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13. Dezember 1876 – Heinrich Wiebe erfriert bei Steinbach

Bild zeigt die Ost Reserve um 1877
Bild zeigt die Ost Reserve um 1877

Am 13. Dezember 1876 starb der mennonitische Einwanderer und Blumenorter Diakon Heinrich Wiebe nahe Steinbach den Kältetod – ein Ereignis, das die gefährlichen Winterwege und die harten, noch kaum abgesicherten Siedlungsbedingungen der jungen East-Reserve-Gemeinden in Manitoba besonders deutlich macht.


Als die ersten mennonitischen Siedler in den 1870er-Jahren im East Reserve in Manitoba ankamen, standen sie vor einer Pionierwirklichkeit, die sich nicht romantisch, sondern hart anfühlte: weite Wege, wenig Infrastruktur – und ein Winter, der Fehler kaum verzieh. Zwischen 1874 und 1878 siedelten dort rund 3.000 Mennoniten in geschlossenen Dorfgemeinschaften nach europäischem Muster.


In diesem Umfeld liegt die Erinnerung an den 13. Dezember 1876: Heinrich Wiebe, mennonitischer Einwanderer und Diakon des mennonitischen Dorfes Blumenort (heute nur wenige Kilometer von Steinbach entfernt), kam an diesem Tag durch Erfrieren ums Leben. Ein späterer Bericht, der seinen Tod ausdrücklich als „tragischen Erfrierungstod“ festhält, verknüpft das Datum mit einer typischen Winterarbeit der frühen Jahre: dem beschwerlichen Holz- und Lumberholen („Lumberholen“ ist hier ein eingedeutschter Ausdruck und bedeutet schlicht „Bauholz (Holz/Lumber) holen“).


Der Bericht beschreibt, wie am frühen Morgen – gegen 3:00 Uhr – beinahe die Hälfte der Bauern und ihrer Söhne aus Blumenort aufbrachen: 10 bis 12 Schlitten, von Ochsen gezogen, fuhren in den Wald östlich von Giroux (rund zehn Meilen entfernt), um dringend benötigtes Bauholz zu holen. Erst spät in der Nacht kehrte der Zug mit den geladenen Schlitten zurück. In genau diesem Zusammenhang wird das Gedenken an Heinrich Wiebes Tod verortet – als ein Schicksal, das die alltägliche Gefahr dieser Fahrten sichtbar macht.


Dass ausgerechnet ein Diakon genannt wird, ist dabei mehr als eine Randnotiz: Diakone standen in den mennonitischen Dorfgemeinden für praktische Verantwortung – für Unterstützung der Bedürftigen, Ordnungssinn, Verlässlichkeit im Gemeindeleben. Der Tod eines solchen Mannes traf eine junge Siedlung doppelt: menschlich und organisatorisch. Der 13. Dezember 1876 erinnert damit nicht nur an ein einzelnes Unglück, sondern an die verletzliche Anfangszeit der mennonitischen Neugründungen rund um Steinbach – in der „gewöhnliche“ Arbeit unter Winterbedingungen lebensgefährlich werden konnte.


Quellen:

  • Hildebrands Zeittafel

  • Manitoba Historical Society: Old Ways Under New Skies: Blumenort, Manitoba, 1874–1910 (Passage zum 13.12.1876 / Heinrich Wiebe).

  • Manitoba Historical Society (TimeLinks): Blumenort (Gründung/Einordnung der Siedlung).

  • Government of Manitoba: Mennonite Settlement East Reserve | Provincial Plaques (Zahlen/Grunddaten zur Besiedlung 1874–1878).

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