top of page

10. März 1528 Hinrichtung von Balthasar Hubmaier



Am 10. März 1528 wurde Balthasar Hubmaier nach monatelanger Haft, Verhören und Folter in Wien auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Die zeitnahen Quellen sind knapp, aber für die letzten Stunden seines Lebens vergleichsweise aussagekräftig. Besonders wichtig ist der Bericht des Wiener Gelehrten Stephan Sprügel, eines feindlich gesinnten Beobachters, sowie eine Schrift Johann Fabris, die bereits einen Tag nach Hubmaiers Tod veröffentlicht wurde. Gerade weil diese Zeugnisse nah am Ereignis stehen, sind sie für die Darstellung des Hinrichtungstages wichtiger als spätere, stärker ausgeschmückte Überlieferungen.


Nach achtmonatiger Gefangenschaft war Hubmaier bereits am 3. März 1528 zum Feuertod verurteilt worden; die Vollstreckung erfolgte eine Woche später. Auf dem Weg zur Richtstätte, so berichtet Sprügel, sprach Hubmaier Bibelworte zu seiner eigenen Stärkung. Er wurde von einer bewaffneten Eskorte begleitet, während sich eine große Menge einfand. Schon dieser Zug zur Hinrichtung zeigt, dass sein Tod öffentlich demonstriert werden sollte: nicht als stilles Ende eines Gefangenen, sondern als sichtbare Machtdemonstration gegen einen Mann, der trotz Folter nicht widerrufen hatte.


Am Richtplatz angekommen, erhob Hubmaier noch einmal seine Stimme. Nach dem überlieferten Bericht bat er die Umstehenden um Vergebung, falls er jemanden verletzt habe, und erklärte zugleich, dass er auch seinen Feinden vergebe. Dann wurde er für die Verbrennung vorbereitet. Sprügel berichtet, dass man ihm die Kleider abnahm und ihm Schwefel und Schießpulver in den Bart rieb, damit das Feuer schneller greifen sollte. Als die Flammen aufstiegen, rief Hubmaier zunächst zu Gott; als Haar und Bart zu brennen begannen, soll er „O Jesus!“ gerufen haben. Schließlich starb er, vom Rauch erstickt, im Feuer. Diese knappen und harten Einzelheiten gehören zu den am besten belegten Aussagen über seinen Tod.


Auffällig ist, dass die unmittelbaren Quellen den letzten Weg Hubmaiers nicht als Zusammenbruch, sondern als standhaftes Ausharren schildern. Sprügel, der ihm keineswegs wohlgesonnen war, hielt fest, Hubmaier habe trotz Folter fest zu seiner Überzeugung gestanden. Eben deshalb sollte man sich bei der Beschreibung seiner Hinrichtung auf diese frühen Zeugnisse beschränken und spätere dramatische Zusätze nicht ungeprüft übernehmen. Historisch sicher ist: Am 10. März 1528 starb Balthasar Hubmaier in Wien den Feuertod, ohne den geforderten Widerruf zu leisten.


An seinen Tod erinnert heute eine Gedenktafel, die von den Gläubigen in Wien aufgestellt wurde.


Quellen

·       Ulrich J. Gerber: Hubmaier, Balthasar. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS).

·       GAMEO: Hubmaier, Balthasar (1480?-1528). In: Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online.

·       Kirk R. MacGregor: Hubmaier’s Death and the Threat of a Free State Church. Fachaufsatz zur Neubewertung von Verhaftung, Urteil und Hinrichtung 1528.

·       James R. Seiling: Johann Fabri’s Justification concerning the execution of Balthasar Hubmaier. Studie zur zeitnahen Rechtfertigungsschrift nach der Hinrichtung.

·       Wien Geschichte Wiki: Balthasar Hubmaier-Gedenktafel bzw. Balthasar Hubmaier – zur Wiener Überlieferung des Hinrichtungsortes beim Stubentor.

Kommentare


Mit dieser Internetseite möchten wir den internationalen Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung über Ländergrenzen hinweg fördern.

Wir laden alle Besucher herzlich ein, Feedback zu geben, Korrekturen vorzuschlagen oder eigene Beiträge einzureichen.

Bei Fragen, Kommentaren oder Anregungen können Sie uns gerne kontaktieren.


WhatsApp:
00598 98072033
Uruguay-98072033


info@mennoniten-weltweit.info

WhatsApp.webp
telegram-icon-6896828_640.png
Mennoniten: Arbeite und hoffe
bottom of page