Automatische Wehrpflichtregistrierung in den USA gerät ins Stocken

Die geplante automatische Registrierung junger Männer beim amerikanischen Selective Service System ist wenige Wochen vor dem vorgesehenen Start ins Stocken geraten. Für Mennoniten und andere Friedenskirchen ist die Entwicklung von besonderer Bedeutung, da sie unmittelbar die Frage der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen berührt.
Washington. Eigentlich sollte das amerikanische Wehrregistrierungssystem Ende 2026 grundlegend verändert werden. Künftig sollen Männer zwischen dem 18. und 26. Lebensjahr nicht mehr selbst dafür verantwortlich sein, sich beim Selective Service System zu registrieren. Stattdessen soll die Registrierung automatisch durch die Behörde erfolgen.
Die entsprechende Regelung wurde im Dezember 2025 vom US-Kongress beschlossen und von Präsident Donald Trump unterzeichnet. Das Gesetz sieht vor, dass das Selective Service System die betroffenen Männer künftig selbständig erfasst. Nach Angaben der Behörde soll dies unter anderem durch die Nutzung von Daten anderer Bundesbehörden geschehen. Die amtliche Regelungsübersicht nennt den 19. Dezember 2026 als vorgesehenen Zeitpunkt für das Inkrafttreten.
Regelungsentwurf überraschend zurückgezogen
Doch die praktische Umsetzung ist inzwischen unklar. Am 30. März 2026 reichte das Selective Service System einen Regelungsentwurf bei der zuständigen Prüfungsstelle der US-Regierung ein. Dieser sollte festlegen, wie die automatische Registrierung konkret durchgeführt werden soll.
Am 23. Juli 2026 zog die Behörde den Entwurf jedoch wieder zurück. Eine öffentliche Begründung dafür wurde bislang nicht bekanntgegeben. Damit wird die Zeit für ein reguläres Verfahren bis zum geplanten Inkrafttreten immer knapper.
Galen Fitzkee, Mitarbeiter des Mennonite Central Committee USA, erklärte gegenüber Anabaptist World, es sei derzeit unklar, ob die Behörde einen anderen Weg zur Umsetzung suchen oder den Kongress um eine Verschiebung bitten werde. Das MCC spricht sich dafür aus, die automatische Registrierung ganz aufzugeben.
Mennonitische Gemeinden beobachten Entwicklung
Für Mennoniten besitzt die Frage eine besondere Bedeutung. Die Ablehnung des Kriegsdienstes gehört in vielen mennonitischen Gemeinden seit Jahrhunderten zum Verständnis der biblischen Wehrlosigkeit und Nachfolge Jesu.

Vertreter mennonitischer Friedensarbeit empfehlen deshalb, junge Menschen frühzeitig mit den biblischen Grundlagen der Wehrlosigkeit und der Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen vertraut zu machen. Nathan Toews, Friedensbildungskoordinator des MCC, weist darauf hin, dass viele junge Menschen heute kaum noch Erfahrungen mit einer möglichen Einberufung haben und Gemeinden deshalb ihre Lehre zu Frieden und Wehrlosigkeit neu vermitteln sollten.
Registrierung bedeutet noch keine Einberufung
Dabei muss deutlich zwischen Registrierung und Wehrpflicht unterschieden werden. Das Selective Service System führt lediglich die Daten der Männer, die im Falle einer Wiedereinführung der Wehrpflicht grundsätzlich erfasst werden könnten.
Eine Registrierung bedeutet weder den Eintritt in die Streitkräfte noch eine automatische Einberufung. Auch die amerikanische Behörde weist ausdrücklich darauf hin, dass derzeit keine allgemeine Einberufung besteht. Für die tatsächliche Aktivierung eines militärischen Einberufungssystems wären weitere politische und gesetzliche Entscheidungen erforderlich.
Damit bleibt die Lage vorerst offen. Das Gesetz zur automatischen Registrierung besteht weiterhin, doch der vorgesehene Weg zu seiner Umsetzung wurde gestoppt. Ob die US-Regierung in den kommenden Wochen neue Regelungen vorlegt, eine Verschiebung anstrebt oder die Frage erneut dem Kongress überlässt, ist derzeit nicht entschieden.
Für mennonitische Gemeinden ist die Entwicklung zugleich eine Erinnerung daran, die eigene Haltung zu Krieg, Frieden und Wehrlosigkeit nicht erst dann zu bedenken, wenn eine Einberufung unmittelbar bevorsteht.
Quellen:
Selective Service System,
US-Regierungsportal Reginfo.gov, Congressional Record,
Anabaptist World, 23. Oktober 2026.





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