24. Februar 1946: Das erste Tauffest unter den Enlhet Indianern
- Redaktion

- 24. Feb.
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Am 24. Februar 1946 fand in Filadelfia (Kolonie Fernheim, paraguayischer Chaco) ein Ereignis statt, das in der Missions- und Kirchengeschichte der Region bis heute als Meilenstein gilt: das erste Tauffest unter Angehörigen der Enlhet Norte – damals in der deutschsprachigen Umgebung meist noch „Lenguas“ genannt. Sieben Enlhet-Männer bekannten öffentlich ihren Glauben an Jesus Christus und wurden getauft. Damit entstand die erste Enlhet-Gemeinde im zentralen Chaco.
Ort und Ablauf: Taufe im „Tajamar“ beim heutigen Industriewerk
Die Taufe geschah nicht in einer Kirche, sondern – ganz pragmatisch und zugleich symbolträchtig – in einem Tajamar (Wasserreservoir/Teich) auf dem Gelände des heutigen Industriewerks in Filadelfia. Die Feier begann früh am Morgen, viele Menschen kamen aus unterschiedlichen Richtungen zusammen; gesungen wurde ein Choral unter freiem Himmel. Getauft wurde durch Untertauchen.

Dass man einen Tajamar wählte, passt zur Chaco-Realität: Wasser war und ist im zentralen Chaco ein entscheidender Faktor des Lebens – und die Taufhandlung bekam dadurch einen sehr konkreten, ortsbezogenen Charakter.
„Nach 10 Jahren Missionsarbeit“: Der Weg bis 1946
Historische Quellen berichten von einem längeren Vorlauf: rund zehn Jahre Missionsarbeit, bis die ersten sieben Kandidaten bereit waren, die Taufe zu empfangen. Als erste Bekehrung wird Sepe Lhama genannt, der als Sprachhelfer mit den Missionaren arbeitete. In einer persönlichen Krise habe er eine tiefgreifende innere Umkehr erlebt; gemeinsam mit Missionar Giesbrecht habe er nachts im hohen Gras gebetet – später beschrieb er dies als ein „Inneres gewechselt“. Sepe Lhama folgten sechs weitere Männer.

Ein interessantes Detail ist die kirchlich-organisatorische Vorbereitung: Das Missionskomitee von „Licht den Indianern“ beriet am 12. März 1945 u. a. ausdrücklich die Taufform und entschied sich einstimmig für die Taufe durch Untertauchen. Am 17. Februar 1946 wurden die sieben Kandidaten geprüft und zur Taufe empfohlen – eine Woche später kam es zum öffentlichen Tauffest.
Wer sind die Enlhet?
Die Enlhet (früher „Nord-Lengua“) gehören zur Sprachfamilie Enlhet-Enenlhet (in älterer Literatur auch „Mascoy/Lengua-Mascoy“). Ihr Siedlungsgebiet liegt im paraguayischen Chaco; in der Forschung werden mehrere verwandte Gruppen derselben Sprachfamilie unterschieden (u. a. Énxet/Süd-Lengua, Angaité, Sanapaná u. a.).
Wichtig ist dabei: „Lengua“ ist ein historischer Fremdname, der lange Zeit (auch in kirchlichen Quellen) üblich war, während Enlhet die heute gebräuchliche Eigenbezeichnung ist.
Historischer Hintergrund: Chacokrieg, Krankheiten und Umbrüche
Die 1930er und 1940er Jahre waren für die Enlhet von massiven Umbrüchen geprägt. Enlhet-Quellen berichten, dass ihr Gebiet im Chacokrieg (1932–1935) unmittelbar betroffen war; zugleich traf sie eine Pockenepidemie (1932), die binnen weniger Monate mindestens die Hälfte der Bevölkerung das Leben gekostet habe.
Diese Erfahrungen bilden den düsteren historischen Horizont, vor dem Kontakte, Mission und Gemeindebildung stattfanden. Gleichzeitig ist es wichtig, solche Prozesse nicht nur als „Missionserfolg“ zu erzählen, sondern auch als Teil einer Zeit, in der indigene Gesellschaften unter starkem Druck standen und neue religiöse Bindungen oft in ein Geflecht aus Schutzsuche, Abhängigkeiten und Neuorientierung eingebettet waren.
Folgen: Gemeindeaufbau und Wachstum
Ein Beitrag von der Radiostation ZP-30 zieht eine lange Linie bis in die Gegenwart: Aus der ersten kleinen Gemeinschaft von sieben Getauften seien in 80 Jahren acht Gemeinden unter den Enlhet entstanden – mit rund 3.000 getauften Gliedern. Gleichzeitig verschweigt der Bericht nicht, dass die ersten Schritte von Lernprozessen begleitet waren – etwa bei Fragen von Ehrlichkeit, Eheverständnis und der Abkehr von alten Festen.




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