20. Oktober 1571: Hans Haslibacher wird in Bern hingerichtet

Am 20. Oktober 1571 wurde der Täuferprediger Hans Haslibacher in Bern hingerichtet. Der Bauer aus dem Emmental hatte sich trotz wiederholter Verhaftungen, Ausweisungen und behördlichen Drucks geweigert, seinen täuferischen Glauben aufzugeben. Mit seinem Tod endete die Reihe der offiziellen Hinrichtungen von Täufern im bernischen Herrschaftsgebiet.
Vorweg ist eine historische Angabe zu korrigieren: In manchen Zusammenstellungen findet sich der Name H. Halisbacher und die Angabe, er sei „lebendig verbrannt“ worden. Gemeint ist Hans Haslibacher, auch Haslebacher geschrieben. Nach dem Historischen Lexikon der Schweiz und den mennonitischen Quellen wurde er am 20. Oktober 1571 in Bern geköpft, nicht verbrannt.
Ein Bauer aus dem Emmental wird Täuferprediger
Hans Haslibacher wurde nach 1500 in der Gegend von Sumiswald im Emmental geboren. Er lebte als Landwirt auf dem Hof Haslenbach und schloss sich spätestens in den frühen 1530er Jahren der Täuferbewegung an. Bald gehörte er zu deren einflussreichen Lehrern und Predigern im bernischen Gebiet.
Die Täufer vertraten Überzeugungen, die sie in schweren Gegensatz zur damaligen Verbindung von Kirche und Staat brachten. Sie lehnten die Kindertaufe ab und verstanden die Taufe als bewusste Entscheidung eines Menschen, der zum Glauben an Jesus Christus gekommen war. Ebenso betonten sie die Nachfolge Jesu und den Aufbau einer Gemeinde, deren Zugehörigkeit nicht durch Geburt oder staatliche Ordnung bestimmt werden sollte. Nach Einführung der Reformation in Bern 1528 ging die Obrigkeit deshalb zunehmend gegen die Täufer vor.
Haslibacher verteidigt seinen Glauben
Im März 1538 nahm Haslibacher an der großen Berner Täuferdisputation teil. Dort versuchten Vertreter der reformierten Kirche, führende Täufer von ihren Überzeugungen abzubringen. Haslibacher gehörte zu den Männern, die auf täuferischer Seite für ihre Glaubensauffassung eintraten. Die Gespräche führten jedoch nicht zu einer Verständigung.

In den folgenden Jahrzehnten geriet Haslibacher immer wieder mit den Behörden in Konflikt. Zwischen 1561 und 1569 wurde er mehrfach bestraft, verhaftet und aus dem Gebiet ausgewiesen. Trotzdem kehrte er zurück. Aus seiner Sicht konnte ein staatliches Verbot ihn nicht von der Gemeinschaft mit seinen Glaubensgeschwistern und von seinem Auftrag als Prediger entbinden.
Nach der Darstellung der Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online wurde auch sein Besitz eingezogen. Selbst sein Sohn, der der reformierten Kirche angehörte, wurde 1571 mit einer hohen Geldstrafe belegt, weil er seinen Vater aufgenommen hatte.
Die letzte Gefangenschaft
1571 wurde Haslibacher erneut festgenommen und zunächst im Schloss Trachselwald gefangen gehalten. Am 29. August ordnete der Kleine Rat seine Überführung nach Bern an. Dort versuchten Geistliche und Behörden nochmals, ihn zum Widerruf seiner täuferischen Überzeugungen zu bewegen. Doch Haslibacher blieb bei seinem Glauben.

Am 20. Oktober 1571 wurde das Todesurteil vollstreckt. Hans Haslibacher wurde in Bern enthauptet. Er gilt damit als letzter Täufer, der im bernischen Herrschaftsgebiet offiziell wegen seines Glaubens hingerichtet wurde. Das bedeutet allerdings nicht, dass damit die Verfolgung der Täufer endete. Gefängnis, Ausweisung, Enteignung und andere Zwangsmaßnahmen wurden auch später noch angewandt.
Das Haslibacher-Lied bewahrt sein Andenken
Besonders bemerkenswert ist, wie stark Haslibachers Tod im Gedächtnis der Täufer weiterlebte. Ein unbekannter täuferischer Verfasser schrieb das 32 Strophen umfassende Haslibacher-Lied. Es erzählt von seiner Gefangenschaft, seiner Glaubensfestigkeit und seinem Tod. Einige Teile sind deutlich legendenhaft ausgeschmückt und dürfen daher nicht als wörtlicher historischer Bericht verstanden werden.

Das Lied verbreitete sich weit über die Schweiz hinaus. Es wurde später in den „Ausbund“, das bedeutende Liederbuch der Täufer, aufgenommen und blieb insbesondere in täuferischen Gemeinschaften Nordamerikas bekannt. Die Berner Obrigkeit versuchte dagegen mehrfach, das Lied wegen seiner Kritik an den Behörden zu verbieten.
Ein Zeugnis der Standhaftigkeit
Hans Haslibacher war kein gelehrter Theologe und kein mächtiger Mann. Er war ein Bauer aus dem Emmental. Gerade darin liegt ein Teil seiner Bedeutung für die täuferische Geschichte. Über Jahrzehnte hielt er an der Überzeugung fest, dass in Glaubensfragen letztlich Gott und das eigene Gewissen dem Staat übergeordnet seien.
Sein Tod am 20. Oktober 1571 erinnert deshalb nicht nur an die harte Verfolgung der Täufer in der Reformationszeit. Für Mennoniten und andere Täufer wurde Haslibacher zugleich zu einem Beispiel dafür, dass christliche Überzeugungen auch dann festgehalten werden sollten, wenn dies persönliche Nachteile, Ausgrenzung und Verfolgung mit sich bringt.

Der historische Hof seiner Familie in Sumiswald besteht bis heute. Nach Angaben der Gemeinde Sumiswald wurde er über viele Generationen von Haslibachers Nachkommen bewirtschaftet. Dort befindet sich heute ein kleines Täufermuseum, das an Hans Haslibacher und die Geschichte der verfolgten Berner Täufer erinnert.
Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz, „Hans Haslibacher“. hls-dhs-dss.ch
Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online, „Haslibacher, Hans (d. 1571)“. gameo.org
Gemeinde Sumiswald, Täufermuseum Sumiswald. sumiswald.ch
German History in Documents and Images, „Haslibacherlied“.





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