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28. Januar 1544: Menno Simons debattiert mit Johann a Lasco in Emden


Emden im Winter 1544: In der Hafenstadt Ostfrieslands, einem Knotenpunkt für Handel, Flüchtlinge und neue Glaubensideen, treffen zwei Männer aufeinander, die wie kaum andere für gegensätzliche Wege der Reformation stehen. Menno Simons, der führende Kopf der friedfertigen Täuferbewegung im niederländisch-norddeutschen Raum, kommt zu einem Religionsgespräch mit Johannes (Johann) a Lasco, dem reformierten Superintendenten in Emden.


Das Gespräch beginnt am 28. Januar und zieht sich über mehrere Tage hin – bis 31. Januar 1544.


Emden als Bühne: Zuflucht und Reformationslabor


Warum gerade Emden? Die Stadt war in diesen Jahren ein vergleichsweise offener Ort: religiöse Vielfalt existierte hier länger nebeneinander als in vielen anderen Regionen. A Lasco arbeitete in Emden daran, das reformierte Kirchenwesen zu ordnen – mit klaren Strukturen, Predigtamt und kirchlicher Disziplin. Gleichzeitig bewegten sich Täufergruppen (und ihre Gegner) in Ostfriesland; Emden wurde damit zu einem Ort, an dem Konflikte nicht nur mit Polizei und Gericht, sondern auch mit Argumenten ausgetragen wurden.


Die Kontrahenten


Menno Simons (1496–1561) hatte sich nach seiner Zeit als katholischer Priester der Täuferbewegung angeschlossen und wurde zu ihrem wichtigsten Organisator und Schriftsteller. Er stand für eine christliche Gemeinde „ohne Schwert“: Glaubenstaufe, Nachfolgeethik, Absonderung von Gewalt und staatlicher Kirchenmacht.



Johannes a Lasco (1499–1560), aus Polen stammend, war ein europaweit vernetzter Reformator. In Emden versuchte er, eine tragfähige reformierte Ordnung aufzubauen – und suchte zugleich theologische Klärung gegenüber Gruppen, die sich dem entzogen.



Worum wurde gestritten?


Das Religionsgespräch zielte nicht auf höfliche Smalltalk-Ökumene, sondern auf Kernfragen der Lehre – und damit auf die Frage, wer überhaupt als „rechtgläubig“ gelten kann.


1) Erbsünde und Rechtfertigung

In Emden wurde ausdrücklich versucht, über Erbsünde und Rechtfertigung (Glaube und Werke, Gnade und neues Leben) zu einer Verständigung zu kommen. Gerade hier hoffte man offenbar, Brücken zu bauen – doch Einigung in allen Punkten blieb aus.


2) Die Menschwerdung Christi (Christologie) – der Knackpunkt

Am deutlichsten prallten die Positionen bei der Lehre von der Menschwerdung Christi aufeinander. Genau hier, so berichten die Quellen, konnte keine Übereinstimmung erzielt werden.

Menno reagierte nicht nur mündlich: Im Umfeld dieses Gesprächs verfasste er 1544 eine Schrift, ein „kurzes und klares Bekenntnis“ zur Menschwerdung Christi, ausdrücklich an a Lasco und dessen Mitarbeiter in Emden gerichtet – ein Zeichen, wie ernst er die Debatte nahm und wie sehr er um theologische Präzision rang.


3) Taufe, Predigtamt und Kirchenordnung

Neben der Christologie standen weitere Streitpunkte im Raum: Säuglingstaufe vs. Glaubenstaufe, die Berufung und Rolle der Prediger sowie die grundsätzliche Frage, wie Kirche organisiert sein soll.


Ausgang: Keine Einigung – aber ein bemerkenswert friedlicher Abschied


So scharf die Differenzen waren: Das Gespräch endete nicht in einer Eskalation. Es heißt, man trennte sich freundlich; zugleich bat a Lasco Menno, seine Lehre innerhalb einer Frist schriftlich darzulegen. Ergebnis war also keine „Fusion“, sondern eine Klärung der Frontlinien – und ein weiterer Schub für Mennos publizistisches Wirken.


Warum dieses Datum für Täufer und Reformierte wichtig blieb


Das Emder Gespräch zeigt einen Moment, in dem sich die Reformation sichtbar ausdifferenziert: Die reformierte Richtung sucht Ordnung und öffentliche Kirchlichkeit; die Täufer betonen freiwillige Gemeinde, Glaubenstaufe und konsequente Nachfolge. Dass man darüber mehrere Tage disputierte, macht Emden zu einem Brennpunkt dieser Entscheidung. Und es ist eine Szene, die in der Erinnerung der Täufer/Mennoniten mitschwingt: nicht als Triumph, sondern als Beleg dafür, wie bewusst Menno Simons die eigene Linie gegenüber mächtigen reformierten Kirchenprojekten verteidigte.


Quellen:

  • Überblick zum Religionsgespräch (Januar 1544; Themen, Ergebnis, Ton):

  • Datierung 28.–31. Januar 1544 und Einordnung:

  • Regionaler Hintergrund Ostfriesland/Emden und Details (u. a. weitere Streitpunkte):

  • Menno-Simons-Biografie und Hinweis auf die 1544er Schrift an a Lasco:

  • Forschungskontext zu Pluralität/Konfessionalisierung und Emden:

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