemente bei Kilometer 14 sollen allerdings erst nach Fertigstellung der dortigen Wendestelle entfernt werden. Außerdem soll die Umsetzung in Abschnitten erfolgen: Zuerst wird der Bereich Kilometer 5 bis 16 fertiggestellt und freigegeben, damit sich die Verkehrsteilnehmer an die neue Führung gewöhnen können.


Dialog mit den Hauptnutzern


Dass die Mennoniten hier als Gesprächspartner auftreten, ist auch politisch nachvollziehbar: In lokalen Berichten wird betont, dass die Bewohner der Region zu den Hauptnutzern der Strecke zählen und in Gesprächen ihre Vorschläge einbringen. An dem Treffen nahmen laut Mitteilung die mennonitischen Leiter Guillermo Feher, Jacobo Dyck und Bernard Friesen teil; auf Regierungsseite u. a. SCOP-Minister Mario Vázquez.


Fazit: Der Ausbau ist ein Sicherheitsprojekt – aber zugleich ein Eingriff in den wirtschaftlichen Alltag einer Region, deren Handels- und Produktionsnetz historisch stark von den mennonitischen Kolonien mitgeprägt wurde. Gerade deshalb wird die Modernisierung nun etappenweise und im Austausch mit den lokalen Akteuren umgesetzt.


Quellen:

  • Portal Gubernamental del Estado de Chihuahua (Prensa): “Acuerdan Estado y líderes Menonitas modernización por etapas del Corredor Comercial de Cuauhtémoc” (03.11.2023).

  • Portal Gubernamental del Estado de Chihuahua (Prensa): “Beneficiará modernización del Corredor Comercial Cuauhtémoc a más de 160 mil habitantes” (07.03.2023).

  • Portal Gubernamental del Estado de Chihuahua (Prensa): “Registran obras del Corredor Comercial Cuauhtémoc más del 90% de avance en su primera etapa” (29.01.2024).

  • Portal Gubernamental del Estado de Chihuahua (Prensa): “Inició Gobierno del Estado obras de modernización del Corredor Comercial de Cuauhtémoc” (22.01.2023).

  • Corredor Comercial Manitoba (Webseite): “Corredor Comercial Manitoba – Directorio Comercial” (Branchen/Kategorien, Standortangaben).

  • Corredor Comercial Manitoba (PDF): “directorio.pdf” (Karte/Übersicht Corredor Comercial Manitoba).

  • Taylor Hansen, L. D. (SciELO México): “Las migraciones menonitas al norte de México entre 1922 …” (2005) – zur Einwanderung und Entwicklung der Kolonien/Region.

  • CLACSO Repositorio (PDF): “Norte precario” – enthält u. a. Angaben zur Entwicklung von San Antonio de los Arenales/Cuauhtémoc (z. B. Banken/Hotels/Handel).

  • El Heraldo de Chihuahua (OEM): “Avanzan al 90% las obras de modernización en el Corredor Comercial Cuauhtémoc” (29.01.2024) – journalistische Zweitquelle zum Baufortschritt.

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