21. Mai 1527 Michael Sattler wird hingerichtet
- Redaktion

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Am 21. Mai 1527 wurde Michael Sattler in Rottenburg am Neckar hingerichtet. In der täuferisch-mennonitischen Erinnerung gehört sein Tod zu den bekanntesten Märtyrergeschichten der Reformationszeit. Manche wissenschaftliche Darstellungen nennen den 20. Mai 1527 als Hinrichtungstag, während täuferische und erbauliche Überlieferungen häufig den 21. Mai nennen. Sicher ist: Sattler starb im Mai 1527 nach einem Prozess in Rottenburg am Neckar durch den Feuertod.
Michael Sattler wurde um 1490 in Staufen im Breisgau geboren. Er war zunächst Benediktinermönch im Kloster St. Peter im Schwarzwald und brachte es dort bis zum Prior. Um 1524 verließ er das Kloster. Diese Entscheidung fiel in eine Zeit großer religiöser und gesellschaftlicher Unruhe: Die Reformation breitete sich aus, Bauernunruhen erschütterten Südwestdeutschland, und vielerorts wurde neu gefragt, wie Gemeinde, Taufe, Abendmahl und christliches Leben nach dem Neuen Testament auszusehen hätten.
Sattler wandte sich der Täuferbewegung zu. Diese Bewegung war überzeugt, dass die Taufe an den persönlichen Glauben gebunden sein müsse. Die Kindertaufe wurde daher abgelehnt. Damit stellten die Täufer nicht nur eine kirchliche Praxis infrage, sondern auch die damalige Verbindung von Kirche, Obrigkeit und Gesellschaft. Wer die Kindertaufe verweigerte, entzog sich nach damaligem Verständnis zugleich einem Grundpfeiler der öffentlichen Ordnung.
Ab Juni 1526 ist Sattlers missionarische Tätigkeit als Täufer belegt. Er wirkte im Zürcher Unterland, in Lahr und später im süddeutschen Raum. Auch in Straßburg trat er hervor. Dort setzte er sich bei Martin Bucer und Wolfgang Capito für gefangene Täufer ein. Schon hier zeigte sich sein Anliegen: Die Gemeinde sollte nicht durch staatlichen Zwang, sondern durch freiwillige Nachfolge Christi, biblische Ordnung und brüderliche Verantwortung geprägt sein.
Die Schleitheimer Artikel: ein Schlüsseltext des Täufertums
Besonders bekannt wurde Michael Sattler durch seine Verbindung mit den Schleitheimer Artikeln, auch Brüderliche Vereinigung genannt. Am 24. Februar 1527 kamen täuferische Leiter in Schleitheim bei Schaffhausen zusammen. Unter Sattlers maßgeblichem Einfluss wurden sieben Artikel formuliert, die zu einem der wichtigsten Bekenntnisdokumente des frühen Täufertums wurden.
Diese Artikel behandelten zentrale Fragen:
Thema | Inhalt |
Taufe | Taufe der Glaubenden statt Kindertaufe |
Bann | Gemeindezucht bei offenbarer Sünde |
Abendmahl | Gemeinschaft der Gläubigen im Gedächtnis an Christus |
Absonderung | Trennung von gottlosem Wesen und falschem Gottesdienst |
Hirtenamt | Wahl und Verantwortung der Gemeindeleiter |
Schwert | Ablehnung von Gewalt und weltlicher Strafgewalt durch Christen |
Eid | Verweigerung des Schwörens nach Matthäus 5 |
Gerade die Artikel über Absonderung, Wehrlosigkeit und Eidverweigerung prägten das spätere mennonitische Selbstverständnis stark. Sattler vertrat eine Gemeinde, die Christus nachfolgt, ohne Gewalt auszuüben, ohne politische Macht zu suchen und ohne sich durch Eid und Schwert an die Welt zu binden. MennLex beschreibt die Schleitheimer Artikel als ein „theologisches Wahrzeichen“ des frühen Täufertums.
Verhaftung und Prozess
Nach der Zusammenkunft in Schleitheim reiste Sattler nach Württemberg beziehungsweise in den Raum Horb und Rottenburg. Dort waren täuferische Kreise bereits ins Visier der Obrigkeit geraten. Sattler wurde zusammen mit seiner Frau Margareta und weiteren Täufern verhaftet. Bei ihm fand man offenbar belastende Schriften, darunter die Schleitheimer Artikel und weitere Notizen über die Tätigkeit der Täufer.
Der Prozess gegen Sattler fand in Rottenburg am Neckar statt. Die Vorwürfe lauteten unter anderem auf Ablehnung der Kindertaufe, Verwerfung bestimmter kirchlicher Lehren, Ablehnung des Eides und Kritik am Gebrauch des Schwertes. In der damaligen Rechtsordnung galt dies nicht nur als religiöser Irrtum, sondern als Angriff auf die öffentliche Ordnung. Nach dem Wormser Edikt von 1521 und weiteren Reichsmandaten war religiöse Abweichung im Reich streng bedroht.
Sattler verteidigte sich ruhig und entschieden. Er bestritt nicht, dass er die Kindertaufe ablehnte und eine Gemeinde der Glaubenden vertrat. Auch die Eidverweigerung begründete er biblisch, besonders mit Matthäus 5. Nach täuferischer Überzeugung sollte der Christ nicht durch Schwur und Gewalt, sondern durch Wahrhaftigkeit, Frieden und Gehorsam gegenüber Christus erkennbar sein.
Ein grausames Urteil
Das Urteil war hart. Sattler wurde als Ketzer verurteilt. Die Überlieferung berichtet von schwerer Folter vor der Hinrichtung. Danach wurde er in Rottenburg am Neckar verbrannt. Seine Frau Margareta blieb ebenfalls standhaft. Zwei Tage nach Sattlers Tod wurde sie ertränkt, nachdem sie Angebote ausgeschlagen hatte, durch Widerruf ihr Leben zu retten.

In der Erinnerung der Täufer wurde Sattlers Tod nicht als Niederlage verstanden. Er galt als Zeugnis für den Glauben an Christus. Besonders eindrucksvoll ist, dass sein Einfluss eigentlich erst nach seinem Tod groß wurde. Die Schleitheimer Artikel, sein Gefängnisbrief an die Gemeinde in Horb und Berichte über sein Martyrium wurden weitergegeben und stärkten täuferische Gemeinden in einer Zeit schwerer Verfolgung.
Bedeutung für Mennoniten bis heute
Michael Sattler gehört zu den prägenden Gestalten der frühen Täuferbewegung. Er wirkte nur kurze Zeit als täuferischer Leiter, doch seine Gedanken wirkten weit über sein Leben hinaus. Sein Vermächtnis liegt nicht in politischer Macht, sondern in geistlicher Klarheit: Gemeinde soll aus freiwilligen Nachfolgern Christi bestehen; der Glaube soll sichtbar werden in Gehorsam, Frieden, Wahrheit und Absonderung von gottlosem Wesen.
Für Mennoniten ist Sattler deshalb mehr als eine historische Figur. Er steht für eine Linie des Glaubens, die Christus höher achtet als Anerkennung, Sicherheit oder weltliche Vorteile. Sein Leben erinnert daran, dass biblische Überzeugung ihren Preis haben kann. Gerade darin liegt die bleibende Kraft seines Zeugnisses.
Michael Sattler starb jung und äußerlich machtlos. Doch sein Zeugnis blieb. Die Schleitheimer Artikel wurden zu einem Grunddokument des Täufertums, und sein Märtyrertod wurde zu einem ernsten Ruf an kommende Generationen: Der Glaube an Christus ist nicht nur Bekenntnis mit Worten, sondern Nachfolge mit dem ganzen Leben.
Quellen:
MennLex: „Sattler, Michael“ – biografischer Überblick, Prozess, Hinrichtung und Wirkung.
MennLex: „Brüderliche Vereinigung (Schleitheim)“ – Entstehung, Inhalt und Wirkung der Schleitheimer Artikel.
GAMEO: „Sattler, Michael“ – ausführliche Darstellung von Verhaftung, Prozess, Verteidigung und Nachwirkung.
Märtyrerspiegel.de: „Michael Sattler“ – täuferische Kurzbiografie mit Hinweisen auf Schriften, Briefe und Märtyrerüberlieferung.
German History in Documents and Images: „An Anabaptist Confession of Faith—The Schleitheim Articles, 1527“ – historische Einordnung der Schleitheimer Artikel.




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