30. März 1535 Besetzung des Oldeklosters
- Redaktion

- 30. März
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Die Besetzung des Oldeklosters bei Bolsward in Friesland gehört zu den erschütterndsten Ereignissen der frühen niederländischen Täufergeschichte. Das Oldekloster, auch Bloemkamp genannt, war ein altes Zisterzienserkloster in der Nähe von Bolsward. Ende März 1535 wurde es von einer Gruppe radikaler Täufer eingenommen und für wenige Tage zu einem Stützpunkt des aufständischen Täufertums. Damit rückte der Konflikt, der sich in Münster bereits dramatisch zugespitzt hatte, auch in Friesland mit voller Wucht in den Vordergrund.
Der Hintergrund dieser Besetzung lag in der starken Ausstrahlung des münsterischen Täuferreiches. Seit 1534 hatten sich in Münster apokalyptische Erwartungen, die Hoffnung auf das baldige Kommen des Reiches Gottes und die Vorstellung einer gewaltsamen Erneuerung der Welt miteinander verbunden. Von dort wurden Boten in andere Regionen geschickt, um weitere Anhänger zu sammeln. Einer dieser Männer war Jan van Geelen, ein Gesandter aus dem Umfeld Münsters. Er warb auch in Friesland für den bewaffneten Aufbruch. Um das Osterfest 1535 sammelte sich daraufhin eine Gruppe von etwa 300 Täufern, darunter nach einer modernen Darstellung ungefähr 200 Männer und 100 Frauen.
Die Besetzung des Klosters stand offenbar auch mit der Osterzeit in Verbindung. In dieser Zeit achteten die Behörden besonders darauf, wer zur Messe ging und wer sich verweigerte. Gerade Menschen, die sich dem katholischen Sakrament entziehen wollten, gerieten rasch unter Verdacht. Als sich eine Gruppe solcher Täufer sammelte, kam es zunächst zu einem Zusammenstoß mit Truppen des Statthalters. Die Täufer konnten diesen ersten Angriff abwehren. Das ermutigte sie, das befestigte Kloster Oldekloster am 30. März 1535 einzunehmen. Die Mönche und der Abt wurden vertrieben, und die neuen Besetzer begannen sofort, die Anlage zu sichern. Wegen ihrer Mauern und Wassergräben schien sie gut zur Verteidigung geeignet.
Die Besetzer handelten aus einer Mischung von religiösem Eifer, Endzeiterwartung und revolutionärer Hoffnung. Sie meinten, auf das baldige Eingreifen Gottes zuzugehen und das Reich Christi auf Erden vorbereiten zu müssen. In ihren Augen war Münster nicht nur ein fernes Ereignis, sondern ein Signal, jetzt selbst zu handeln. Gerade darin lag aber die große Tragik: Während spätere mennonitische Gemeinden für Friedfertigkeit bekannt wurden, war dieser Abschnitt noch von einer ganz anderen, gewaltsamen Richtung des Täufertums geprägt.
Der kaiserliche Statthalter von Friesland, Georg Schenck van Toutenburg, reagierte rasch. Er ließ das Kloster belagern, doch die Einnahme war schwieriger als erwartet. Die ersten Angriffe wurden zurückgeschlagen. Zeitweise war die Lage für die Obrigkeit so ernst, dass sogar zusätzliche Hilfe und Geldmittel erbeten wurden. Erst nach mehreren Tagen gelang der entscheidende Schlag. Mit Hilfe schwerer Geschütze und offenbar auch mit Hinweisen eines ortskundigen Mönchs gelang es den Belagerern, die Verteidigung entscheidend zu treffen. Am 7. April 1535 wurde das Oldekloster schließlich gestürmt.
Der Ausgang war verheerend. Viele der Täufer starben schon beim Sturm auf das Kloster. Andere wurden unmittelbar danach festgenommen. Überliefert ist, dass 37 Täufer an Ort und Stelle hingerichtet wurden. 132 Gefangene brachte man nach Leeuwarden; von ihnen wurden nach kurzem Verfahren nochmals 55 hingerichtet. Das Geschehen wurde so zu einem blutigen Menetekel für die radikale täuferische Bewegung in den Niederlanden. Die Einnahme des Oldeklosters dauerte nur wenige Tage, doch ihr Ende war ein Massaker.
Unter den Toten war auch Peter Simons, der Bruder von Menno Simons. Damit bekam das Ereignis für Menno Simons eine ganz persönliche Dimension. Sein Wirkungsort Witmarsum lag nur unweit vom Oldekloster entfernt, und die Kämpfe geschahen praktisch in seinem eigenen Umfeld. Neben Menschen aus seinem weiteren Wirkungskreis verlor er auch den eigenen Bruder. Gerade dieser Verlust hat sich tief in die mennonitische Erinnerung eingeprägt.
Für Menno Simons wurde Oldekloster zu einem Wendepunkt. Er war damals noch katholischer Priester, hatte sich aber innerlich bereits mit Fragen zur Messe, zur Taufe und zum wahren Wesen der Gemeinde beschäftigt. Das Blutbad von Oldekloster erschütterte ihn zutiefst. Später schrieb er sinngemäß, dass ihn das vergossene Blut dieser Menschen so stark getroffen habe, dass er keine Ruhe mehr fand. Von da an predigte er klarer gegen Irrtum und Gewalt, zugleich aber auch entschiedener für Buße, wahre Nachfolge und die Taufe der Glaubenden. Das Ereignis half mit, seinen Bruch mit Rom und seinen Weg in die friedfertige täuferische Bewegung zu beschleunigen.
So ist die Besetzung des Oldeklosters historisch in zweifacher Hinsicht bedeutsam. Einerseits zeigt sie, wie stark die apokalyptische und revolutionäre Bewegung von Münster damals auch Friesland erfasste. Andererseits wurde gerade das Scheitern von Oldekloster zu einer Mahnung, aus der später die klare Abgrenzung der mennonitischen Bewegung von jeder religiös begründeten Gewalt erwuchs. Der Tod von Peter Simons, des Bruders von Menno Simons, steht dabei sinnbildlich für die tiefe persönliche Erschütterung, aus der heraus Menno später zu einem Verkündiger der friedfertigen Nachfolge Christi wurde.

Quellen:
Scott McGinnis: Menno Simons and the Sword: From Oldeklooster to Wüstenfelde, in: Religions 15 (2024). Besonders nützlich für Ablauf, Einordnung und Wirkung des Ereignisses auf Menno Simons.
Encyclopaedia Britannica: Menno Simons. Gute knappe Übersicht zu Oldeklooster, zur Wirkung auf Menno und zur Verbindung mit Peter Simons.
GAMEO (Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online): Oldeklooster (Friesland, Netherlands). Hilfreich für die Ereignisgeschichte und die täuferische Einordnung.
GAMEO: Peter Simons (16th century). Wichtig für die Darstellung von Peter Simons und seine Verbindung zu den Ereignissen von 1535.
C. Huebner: Remembering the martyrs of Bloemkamp, in: Vision: A Journal for Church and Theology. Nützlich für die Erinnerungsgeschichte, die Opferzahlen und die spätere mennonitische Deutung von Bloemkamp/Oldeklooster.




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