13. März 1848 Tod von Johann Cornies
- Redaktion

- 13. März
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Am 13. März 1848 starb Johann Cornies auf seinem Gut Jushanlee bei Ohrloff in der mennonitischen Molotschna. Zeitgenössische und spätere Darstellungen berichten, dass er nach einer kurzen, schweren Krankheit starb; genannt werden ein ernstes Halsleiden beziehungsweise eine schwere Halsentzündung. Mit seinem Tod endete das Leben eines Mannes, der die Molotschna über Jahrzehnte hinweg wie kaum ein anderer geprägt hatte.
Doch dieser 13. März 1848 war nicht nur der Todestag eines bedeutenden Reformers, sondern auch der Schlusspunkt eines Lebens, das unter den Mennoniten nicht nur Dankbarkeit, sondern auch starken Widerspruch hervorgerufen hatte. Cornies war in der Molotschna hoch umstritten. Vor allem konservative Mennoniten lehnten seine Eingriffe in Landwirtschaft, Gemeindeleben und Alltagsordnung ab. Sie empfanden ihn als zu herrisch, zu staatsnah und als jemanden, der mit obrigkeitlicher Macht tief in das Leben der Gemeinden eingriff. Darum wurde er, wie ein Standardwerk formuliert, am Ende „mehr gefürchtet als geliebt“; ein anderer Historiker hält fest, dass bei seinem Tod nur wenige Mennoniten seinen Verlust wirklich betrauerten.
Gerade darin liegt die historische Spannung dieses Tages: Während ein Teil seiner eigenen Glaubensgemeinschaft innerlich auf Distanz zu ihm stand, wurde sein Tod außerhalb mennonitischer Kreise deutlich anders wahrgenommen. Cornies hatte sich über Jahre nicht nur für die mennonitischen Kolonien eingesetzt, sondern auch für benachbarte Gruppen, darunter die Nogai. Dass sein Wirken dort nicht vergessen war, zeigte sich nach seinem Tod beim letzten Geleit: Unter den vielen Menschen, die ihm die Ehre erwiesen, befanden sich ausdrücklich Russen und Nogai, ja auch ein großer Trauerzug mit Ukrainern, Russen, Nogais, Molokanen und Tataren wird überliefert. Darin wird sichtbar, dass die Nogai um Cornies trauerten und ihn als Wohltäter in Erinnerung behielten.
So bleibt der 13. März 1848 ein Tag mit doppeltem Zeugnis. Mit Johann Cornies starb ein Mann, der die mennonitische Siedlung an der Molotschna wirtschaftlich und organisatorisch stark vorangebracht hatte. Zugleich starb eine Persönlichkeit, deren Machtstil viele Mennoniten abgestoßen hatte. Sein Tod machte daher beides sichtbar: Ablehnung im eigenen Lager und aufrichtige Wertschätzung bei manchen Nachbarn, besonders unter den Nogai.
Die Beerdigung fand am nächsten Tag den 14. März statt, die Predigt wurde vom Ältesten B. Fast gehalten.
Quellen:
· Cornelius Krahn: Cornies, Johann, in: MennLex V – gute deutschsprachige Basisquelle zu Leben, Tod und Einordnung von Johann Cornies.
· Adolf Ens: Cornies, Johann (1789–1848), in: GAMEO – nützlich besonders für Angaben zum Tod 1848 und zum großen Trauerzug mit Nogais und anderen Nachbargruppen.
· James Urry: Cross-Cultural Encounters on the Ukrainian Steppe – wichtige wissenschaftliche Einordnung dazu, dass Cornies unter Mennoniten keineswegs von allen betrauert wurde.




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