Emden: Erste Mennoniten in Deutschland
- Andreas Tissen

- 31. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Aug. 2025
Während unseres Besuchs in Emden entdeckten wir Orte, die eine wichtige Rolle in der Geschichte der Mennoniten spielten, wie die „Große Kirche“, den Hafen und die Häuser der Mennoniten. Diese erinnerten daran, dass Emden vielen Glaubensflüchtlingen, auch Mennoniten, Zuflucht bot.
Die „Große Kirche“ und die Täuferbewegung
Im Jahr 1530 taufte Melchior Hoffmann etwa 300 Menschen in der „Großen Kirche“. Damit entstand die erste Täufergemeinde in Emden, und die Täuferbewegung wurde in der Stadt bekannt. Doch die Kirchen und die Behörden waren nicht einverstanden. Sie sahen die Täufer als Bedrohung und begannen, sie zu verfolgen.

Emden: Erste Mennoniten in Deutschland
Mit der Zeit schlossen sich immer mehr Täufer der Lehre von Menno Simons und Dirk Philips an. Sie zogen sich in kleine, friedliche Gemeinden zurück und lehnten Gewalt ab. Die Mennoniten wurden als „Stille im Lande“ bekannt, da sie sich von den gewaltsamen Auseinandersetzungen der Reformation abwandten und ein Leben in Frieden suchten.

Gräfin Anna gewährt Schutz
In dieser schwierigen Zeit bot Gräfin Anna von Ostfriesland den friedlichen Mennoniten Schutz. Sie schätzte die friedfertige Haltung der Mennoniten und gewährte ihnen eine sichere Zuflucht in der Region. Gräfin Anna spielte eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Existenz der Mennoniten in Ostfriesland.

Mennoniten in der Polizeiordnung von 1545
Die Polizeiordnung von 1545 verbot radikalen und apokalyptischen Täufern, in Ostfriesland zu bleiben. Die Mennoniten dagegen mussten der Obrigkeit ihre friedliche Gesinnung überzeugend darlegen, um weiterhin in der Region leben zu dürfen. Zum ersten Mal wurden sie in dieser Ordnung ausdrücklich als „Meniten“ (Mennoniten) benannt.

"Wenn jemand, der nur wegen seines Bekenntnisses zum Evangelium vertrieben ist, um Aufnahme bittet, so soll man ihm diese nicht verweigern, damit Stadt und Land sich an Einwohnern mehre." Polizeiordnung von 1545
Befreiung von der Wehrpflicht durch Wachtgeld
Ab 1595 wurde in Ostfriesland das Wachtgeld eingeführt. Diese Abgabe ermöglichte es den Mennoniten, sich von der Wehrpflicht zu befreien. Das Wachtgeld wurde als Ersatz für den Militärdienst akzeptiert und ermöglichte es den Mennoniten, ihren Glauben zu leben, ohne zum Kriegsdienst gezwungen zu werden.

Am Hafen kommen die Glaubensflüchtlinge an
In der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen sehr viele Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden und aus Flandern im Hafen von Emden an. Man spricht von etwa 8000 Flüchtlingen, die hier Zuflucht fanden, und das bei einer Einwohnerzahl Emdens von ebenfalls etwa 8000 Menschen! Schätzungen zufolge könnten etwa 10-15% der Glaubensflüchtlinge, die nach Emden kamen, Mennoniten oder Täufer gewesen sein, was etwa 800 bis 1200 Personen ausmachen würde.

Der Aufstieg der Mennoniten in Emden
Ab 1560 kamen immer mehr Flüchtlinge nach Ostfriesland, und auch in Emden fanden viele verfolgte Mennoniten eine neue Heimat. Sie brachten „Fachwissen, neue Technologien und Handelskontakte aus den Niederlanden“ mit, was der Stadt wirtschaftlich zugutekam. Die Mennoniten, die vor allem im Handel und in der Textilindustrie tätig waren, trugen viel zur wirtschaftlichen Blüte der Stadt bei. Sie bewohnten die vornehmsten Häuser und handelten viel.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Mennoniten in Emden
Die Mennonitenfamilien trugen wesentlich zum wirtschaftlichen Wachstum Emdens bei, besonders im Handel, Schiffbau und der Textilproduktion. Die Pelzhäuser, die einzigen erhaltenen Gebäude aus dieser Zeit, spiegeln den flämisch-niederländischen Stil des 16. Jahrhunderts wider und erinnern an den Einfluss der niederländischen Mennoniten auf die Stadt.

Die Bibliothek der „Großen Kirche“
In der „Großen Kirche“, in der einst die ersten Erwachsenentaufen stattfanden, gibt es schon seit vielen Jahren eine Bibliothek. In dieser Bibliothek sind auch viele Schriften über die Täuferbewegung und die Mennoniten zu finden. Diese Bibliothek zeigt uns heute noch, wie eng die Mennoniten mit der Geschichte der Stadt verbunden sind.

Der Gewinn durch Flüchtlinge
Die vielen Glaubensflüchtlinge, die im 16. Jahrhundert nach Emden kamen, haben die Stadt stark bereichert. Besonders die Mennoniten trugen entscheidend zur wirtschaftlichen Blütezeit bei. Sie halfen, Emden zu einem wichtigen Handelszentrum in Norddeutschland zu machen. Mit ihrem Wissen im Handel, Schiffbau und der Textilproduktion trugen sie zum Wohlstand der Stadt bei. Die Entscheidung, „mit den Fremden das Brot zu teilen“, hat sich also wirklich gelohnt.
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