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Bernhard Goetze (1888-1962): Ein Leben im Dienst der Bibel

Aktualisiert: 18. Juni


Bernhard Goetze im Jahr 1928
Bernhard Goetze im Jahr 1928

Bernhard Goetze, auch Bolesław Götze oder Bernard Goetze genannt, wurde am 6. April 1888 in Pabianice bei Łódź geboren. Er wuchs in einem vielsprachigen und religiös gemischten Umfeld auf. Schon in jungen Jahren kam er mit dem Evangelium in Berührung. Mit vierzehn Jahren bekannte er sich bewusst zum Glauben an Christus. Später besuchte er eine Bibelschule in Łódź und wurde Prediger.


Von 1909 bis 1915 wirkte Goetze in Russland, besonders in Wolhynien. Dort lernte er die geistliche Not der russischsprachigen Bevölkerung kennen. Während des Ersten Weltkrieges wurde er von russischen Behörden interniert. Diese schweren Jahre prägten ihn, konnten aber seinen Dienstwillen nicht brechen.


Nach dem Krieg kam Goetze nach Polen zurück. In den Jahren nach 1919 arbeitete er in verschiedenen Gemeinden und Missionswerken. Besonders wichtig wurde sein Wirken in Warschau. Ab 1924 begann dort eine breite christliche Verlags- und Missionsarbeit. Er gab christliche Zeitschriften heraus und veröffentlichte Bücher in polnischer, russischer und deutscher Sprache. Auch ukrainische Leser wurden durch seine Arbeit erreicht. Neben der Verlagsarbeit half er armen Kindern, unterstützte Missionare und sammelte Hilfe für notleidende Christen im Osten.


Sein bekanntestes Werk wurde die russische Bibel, die später nach ihm „Goetze-Bibel“ genannt wurde. Sie erschien 1939, nur zwei Monate vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Goetze wollte keine neue Bibelübersetzung schaffen. Grundlage blieb die traditionelle russische Synodalübersetzung. Sein Ziel war es, den Text besser lesbar zu machen, veraltete Wörter vorsichtig zu ersetzen und den Bibellesern durch Überschriften, Parallelstellen, erklärende Anmerkungen und Karten zu helfen.


Die Arbeit an dieser Bibel geschah mit großer Sorgfalt. Goetze und seine Mitarbeiter wollten den biblischen Text nicht verändern, sondern den Zugang zum Wort Gottes erleichtern. Besonders für russischsprachige Christen, die unter dem Druck des atheistischen Kommunismus litten und oft kaum Bibeln erhalten konnten, war diese Ausgabe von großer Bedeutung.


Von der ersten Auflage konnten etwa 4.000 Exemplare verbreitet werden. Die übrigen etwa 6.000 Exemplare wurden nach dem Einmarsch der Deutschen von der Gestapo vernichtet. Dennoch blieb die Goetze-Bibel im Gedächtnis vieler Gläubiger erhalten. Später wurde sie erneut aufgelegt und fand besonders unter russischsprachigen Christen in der Sowjetunion, in der Ukraine und in der Diaspora weite Verbreitung.


Bernhard Goetze im Jahr 1939
Bernhard Goetze im Jahr 1939

Der Zweite Weltkrieg zerstörte Goetzes Verlagsarbeit in Warschau. Nach dem Krieg lebte er zunächst in Deutschland. Später wanderte er nach Kanada aus. Dort starb er am 10. Januar 1962 in Kitchener, Ontario.


Bernhard Goetze gehört zu den Männern, deren Lebenswerk nicht in großen politischen Taten bestand, sondern im treuen Dienst am Wort Gottes. Seine Bibelausgabe wurde vielen Menschen zum Werkzeug des Bibellesens. Sie erinnert daran, wie kostbar eine verständliche, sorgfältig gedruckte und mit Hilfen versehene Bibel sein kann. Goetzes Leben zeigt, dass Gott auch Verleger, Übersetzer, Prediger und stille Arbeiter gebrauchen kann, um sein Wort weiterzutragen.


Quellen:

  1. Stadt Pabianice: „Biblia Goetzego“ – Biografische Angaben zu Bernhard/Bolesław Goetze, Herkunft aus Pabianice, Verlagsarbeit, Bibelausgabe von 1939 und Vernichtung eines Teils der Auflage.

  2. Institute for Bible Translation: „Bernard Goetze’s Bible“ – Angaben zur Entstehung, Zielsetzung und sprachlichen Bearbeitung der russischen Synodalübersetzung durch Goetze.

  3. Institute for Bible Translation: Russische Bibelprojekte – Nachweis späterer Ausgaben der Goetze-Bibel, u. a. 1981, 1990 und 2001.

  4. Encyclopedia of Seventh-day Adventists: Russian Bible translations – Einordnung der Goetze-Bibel als vorsichtige Überarbeitung der russischen Synodalübersetzung.

  5. Esxatos: „Библия Геце – Книги Священного Писания“ – Bibliografische Angaben zur Erstausgabe von 1939, Verlag B. Goetze, Umfang und Ausstattung.

  6. Bible.ucoz: „Библия Б. Геце (1939 г.)“ – Angaben zum Digitalisat der Ausgabe von 1939 mit Seitenzahl, Format, Parallelstellen, Erklärungen und Karten.

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