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4. März 1593 – Maurits von Oranien schützt die Rechte der Mennoniten in Middelburg

Am 4. März 1593 ereignete sich in der Geschichte der Religionsfreiheit und des Wirtschaftsrechts ein wegweisender, wenn auch oft übersehener Moment. Während Europa noch tief in konfessionellen Konflikten steckte, bewies Moritz von Oranien, Statthalter der Vereinigten Niederlande, eine bemerkenswerte Weitsicht: Er stellte sich schützend vor die Mennoniten und sicherte ihnen ihre Berufs- und Gewerbefreiheit zu.


Maurits von Nassau (Moritz von Oranien), Statthalter der Niederlande – Absender des Schreibens vom 4. März 1593.
Maurits von Nassau (Moritz von Oranien), Statthalter der Niederlande – Absender des Schreibens vom 4. März 1593.

Der Konflikt: Eide und Zunftzwang


Die Mennoniten – eine täuferische Glaubensgemeinschaft – waren im 16. Jahrhundert oft Außenseiter. Ihr Problem war nicht mangelnder Fleiß, sondern ihre Prinzipientreue:

  • Eidesverweigerung: Sie weigerten sich strikt, Eide zu schwören (getreu dem Bibelwort „Eure Rede sei Ja, Ja; Nein, Nein“).

  • Pazifismus: Sie lehnten den Waffendienst ab.


Middelburg im 17 Jahrhundert Stadtplan aus dem Blaeu-Städtebuch (1649)
Middelburg im 17 Jahrhundert Stadtplan aus dem Blaeu-Städtebuch (1649)

In Städten wie Middelburg führte dies zu handfesten wirtschaftlichen Problemen. Die Zünfte verlangten von jedem Handwerker einen Eid. Wer nicht schwor, durfte kein Gewerbe betreiben. Die lokalen Behörden versuchten, die Mennoniten aus dem Wirtschaftsleben zu drängen – ein fataler Fehler, da diese als äußerst arbeitsam und zuverlässig galten.


Das Machtwort aus Den Haag


Moritz von Oranien, der vor allem als brillanter Militärstratege bekannt ist, erkannte, dass religiöse Intoleranz dem jungen niederländischen Staat schadete. Am 4. März 1593 intervenierte er direkt bei den Magistraten von Middelburg.

Seine Argumentation war so simpel wie effektiv:

  1. Wirtschaftlicher Nutzen: Er betonte, dass die Mennoniten ihre Steuern zahlten und durch ihre Arbeit zum Wohlstand der Gemeinschaft beitrugen.

  2. Pragmatismus: Er wies die Stadtverwaltung an, die Mennoniten nicht länger wegen ihrer Weigerung, Eide zu schwören, zu schikanieren. Ein Handschlag oder ein einfaches Versprechen müsse genügen.

  3. Gleichberechtigung: Solange sie ihre zivilen Pflichten erfüllten, sollten sie denselben Schutz und dieselben Rechte wie andere Bürger genießen.


„Man soll diesen Leuten nicht das Leben schwer machen, solange sie friedlich ihren Handel treiben und dem Staate dienen.“ – Sinngemäß nach den Instruktionen von Moritz von Oranien.


Die Folgen: Ein Grundstein für das Goldene Zeitalter


Dieser Erlass war weit mehr als nur ein lokaler Gefallen. Er markierte einen Wendepunkt:

  • Pionierrolle der Niederlande: Die Niederlande entwickelten sich zum sichersten Hafen für religiöse Minderheiten in Europa.

  • Wirtschaftswunder: Die Integration der Mennoniten (und später der Hugenotten und Sepharden) legte das Fundament für das Goldene Zeitalter (Gouden Eeuw). Mennonitische Unternehmer wurden später führend in der Textilindustrie, im Schiffbau und im Bankwesen.

  • Rechtssicherheit: Es wurde klargestellt, dass wirtschaftliche Teilhabe nicht von einem religiösen Bekenntnis abhängen darf.


Fazit


Moritz von Oranien handelte 1593 nicht unbedingt aus moderner Nächstenliebe, sondern aus klugem staatspolitischem Kalkül. Er verstand, dass ein Land nur dann florieren kann, wenn es das Potenzial aller Bürger nutzt – unabhängig davon, wie sie beten oder ob sie bei der Aufnahme in eine Zunft die Hand heben.


Quellen:

  • Übersicht zur Lage in Middelburg und zur Intervention Moritz’ am 4. März 1593.

  • Archivalischer Hinweis: mehrere Papierkopien des Briefes Moritz’ an den Magistrat (1593 März 4) im Bestand der Doopsgezinden Middelburg.

  • Abdruck/Überlieferung mit Datierung „’s-Gravenhage den 4e maart 1593“ (Kontext: Behinderungen der Berufsausübung).

  • Wilhelms Schreiben an die Doopsgezinden Middelburg (1577): Anerkennung des „Ja-Wortes“.

  • Biografischer Rahmen: Moritz als Statthalter der Republik.

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