7. Juni 1873: Der „Duluth Minnesotian“ berichtet über mennonitische Landsucher aus Russland
- Redaktion
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Am 7. Juni 1873 veröffentlichte der „Duluth Minnesotian“ eine Mitteilung über mennonitische Landsucher aus Russland. Diese kurze Nachricht stand am Anfang einer großen Bewegung: Viele deutschsprachige Mennoniten aus dem Russischen Reich suchten damals nach neuem Siedlungsland in Nordamerika.

Der Hintergrund war ernst. Die mennonitischen Gemeinden in Südrussland hatten lange besondere Rechte besessen. Dazu gehörten eigene Schulen, Selbstverwaltung und vor allem die Befreiung vom Militärdienst. Für Mennoniten war diese Befreiung keine Nebensache. Sie gehörte zu ihrem Glauben an Wehrlosigkeit und Friedfertigkeit.
Nach den Reformen im Russischen Reich gerieten diese Rechte jedoch unter Druck. Besonders die drohende allgemeine Wehrpflicht beunruhigte viele Gemeinden. Deshalb entsandten sie 1873 Kundschafter nach Nordamerika. Diese Männer sollten prüfen, ob es dort Land, Religionsfreiheit und Möglichkeiten für geschlossene mennonitische Siedlungen gab.
Die Kundschafterreise von 1873
Zur Delegation gehörten zwölf Männer aus verschiedenen mennonitischen Gruppen und Siedlungsgebieten. Unter ihnen waren Vertreter der Bergthaler, der Kleinen Gemeinde, aus Wolhynien, Berdiansk und hutterischen Kreisen. Begleitet wurden sie unter anderem vom kanadischen Einwanderungsagenten William Hespeler und von Vermittlern, die Kontakte zu Behörden und Eisenbahngesellschaften herstellten.
Duluth war eine wichtige Station auf dieser Reise. Die Stadt lag am westlichen Ende des Oberen Sees und galt als Tor zum Nordwesten. Der „Duluth Minnesotian“ berichtete damals gern über Einwanderung, Eisenbahnbau und neue Siedler. Darum passte die Nachricht über die mennonitischen Landsucher gut in das Interesse der Zeitung.
Minnesota als mögliches Ziel
Minnesota bemühte sich aktiv um diese Einwanderer. Mennoniten galten als erfahrene, fleißige Landwirte. Besonders der Staat Minnesota und Eisenbahngesellschaften hofften, durch solche Siedler neue Gebiete zu erschließen.
Tatsächlich ließen sich später Mennoniten in Mountain Lake im Südwesten Minnesotas nieder. Die ersten Jahre waren schwer. Harte Winter, Heuschreckenplagen und die ungewohnte Siedlungsform machten den Anfang mühsam. Anders als in Russland konnten viele Mennoniten nicht in geschlossenen Dörfern leben, sondern mussten sich stärker auf Einzelhöfen einrichten.
Bedeutung der Meldung
Die Zeitungsnotiz vom 7. Juni 1873 war klein, aber historisch bedeutsam. Sie zeigt, dass die Auswanderung der Mennoniten aus Russland bereits vorbereitet wurde. Die Kundschafter sammelten Eindrücke, prüften Landangebote und berichteten später ihren Gemeinden.
In den folgenden Jahren wanderten Tausende Mennoniten nach Nordamerika aus. Einige gingen nach Kanada, andere in die Vereinigten Staaten, darunter nach Minnesota, Dakota, Nebraska und Kansas.
Für die mennonitische Geschichte war diese Reise ein wichtiger Wendepunkt. Viele Mennoniten verließen Russland nicht aus Abenteuerlust, sondern aus Gewissensgründen. Sie suchten einen Ort, an dem sie ihren Glauben, ihre Schulen, ihre Sprache und ihre Wehrlosigkeit bewahren konnten.
Quellen:
Duluth Minnesotian, Ausgabe vom 7. Juni 1873.
Minnesota Historical Society: Bestand zum „Duluth Minnesotian“.
MNopedia: „Mennonites of Mountain Lake“.
Manitoba Historical Society: „Diary of a Mennonite Delegation, 1873“.
Preservings Nr. 34: Hintergrund zur Militärdienstfrage und Auswanderung.
