12. Januar 1874: Senator Cameron greift im Senat die mennonitische Siedlungspetition auf
- Redaktion

- 12. Jan.
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Washington, Winter 1873/74. Die „Mennoniten-Frage“ ist in den Vereinigten Staaten nicht plötzlich da – sie wandert innerhalb weniger Wochen durch den Kongress: zuerst als Petitionsbündel im Repräsentantenhaus (8. Dezember 1873), dann als förmlicher Prüfauftrag im US-Senat am 12. Januar 1874. Genau dieser Übergang erklärt, warum Camerons Vorstoß im Januar eine Debatte auslöst: Jetzt geht es nicht mehr nur um das Verlesen von Eingaben, sondern um die Frage, ob der Bund seine Landpolitik für eine geschlossene Ansiedlung („bloc settlement“) anpassen soll.
Der Auftakt im Repräsentantenhaus: 8. Dezember 1873
Am 8. Dezember 1873 erreicht die Angelegenheit den politischen „Hauptbahnhof“: Im House of Representatives werden mehrere Eingaben verlesen, die alle in dieselbe Richtung weisen – zusammenhängende Siedlungsgebiete auf öffentlichem Land und eine Lösung, die den mennonitischen Glaubensüberzeugungen (u. a. Wehrlosigkeit) nicht widerspricht.
Das amtliche Kongressprotokoll listet dazu gleich mehrere Petitionen (aus unterschiedlichen Regionen und über verschiedene Abgeordnete) auf, darunter:
„certain Mennonites“ mit der Bitte um „certain privileges in entering the public lands“ (u. a. über Mr. Dunnell, Minnesota).
Amos Herr und andere Mennoniten mit der Bitte um Privilegien beim Erwerb öffentlichen Landes (über Mr. Lowe).
„representatives of the Mennonites of South Russia and Prussia“ – ausdrücklich „in regard to the purchase of public lands … for a colony“ (über Mr. Monroe).
Und besonders deutlich: Mr. Smith (Pennsylvania) übermittelt eine Petition derselben Vertreter, verbunden mit dem Wunsch, benachbarte „sections“ (Landabschnitte) gebündelt sichern zu können – also nicht als verstreute Einzelstellen, sondern als zusammenhängender Block.
Genau diese Passage entspricht dem Kern deines Artikels vom 08. Dezember: Dort wird der Abgeordnete Abraham Herr Smith als zentraler Einbringer hervorgehoben – samt Formulierung „der Vertreter der Mennoniten in Südrußland und Preußen“.
Historisch wichtig: Am 8. Dezember ist noch nichts „entschieden“ – aber das Thema ist nun offiziell protokolliert und damit politisch anschlussfähig: Landrecht, Einwanderung, Staatsbürgerpflichten.
Der Schritt in den Senat: Camerons Vorstoß im Januar 1874
Nur wenige Wochen später wird aus dem Petitionsanliegen eine Senatsinitiative. In manchen Darstellungen taucht dafür das Datum 10. Januar 1874 auf – die amtliche Senatsniederschrift führt den entscheidenden Vorgang jedoch am Montag, 12. Januar 1874.

An diesem Tag bringt Senator Simon Cameron unter der Überschrift „PROPOSED MENNONITE SETTLEMENT“ eine Resolution ein, die den Kern der House-Petitionen aufnimmt und in eine Prüfaufgabe übersetzt:
Der Ausschuss für öffentliche Ländereien soll untersuchen, ob die Umstände der geplanten Einwanderung einer mennonitischen Kolonie aus Südrußland und Preußen es rechtfertigen, eine größere zusammenhängende Landfläche „in one body“ zu verkaufen, als es das Homestead-Prinzip normalerweise zulässt – und ob Änderungen der Landgesetze nötig wären, um die Ziele der Kolonisten zu erleichtern.
Damit ist der Zusammenhang direkt und in der Sprache der Gesetzgebung hergestellt:
House (8. Dez.): Petitionen bitten um Privilegien/Mechanismen, um öffentliches Land gebündelt für eine Kolonie zu erwerben.
Senat (12. Jan.): Cameron formuliert genau daraus die Frage, ob man über das Homestead-Normalmaß hinaus einen größeren Blockverkauf bzw. gesetzliche Anpassungen prüfen soll.
Warum es sofort zur Debatte kommt: „Prüfen“ heißt bereits „Prinzipien berühren“
Spannend ist: Schon bei dieser Resolution zeigt sich, dass es politisch heikel wird. Denn der Senat debattiert nicht lange über Mennoniten an sich – sondern über die Tragweite eines Sonderwegs. Senator Ferry (Connecticut) will den Text so abändern, dass der Ausschuss nicht direkt „zu einem Gesetz“ gedrängt wird, sondern zunächst nur die Zweckmäßigkeit prüft; Senator Sumner schlägt die klassische Formel „to consider the expediency“ vor; Cameron stimmt zu – und die Resolution wird in dieser abgeschwächten Form angenommen.
Das wirkt wie Feinmechanik, ist aber politisch bedeutend: Der Senat signalisiert damit, dass er die Petition ernst nimmt – aber zugleich die Tür offenhalten will, ob und wie weit man dafür die allgemeine Landpolitik verbiegt.
Der größere Hintergrund: Warum diese Petitionen überhaupt kommen
Die Petitionen zeigen den Druck unter welchem die Mennoniten im Russischen Reich standen: Privilegien wie Wehrfreiheit und kulturelle Selbstverwaltung geraten in den 1870er-Jahren unter Reformdruck; daher suchen Delegationen 1873/74 in Nordamerika nach tragfähigen Siedlungsbedingungen. Vor diesem Hintergrund ist Camerons Resolution im Januar praktisch der Moment, in dem Washington sagt: „Wir prüfen, ob unser Landrecht diese Art von Einwanderung als Gemeinschaft überhaupt aufnehmen kann.“
Die Petitionen vom 8. Dezember 1873 machten das Anliegen im Repräsentantenhaus offiziell sichtbar; Senator Camerons Schritt am 12. Januar 1874 überführte genau dieses Anliegen in den Senat – als Prüfauftrag, ob eine zusammenhängende mennonitische Kolonie aus Südrußland und Preußen durch Anpassungen der Bundes-Landgesetze möglich wäre.
Quellen:
U.S. Congress. Congressional Record (Bound Edition), 43rd Congress, 1st Session (House/„Petitions“), 8. Dezember 1873 – u. a. Petition der „representatives of the Mennonites of South Russia and Prussia“ zum Erwerb öffentlichen Landes „for a colony“.
U.S. Congress. Congressional Record (Bound Edition), 43rd Congress, 1st Session (Senate), 12. Januar 1874 – „PROPOSED MENNONITE SETTLEMENT“: Resolution von Senator Simon Cameron (Ausschuss „Public Lands“, Prüfung größerer zusammenhängender Landblöcke).
U.S. Congress. Congressional Record (Bound Edition), 43rd Congress, 1st Session (Senate), 23. April 1874 – Senatsdebatte zur „Mennonite bill“/Siedlungsregelung.
Hamm, BM. „Negotiating the 1870s Mennonite Migration to North America.“ Journal of Mennonite Studies (2023). – Einordnung/Ergebnis: Debatte, politische Argumente und das Scheitern des „Mennonite Bill“.
Papers Relating to the Foreign Relations of the United States (FRUS), 1874, Dok. 530 (Marshall Jewell an Hamilton Fish, 20. Mai 1874). – Zeitgenössische diplomatische Einordnung inkl. Hinweis auf die US-Senatslesung und Opposition gegen eine Sonder-Reservierung von Land für eine Religionsgruppe.




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