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14. März 1675: Die Mennonitenkirche in Altona wird eingeweiht

Historische Darstellung der Mennonitenkirche an der Großen Freiheit in Altona. Die Federzeichnung von Ludwig Schwarz aus dem Jahr 1918 zeigt nicht den 1675 eingeweihten ersten Holzbau, sondern den nach dem Schwedenbrand von 1713 errichteten Kirchenbau von 1717.
Historische Darstellung der Mennonitenkirche an der Großen Freiheit in Altona. Die Federzeichnung von Ludwig Schwarz aus dem Jahr 1918 zeigt nicht den 1675 eingeweihten ersten Holzbau, sondern den nach dem Schwedenbrand von 1713 errichteten Kirchenbau von 1717.

Am 14. März 1675 erreichte die mennonitische Gemeinde in Altona einen wichtigen Meilenstein ihrer Geschichte: An diesem Tag wurde ihre erste eigene Kirche an der Großen Freiheit eingeweiht. Der Prediger Ocke Pieters hielt die erste Predigt im neuen Gebäude. Für die Gemeinde war dies weit mehr als nur die Eröffnung eines Versammlungsraums. Die Einweihung zeigte, dass sich die Mennoniten nach Jahrzehnten des Duldens und der provisorischen Gottesdienste in Privathäusern und Hintergebäuden nun sichtbar und dauerhaft in Altona etabliert hatten.


Die Mennoniten waren seit dem frühen 17. Jahrhundert in Altona ansässig. Während das benachbarte Hamburg lutherisch geprägt war und religiöse Abweichungen nur begrenzt duldete, bot Altona den Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden bessere Möglichkeiten zur Ansiedlung und zur freien Religionsausübung. Das Gebiet, in dem sie sich niederlassen konnten, wurde nicht zufällig „Freiheit“ genannt; bis heute erinnern die Straßennamen Große Freiheit und Kleine Freiheit daran. Dennoch blieben die Mennoniten eine Minderheit, die gesellschaftlich und politisch nicht völlig gleichgestellt war. Gerade deshalb besaß ein eigenes Gotteshaus für sie großes Gewicht.


Historische Karte von Altona 1802
Historische Karte von Altona 1802

Der Bau der Kirche war auch ein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. Nach Angaben der Gemeinde- und Forschungsliteratur wurde das Gebäude durch einen Beitrag finanziert, der fünf Prozent des Erlöses einer Walfangsaison ausmachte. Zahlreiche Mennoniten in Hamburg und Altona waren im 17. Jahrhundert als Kaufleute, Reeder, Makler, Handwerker und besonders im Walfang tätig. In den frühen 1670er Jahren erlebte dieser Wirtschaftszweig eine günstige Phase, wovon auch die Gemeinde profitierte. So wurde die Einweihung vom 14. März 1675 zugleich zu einem sichtbaren Zeichen dafür, dass eine einst verfolgte Flüchtlingsgruppe in der Elbregion wirtschaftlich Fuß gefasst hatte.


Die Gemeinde selbst war zu dieser Zeit bereits beachtlich gewachsen. Mitte der 1670er Jahre zählte die flämische Mennonitengemeinde in Altona nach einer überlieferten Mitgliederliste etwa 250 getaufte Mitglieder. Die neue Kirche und der wenige Jahre später angelegte eigene Friedhof standen deshalb für wachsende Selbstständigkeit, innere Festigung und bleibende Verwurzelung. Das Gotteshaus an der Großen Freiheit blieb bis zum großen Brand Altonas im Jahr 1713 der Mittelpunkt der Gemeinde; danach wurde an gleicher Stelle beziehungsweise auf demselben Areal ein neues Kirchengebäude errichtet.


So markiert der 14. März 1675 einen stillen, aber bedeutenden Wendepunkt in der mennonitischen Geschichte Norddeutschlands. Die Einweihung der Kirche in Altona war nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch ein Bekenntnis zur Beständigkeit: Aus einer geduldeten Flüchtlingsgemeinde war eine Gemeinschaft geworden, die ihren Glauben nun mit einem eigenen Gotteshaus sichtbar in das Stadtbild einschrieb.

 

 

Quellen

  • Buch Hildebrand´s Zeittfel

  • Driedger, Michael: Zuflucht und Koexistenz. 400 Jahre Mennoniten in Hamburg und Altona. Bolanden-Weierhof: Mennonitischer Geschichtsverein / Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona, 2001. Diese Quelle ist die wichtigste Grundlage für Datum, Einweihung, Ocke Pieters, Gemeindewachstum und die Bedeutung des Kirchenbaus.

  • Mennonite Roots / Mennonitischer Geschichtsverein: „Die ehemalige Mennonitenkirche an der Großen Freiheit in Hamburg-Altona“. Nützlich für die Angaben zur Lage an der Großen Freiheit, zum Kirchenbau von 1675, zum Friedhof von 1678 und zur Zerstörung 1713.

  • GAMEO (Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online): „Hamburg-Altona Mennonite Church (Freie und Hansestadt Hamburg, Germany)“. Hilfreich besonders für den Kontext der Gemeindeentwicklung und für den Hinweis auf die Finanzierung des Kirchenbaus.

  • Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona: offizielle Gemeindeseite. Gut als ergänzende Bestätigung der langen Gemeindetradition und der ersten Kirche in Altona seit 1601.

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