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„Berufen – Nach einer wahren Geschichte“


„Berufen“ von Marlena Fiol und Ed O’Connor erzählt die bewegende Lebensgeschichte von Dr. John Schmidt und Clara Schmidt, mennonitischen Missionaren aus Kansas, die ihr Leben in den Dienst medizinischer Pionierarbeit in Paraguay stellten. Die deutsche Ausgabe beruht auf dem englischen Buch „Called“ und wurde von Thomas und Sylvia Wiens übersetzt, wie der Buchrücken hervorhebt.


Im Mittelpunkt steht nicht nur eine außergewöhnliche Missions- und Lebensgeschichte, sondern auch die Frage: Was kostet eine Berufung? Genau diese Spannung macht das Buch stark.


Eine wahre Geschichte mit erzählerischer Kraft


Die Autoren weisen in der abgebildeten Vorbemerkung ausdrücklich darauf hin, dass es sich um die wahre Geschichte von Dr. John und Clara Schmidt handelt. Zugleich erklären sie, dass das Buch auf umfangreichem Quellenmaterial beruht: Bücher, Tagebucheinträge, Zeitschriften, Briefe und Interviews mit Menschen, die die Schmidts kannten. Auf der Internetseite zum Buch wird ebenfalls deutlich, dass dort historische Fotos, Orte und Ereignisse aus der Geschichte von „Called“ gesammelt werden.


Orie Miller mit Jacob Siemens in Filadelfia, Paraguay im Jahr 1937
Orie Miller mit Jacob Siemens in Filadelfia, Paraguay im Jahr 1937

Gleichzeitig ist „Berufen“ kein trockenes Sachbuch. Die Autoren erzählen die Geschichte literarisch. In der Anmerkung heißt es, dass einzelne Charaktere zusammengefasst und manche Namen aus Datenschutzgründen verändert wurden. Dadurch entsteht eine biografisch-historische Erzählung, die auf echten Ereignissen ruht, aber erzählerisch verdichtet ist.


Worum geht es?


Der Buchrücken fasst die Handlung eindrücklich zusammen: Drei Leben sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden — ein Arzt, eine fromme mennonitische Krankenschwester und eine argentinische Revolutionärin. Die Internetseite beschreibt denselben Dreiklang: John Schmidt, Clara Regier und Anastasia Brighton stehen vor dem Hintergrund von Zweitem Weltkrieg, politischen Unruhen in Argentinien und Paraguay sowie der damals gefürchteten Lepra-Krankheit.


John Schmidt wächst in einer armen plautdietsch-mennonitischen Gemeinschaft in Kansas auf. Schon früh spürt er den Wunsch, mehr zu tun — etwas Bedeutendes, etwas im Dienst Gottes und an Menschen in Not. Später wird er Arzt und geht nach Paraguay. Dort wird seine Arbeit unter Leprakranken zu einem medizinischen und menschlichen Wendepunkt.


Dr. John R. Schmidt, imJahre 1941
Dr. John R. Schmidt, imJahre 1941

Clara Regier stammt ebenfalls aus einem mennonitischen Umfeld in Kansas. Sie wird als zurückhaltende, gläubige Krankenschwester beschrieben, die ihr Leben Gott weihen möchte. Durch ihre Ehe mit John tritt sie in ein Leben ein, das von Entbehrung, Dienst, Gebet und großer Verantwortung geprägt ist.


Clara Regier, in Jahre 1941
Clara Regier, in Jahre 1941

Paraguay, Fernheim und Hospital Mennonita Km. 81


Für Leser mit Interesse an mennonitischer Geschichte ist das Buch besonders wertvoll. Der Buchrücken nennt ausdrücklich die ersten Jahre der Kolonie Fernheim im Chaco, die schwierige Entstehungsgeschichte des Hospital Mennonita Km. 81 sowie die Entstehung der Kolonie Tres Palmas.


John – ‘Dokta Hus’ (1941)
John – ‘Dokta Hus’ (1941)

Die Internetseite zeigt dazu zahlreiche historische Stationen: John Schmidt 1941, Clara Regier 1941, die Reise nach Paraguay, Filadelfia, das Krankenhaus in Filadelfia, später Km. 81 und die weitere Arbeit in Tres Palmas. Besonders wichtig ist die Station Km. 81, wo John und Clara ab 1951 mit der Arbeit unter Leprakranken verbunden werden.


Einfahrt Leprastation Km 81 im Jahr 1952
Einfahrt Leprastation Km 81 im Jahr 1952

Damit ist „Berufen“ auch ein Stück mennonitischer Medizingeschichte: Es erzählt, wie Glauben, praktische Nächstenliebe und medizinischer Mut zusammenwirkten.


Lepra: Dienst an den Ausgestoßenen


Ein zentrales Thema des Buches ist die Lepra-Krankheit. Damals war Lepra nicht nur eine medizinische Diagnose, sondern auch ein soziales Urteil. Erkrankte Menschen wurden häufig isoliert, gefürchtet und ausgegrenzt. Die Internetseite beschreibt John Schmidts Arbeit als Kampf gegen Stigma und Scham sowie als Einsatz für Menschen, die am Rand der Gesellschaft standen.


Lepra Patient (1958)
Lepra Patient (1958)

Besonders eindrücklich ist dabei, dass John Schmidt offenbar nicht nur verwalten oder versorgen wollte. Er suchte neue Wege. Die Internetseite spricht von unorthodoxen und revolutionären medizinischen Praktiken trotz starker Widerstände.


Das macht das Buch auch geistlich herausfordernd: Berufung bedeutet hier nicht romantische Begeisterung, sondern tägliche Treue unter schwierigen Bedingungen.


Ein Buch über Glauben, Opfer und Ausdauer


Der Titel „Berufen“ ist gut gewählt. John und Clara Schmidt werden nicht als perfekte Helden dargestellt, sondern als Menschen, die einem Ruf folgen. Ihre Arbeit kostet Kraft, Gesundheit, Beziehungen und Sicherheit. Der Buchrücken stellt deshalb die entscheidende Frage: „Doch zu welchem Preis?“


Gerade darin liegt die Stärke des Buches. Es zeigt christlichen Dienst nicht als einfache Erfolgsgeschichte, sondern als Weg mit Konflikten, Einsamkeit, Widerstand und innerem Ringen. Clara erscheint dabei nicht nur als „Frau an der Seite“, sondern als tragende, betende und standhafte Person. Die Internetseite beschreibt, wie sie unter Johns Intensität leidet, aber zugleich zu einer starken und beruhigenden Kraft an seiner Seite wird.


Historischer Hintergrund


„Berufen“ spielt vor einem breiten historischen Hintergrund: Zweiter Weltkrieg, nationalsozialistische Spannungen, politische Unruhen in Argentinien und Paraguay, die Geschichte mennonitischer Kolonien im Chaco und die Entwicklung medizinischer Missionsarbeit.


Gründungsversammlung Kolonie Fernheim
Gründungsversammlung Kolonie Fernheim

Dadurch ist das Buch nicht nur eine persönliche Lebensgeschichte, sondern auch ein Fenster in eine bewegte Zeit mennonitischer Geschichte in Südamerika.


Bewertung


„Berufen“ ist ein empfehlenswertes Buch für Leser, die sich für folgende Themen interessieren:

Thema

Bedeutung im Buch

Mennonitische Geschichte

Kansas, Fernheim, Chaco, Km. 81, Tres Palmas

Mission

Dienst unter schwierigen Bedingungen

Medizinische Pionierarbeit

Lepra-Behandlung und soziale Wiedereingliederung

Glaubensnachfolge

Berufung, Opfer, Gehorsam, Ausdauer

Paraguay-Geschichte

Kolonien, politische Unruhen, Aufbauarbeit

Das Buch eignet sich besonders für Leser, die nicht nur eine spannende Geschichte suchen, sondern eine Erzählung mit geistlichem Ernst. Es zeigt, dass christliche Berufung nicht zuerst aus großen Worten besteht, sondern aus Treue, Dienstbereitschaft und dem Mut, den Schwachen beizustehen.


Quellen:

  • Marlena Fiol / Ed O’Connor: Berufen. Nach einer wahren Geschichte. Deutsche Ausgabe von Called, übersetzt von Thomas und Sylvia Wiens

  • Marlena Fiol / Ed O’Connor: Called: A Saga, calledasaga.com

  • Menonitica: „Hospital Mennonita Km 81“, menonitica.org

  • Anabaptist World: „Zwieback and leprosy“, 18.04.2019

  • Diospi Suyana: „Eine Familientradition, die der Menschheit gut tut“, 28.10.2023

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