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08. Februar 1539 Hinrichtung von Tjaert Renicx

Aktualisiert: 9. Feb.


Bildhafte Darstellung einer Enthauptung
Bildhafte Darstellung einer Enthauptung

Am 8. Februar 1539 wurde der Täufer Tjaert Renicx in Leeuwarden (Friesland) hingerichtet. In der mennonitischen Überlieferung ist er vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil er in einer hochgefährlichen Zeit Menno Simons bei sich aufnahm und verborgen hielt – eine Tat der Nächstenliebe, die für ihn zum Todesurteil wurde.


Ein „frommer Bauer“ als Zuflucht für den Verfolgten


Menno Simons war in den späten 1530er-Jahren als Prediger und geistlicher Lehrer im Untergrund unterwegs. Nach den politischen Erschütterungen der Zeit und der verschärften Täuferverfolgung reichte oft schon ein Verdacht, um Menschen vor Gericht zu bringen. In diesem Klima gewann das einfache, mutige Handeln gewöhnlicher Familien ein enormes Gewicht: Wer eine Tür öffnete, riskierte alles.


Tjaert Renicx wird in den Quellen als gottesfürchtiger Mann aus der Gegend um Kimswerd/Witmarsum beschrieben. Menno selbst erwähnt einen Gastgeber, der ihn aus Mitleid und Liebe in seinem Haus verbarg. Genau dieser Punkt ist der Kern von Tjaerts Geschichte: Er war nicht nur „Mitläufer“, sondern jemand, der Schutz gewährte, als Schutz gefährlich war.


Warum das Beherbergen so schwer wog


Für die Obrigkeit war nicht nur der Prediger verdächtig, sondern auch sein Umfeld. Wer einem gesuchten Täufer Unterkunft gab, galt schnell als Teil eines verbotenen Netzwerks. Das Beherbergen wurde als Unterstützung der Bewegung interpretiert – unabhängig davon, ob der Gastgeber selbst öffentlich predigte oder politisch aktiv war. Tjaerts Beispiel zeigt: Die frühe täuferische Bewegung lebte von unscheinbaren Stützen – Bauernhöfen, Scheunen, Küchen und Stuben, in denen Menschen beteten, lasen, berieten und sich gegenseitig stärkten.


Verhaftung und Urteil


Tjaert Renicx wurde verhaftet und nach Leeuwarden gebracht. Überliefert ist, dass die Anklage sich typischerweise auf täuferische „Kennzeichen“ stützte – etwa Wiedertaufe und die Ablehnung der Messe. Entscheidend ist: In der späteren mennonitischen Darstellung steht Tjaert nicht als politischer Aufrührer im Vordergrund, sondern als jemand, der wegen seines Glaubens und wegen konkreter Hilfeleistung für einen Verfolgten verurteilt wurde.

Am selben Tag wurden insgesamt fünf Täufer in Leeuwarden hingerichtet. Das unterstreicht, dass es sich um eine gezielte Abschreckung handelte: Man wollte nicht nur einzelne Personen bestrafen, sondern ein Zeichen gegen ganze Gruppen setzen.


Wie starb Tjaert Renicx?


Die Überlieferung nennt unterschiedliche Details zur Hinrichtungsart (in manchen Listen Enthauptung, in der Märtyrertradition auch Formulierungen rund um das „Rad“). Für die historische Einordnung ist wichtiger als die genaue Technik der Exekution: Tjaert Renicx starb am 8. Februar 1539 als Täufer – und als einer, der Menno Simons in der Not nicht preisgab, sondern ihn beherbergte.


Bedeutung für die mennonitische Erinnerung


Tjaert Renicx steht exemplarisch für die „stillen Helfer“ der frühen Mennoniten: Menschen ohne Amt und ohne große Bühne, die durch Gastfreundschaft, Mut und Loyalität die Weitergabe des Glaubens ermöglichten. Dass Menno Simons überleben und weiterwirken konnte, hing nicht nur von Predigt und Schriften ab, sondern auch von solchen Häusern, die im richtigen Moment Schutz boten.


Kurzquellen (für deinen Quellenkasten):

  • GAMEO (Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online): Tjaert Renicx (d. 1539)

  • Martyrs Mirror / Martelaarspiegel: Abschnitt zu Tjaert Reyners / Renicx (1539)

  • Namenslisten/Verzeichnisse zu den Hinrichtungen in Leeuwarden (8. Feb. 1539)

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