24. Februar 1527 Erstes Glaubensbekenntnis der Täufer
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Am 24. Februar 1527 trafen sich in Schleitheim (bei Schaffhausen) Vertreter der frühen Täuferbewegung. Ziel des Treffens war es, der noch jungen und stark verfolgten Bewegung eine klare geistliche und gemeindliche Orientierung zu geben. Das dort verabschiedete Dokument gilt als die erste ausformulierte Bekenntnisschrift der Täuferbewegung und ist unter dem Namen Schleitheimer Artikel bzw. Schleitheimer Bekenntnis bekannt. Es wird in der Forschung überwiegend Michael Sattler als Hauptverfasser zugeschrieben.
Historischer Hintergrund
Die Täuferbewegung war wenige Jahre zuvor aus dem reformatorischen Umfeld in Zürich hervorgegangen. Nachdem es zum Bruch mit Zwingli und dem Zürcher Rat gekommen war, führten die Täufer am 21. Januar 1525 die Gläubigentaufe ein und bildeten eine eigenständige Gemeinschaft. Zugleich nahm die Verfolgung rasch zu. In Zürich wurde hart gegen täuferische Predigt und Taufe vorgegangen; Felix Manz wurde Anfang 1527 hingerichtet. Diese Lage des äußeren Drucks erklärt, warum eine gemeinsame Klärung von Lehre und Gemeindepraxis in Schleitheim so dringend war.
Auch die personelle Lage war angespannt: Konrad Grebel war bereits 1526 gestorben, und führende Männer der Bewegung waren verfolgt, inhaftiert oder auf der Flucht. In dieser Situation half das Treffen in Schleitheim, die Täuferbewegung gegen Missverständnisse und gegen fremde Einflüsse klarer zu profilieren.
Das Schleitheimer Bekenntnis
Das Dokument trägt den Titel:
„Brüderliche vereynigung etzlicher kinder Gottes / siben Artickel betreffend“
Es handelt sich nicht um eine vollständige Dogmatik, sondern um eine Einigungsschrift zu zentralen Fragen des Glaubenslebens und der Gemeindeordnung. Die sieben Artikel behandeln:
Taufe (Gläubigentaufe statt Säuglingstaufe)
Bann / Gemeindezucht
Brotbrechen (Abendmahl)
Absonderung (Trennung von einem unchristlichen Lebenswandel)
Hirtenamt / Diener in der Gemeinde
Das Schwert (Absage an Gewalt in der Gemeinde / Nachfolge in Gewaltlosigkeit)
Der Eid (Ablehnung des Schwörens)
Bedeutung für die Täufer- und Mennonitengeschichte
Die Schleitheimer Artikel prägten besonders das Denken der Schweizer Brüder, später auch der Hutterer, Amischen und vieler mennonitischer Traditionen. Sie markierten einen klaren Weg zwischen den damaligen Staatskirchen (katholisch und reformatorisch) und einer täuferischen Gemeindevorstellung, die auf freiwilligem Glauben, verbindlicher Nachfolge und Gemeindezucht beruhte.
Zugleich ist historisch wichtig: Die Artikel wurden zwar sehr früh einflussreich, doch ihre unmittelbare Verbreitung war zunächst vor allem in der Schweiz und im süddeutschen Raum stark. Spätere mennonitische Bekenntnisse (z. B. Dordrecht 1632) stehen inhaltlich teils in ihrer Linie, sind aber nicht einfach eine direkte Fortschreibung desselben Textes.
Schnelle Verbreitung und Reaktionen der Reformatoren
Das Schleitheimer Bekenntnis verbreitete sich für die damalige Zeit erstaunlich schnell. Bereits noch 1527 setzte sich Huldrych Zwingli mit den Artikeln auseinander und verfasste eine Widerlegung. Johannes Calvin griff die Schleitheimer Artikel später ebenfalls auf – allerdings nicht sieben, sondern siebzehn Jahre später, nämlich in seiner Antitäuferschrift von 1544.
Druckgeschichte und Überlieferung
Die Schleitheimer Artikel wurden schon früh gedruckt. Eine frühe Druckfassung erschien zwischen 1527 und 1529 bei Peter Schöffer dem Jüngeren in Worms. Spätere Ausgaben folgten unter anderem 1533 in Straßburg sowie eine weitere deutsche Ausgabe um 1550; außerdem erschien 1560 eine niederländische Ausgabe. Diese Überlieferung zeigt, dass der Text weit über das eigentliche Treffen in Schleitheim hinaus wirkte.
Michael Sattler und das Zeugnis der frühen Täufer
Michael Sattler, der als Hauptverfasser der Schleitheimer Artikel gilt, wurde wenige Monate nach dem Treffen in Schleitheim in Rottenburg am Neckar hingerichtet. Sein Tod und die Berichte darüber trugen zusätzlich dazu bei, dass die Schleitheimer Artikel in der frühen Täuferbewegung bekannt wurden.
Weitere Informationen können auf der Seite des Schleitheimer Museums nachgelesen werden.




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