4. Februar 1529 Hinrichtung Ludwig Hätzer
- Redaktion

- 4. Feb.
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Am 4. Februar 1529 wurde der Bibelübersetzer und Publizist Ludwig Hätzer (auch: Hetzer) in Konstanz mit dem Schwert hingerichtet. Offiziell lief das Verfahren unter dem Vorwurf der „Unzucht“ (zeitgenössisch: schwere Sexualdelikte wie Ehebruch/Bigamie). Doch schon Zeitgenossen verstanden, dass hier Moralanklage und Religionspolitik eng miteinander verschränkt waren: Hätzer galt als religiöser „Radikaler“ und Häretiker, und genau dieses Etikett prägte die Wahrnehmung seines Prozesses.
Wer war Ludwig Hätzer?
Hätzer stammte aus Bischofszell (Thurgau) und studierte u. a. in Basel. Früh bewegte er sich im Umfeld der Schweizer Reformation und arbeitete zeitweise nahe bei Zwingli. Bereits 1523 trat er als streitbarer Autor hervor – etwa mit einer Schrift gegen Bilderverehrung, die in der damaligen Reformdebatte hoch brisant war.
Theologisch war Hätzer kein „geradliniger“ Parteigänger. Er stand phasenweise den Schweizer Brüdern nahe, zeigte Interesse an apokalyptischen Strömungen (z. B. um Hans Hut) und war eng verbunden mit Hans Denck. In der Forschung wird er außerdem mit spiritualistischen und teils antitrinitarischen (unitarischen) Neigungen in Verbindung gebracht – eine Kombination, die in den 1520er Jahren schnell als gefährlich galt.
Die „Wormser Propheten“: Hätzers bekanntester Beitrag
Besonders nachhaltig wirkte Hätzer durch die Mitarbeit an den „Wormser Propheten“: einer deutschen Übersetzung der alttestamentlichen Propheten aus dem Hebräischen, die 1527 in Worms bei Peter Schöffer d. J. erschien. Diese Ausgabe war ein Meilenstein, weil sie die Propheten sehr früh und in unmittelbarer Nähe zum hebräischen Text in die reformatorische Öffentlichkeit brachte – noch bevor andere große Prophetenübersetzungen vollständig vorlagen.
Gerade diese Verbindung aus Sprachkompetenz, publizistischer Reichweite und radikalreformatorischen Netzwerken machte Hätzer für Obrigkeiten doppelt problematisch: Er war nicht nur „abweichend“, sondern konnte seine Gedanken auch wirksam verbreiten.
Verhaftung, Prozess und Hinrichtung
Nach späteren Berichten wurde Hätzer im Herbst/November 1528 ergriffen und in Konstanz festgesetzt; dabei spielte offenbar auch Druck bzw. eine Vorgeschichte aus Augsburg eine Rolle. Im längeren Prozess wurden Sexualvorwürfe zentral – die Quellenlage zeigt aber, dass Hätzer gleichzeitig als „notorischer Täufer“ bzw. religiöser Unruhestifter beschrieben wurde. Diese Doppelmarkierung (moralisch verwerflich und religiös gefährlich) passte in ein Muster der Zeit: Wo „Häresie“ politisch nicht immer leicht zu fassen war, konnten Sittlichkeitsanklagen ein juristisch wirksamer Hebel sein.
Am 4. Februar 1529 endete das Verfahren mit der Enthauptung in Konstanz.
Warum ist Hätzer für Täufer- und Mennonitengeschichte wichtig?
Für die mennonitische Erinnerung ist Hätzer weniger als „Gemeindeleiter“ bedeutsam, sondern als Grenzgängerfigur der frühen Radikalreformation:
als Bibelübersetzer (Wormser Propheten) mit großer Wirkung auf reformatorische Lesekultur
als Beispiel dafür, wie schnell religiöse Abweichung in der Frühen Neuzeit in Lebensgefahr münden konnte
als Fall, der zeigt, wie religiöse Konflikte oft über „weltliche“ Anklagepunkte (Moral/Ordnung) eskalierten
Hätzers Tod steht damit exemplarisch für die Härte der 1520er Jahre: eine Zeit, in der Reformation nicht nur Erneuerung bedeutete, sondern auch Grenzziehung, Kontrolle und Verfolgung.
Quellen
Mennonitisches Lexikon (MennLex), Artikel „Hätzer, Ludwig“
Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), „Ludwig Hätzer“
Gary K. Waite / Geoffrey Dipple (Forschung zum Prozess; Aufsatz: The Trial and Execution of Ludwig Hätzer)
Stadt Worms / Lutherseite: Hintergrund zu den „Wormser Propheten“
Überblicksartikel zu den „Wormser Propheten“




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